Wie kann der Wacholderweg doch noch sicher werden? Spielstraße überzeugt nicht

Gemeint war es gut von der Stadtverwaltung – den Wacholderweg sicherer zu machen. Das vor allem mit Blick auf Eltern, die ihre Kinder in die Krippe oder Kita mit dem Auto bringen. Das sind nicht wenige, weil die Einrichtungen bei Weitem nicht nur der Neuschlößer Nachwuchs besucht.

Das allerdings führt zu Problemen in der lang gezogenen Kurve des Wacholderwegs mit dem ruhenden Verkehr. Die Stadtverwaltung schlug als Reaktion zunächst eine Einbahnstraßenregelung vor – nahm von dieser Idee nach einem Austausch mit Anwohnerinnen und Anwohner aber wieder Abstand.

Stattdessen wurde der Wacholderweg mit entsprechenden Schildern zu einer Spielstraße erklärt – und Pfosten vor den Einrichtungen sollen gefährliches Halten verhindern.

Absperrungen vor Kita und Krippe.
Absperrungen vor Kita und Krippe.

Das Konzept der verkehrsberuhigten Zonen sieht keine getrennten Flächen für Menschen vor, die zu Fuß oder mit dem Auto unterwegs sind. Entsprechend verschwand der markierte Streifen für den Fußverkehr an der Einmündung in den Lindenweg. Parken ist jetzt nur erlaubt, wo Stellplätze markiert sind.

Das geschah – im hinteren Teil des Wacholderwegs allerdings halb auf der früheren Fahrbahn, halb auf dem Gehweg. Dass Kinderwägen so schwer durchkommen, passt zum System der gemeinsam genutzten Straßenflächen – man darf ja jetzt auch auf der früheren Fahrbahn spazieren.

Keine Chance für Kinderwagen bei den eingezeichneten Parkplätzen.
Keine Chance für Kinderwagen bei den eingezeichneten Parkplätzen.

Soweit die Theorie. Die Praxis sieht ganz anders aus: Da der Wacholderweg baulich nicht verändert wurde, präsentiert er sich äußerlich nicht im Charakter einer Spielstraße. Gehweg und Fahrbahn sind weiter als getrennte Bereiche für Fußgängerinnen und Fußgänger einerseits sowie für den Fahrverkehr andererseits wahrnehmbar. Dazu trägt auch bei, die die aufgehängten Schilder hoch hängen und klein dimensioniert sind.

Entsprechend gering ist die Akzeptanz für das Konzept einer Spielstraße mit vermischter Nutzung; Autos fahren in der Regel schneller als die erlaubte Schrittgeschwindigkeit. Besonders problematisch wird das natürlich an jenen Stellen, wo die eingezeichneten Parkplätze dazu führen, dass Eltern mit Kinderwägen oder ältere Menschen mit Gehhilfen nicht auf dem Gehweg weiterkommen und ausweichen müssen – ausgerechnet etwa aus nördlicher Richtung unmittelbar vor der Kurve am Kindergarten.

Gut gemeint war am Ende also nicht gut gemacht. Die Bürgerkammer brachte das jüngst im Ortsbeirat vor – und bat in einer Anfrage die Fachleute der Verwaltung um Hinweise, was sich verbessern lässt. Erster Stadtrat Marius Schmidt brachte erste Ideen mit: Bodenmarkierungen, weitere Parkplätze, eine engere (eigentlich nicht mehr als solche vorhandene) Fahrbahn dank Blumenkübel, Bodenschwellen.

So richtig Begeisterung brach darüber nicht aus in dem Stadtteilgremium. Die Bürgerkammer kündigte an, das Thema noch einmal intern zu beraten. Anregungen der Anwohnerinnen, Anwohner und weiterer Betroffenen sind willkommen.

Parkplätze in neuer Ausrichtung.
Parkplätze in neuer Ausrichtung.


Erstbericht vom 11. Juni 2022

Wacholderweg soll Einbahnstraße werden

Der größte Teil des Wacholderwegs soll Einbahnstraße werden. Damit will die Stadt auf Verkehrsprobleme vor der Krippe und dem Kindergarten reagieren. Das hat Erster Stadtrat Marius Schmidt im Ortsbeirat angekündigt.

Konkret geht es um die Strecke von der Einfahrt zum Parkplatz der neuen Häuser der Baugesellschaft bis zur Einmündung in den Lindenweg. Sie soll nur noch ein Richtung Lindenweg befahrbar sein.

Als Grund nannte Schmidt viele Beschwerden – insbesondere über Situationen, wenn Eltern ihre Kinder zur Betreuung bringen oder holen. Fahrzeuge parkten dann auf den Gehwegen und behinderten jene, die zu Fuß zur Krippe oder zum Kindergarten laufen, andere blockierten Ein- und Ausfahrten. Manche Autos wendeten sogar in der unübersichtlichen Kurve vor den Einrichtungen. Schließlich verenge sich der Wacholderweg im weiteren Verlauf, so dass es schwierig werde, wenn Fahrzeuge entgegenkommen.

„Die Einbahnstaßenregelung kanalisiert den Verkehr zu den Hol- und Bringzeiten in eine Richtung“, erläuterte Schmidt. Weil es dann kein Gegenverkehr mehr gebe, könnten Autos auch ohne Probleme auf der Fahrbahn vor Krippe und Kita halten.

In die Krippe gehen auch viele Kinder aus der Kernstadt

Dass viele Eltern mit dem Auto unterwegs sind, muss nicht verwundern. Vor allem die Krippe wurden von Anfang an so konzipiert, dass sie auch Kinder aus der Kernstadt betreut. Bedenken zur Verkehrsführung gab es mit Blick auf die unübersichtliche, langgezogene Kurve vor den Einrichtungen schon frühzeitig. Insofern reagiert die Stadt jetzt – allerdings ziemlich spät.

Die Fraktion der Bürgerkammer hörte sich im betroffenen Teil des Wacholderwegs um. Viele Anwohnerinnen und Anwohner finden demnach die vorgeschlagene Einbahnstraßenregelung sinnvoll. Im Blick zu behalten bleibt, wie sich der neu gelenkte Verkehr auf den Lindenweg auswirkt – insbesondere, weil dort zahlreiche Fahrzeuge in beiden Richtungen parken und die Fahrbahn verengen.

Neue Regeln auch für das Parken im vorderen Wacholderweg

Der ruhende Verkehr ist auch noch ein Thema im Wacholderweg. Zum Ulmenweg hin parkten oft hohe Fahrzeuge, die die Sicht behinderten, berichtete Erster Stadtrat Schmidt. Deshalb sollten hier die Regeln überarbeitet werden. Konkret solle Parken nur noch in explizit ausgewiesenen Bereichen erlaubt bleiben.

Parkzonen im Wacholderweg.
Parkzonen im Wacholderweg. (Bild: Stadt Lampertheim)

Die Information des Ortsbeirats gilt als erster Schritt. Als nächsten werden Anwohnerinnen und Anwohner schriftlich über die Pläne in Kenntnis gesetzt. Für Mütter und Väter, die ihren Nachwuchs in die Krippe oder in den Kindergarten bringen, soll es einen Elternbrief geben, der die künftigen Verkehrsregeln erläutert.