Neues Jahr, neue Urlaubspläne – Neuschlößer mit schulpflichtigen Kindern müssen diesmal beim Buchen besonders aufpassen. An einigen Lampertheimer Schulen gelten 2013 Ferienzeiten, die von den allgemeinen hessischen Terminen abweichen. Das betrifft die für Neuschloß zuständige Grundschule, also die Pestalozzischule, genauso wie die Alfred-Delp-Schule.

Eine sportliche Großveranstaltung ist der Grund dafür, dass es erstmals seit langem Pfingstferien gibt. Frei ist von Samstag, 18., bis Sonntag, 26. Mai. Schulen und Hallen werden als Unterkunft für Sportler benötigt.

Die Nachmittagsbetreuung an der Pestalozzischule wird wohl ein Ferienprogramm auflegen – in der Mitgliederversammlung hatte der Vorstand in diese Richtung gesprochen. Der genaue Bedarf soll noch ermittelt werden.

Wichtig: Ebenfalls abweichend von der hessenweiten Regelung fallen an den betroffenen Schulen dann die Sommerferien kürzer aus – und beginnen erst am Donnerstag, 11. Juli.

Kopfrechenkünstler merken sogleich: Als kleine Wiedergutmachung für die Umstände springt unterm Strich ein zusätzlicher Ferientag raus.

Von all dem nicht betroffen ist das Lessing-Gymnasium. Eigentlich war angestrebt, eine stadtweite Regelung zu finden. Das LGL schert aber aus.

Was wird aus der Gaststätte in Neuschloß? Sie steht sie Ende 2011 leer.
Was wird aus der Gaststätte in Neuschloß? Sie steht sie Ende 2011 leer.

Uwe Rauschelbach beleuchtet im Südhessen Morgen die Perspektiven für Neuschloß – nach der Altlastensanierung und unter besonderen Berücksichtigung des beschlossenen Baus der kommunalen Kinderkrippe neben dem Kindergarten.

Auf der Neuschlößer Agenda stünden die Sicherung des Sodabuckels und die Suche nach einem neuen Bolzplatzgelände. Hier könnten sich die Stadtparlamentarier mit einer ebenso engagierten wie rationalen Debatte beweisen. Auch das „an exponierter Stelle stehende Verwaltungsgebäude des Schlosses hat neue Perspektiven vor sich“, ist sich die Zeitung sicher: Die Gespräche zwischen Stadt und dem Investor, einem Lampertheimer Architekten, der die denkmalgeschützte Immobilie restaurieren möchte, seien „vielversprechend“.

Und: Die Suche nach einem Interessenten für die geschlossene Gaststätte dauere an.

Weihnachtsfest der Meute im Schlosshof.
Weihnachtsfest der Meute im Schlosshof.

Das wärmende Feuer kam gut am bei den Gästen der Meute : Im Schlosshof ließen es sich insgesamt etwa 50 Neuschlößer trotz des nassen Wetters gut gehen. Besonders die Kinder waren mit Einbruch der Dunkelheit von den Flammen begeistert. Hungern musste niemand – es gab Gegrilltes und weihnachtliche Leckereien.

Explizit eingelanden waren übrigens die Neuschlößer Ortsbeiräte. Sie nutzen denn auch die Gelegenheit, sich das nach der Sanierung neu errichtete Nebengebäude anzuschauen. In ihrem jüngsten Treffen war das Bauwerk kurz Thema: Ortsvorsteherin Carola Biehal hatte den schleppenden Fortschritt der Arbeiten im Sommer kritisiert. Nun also konnten sich die Stadtteil-Politiker davon überzeugen, dass alles in Ordnung ist.

Das neu errichtete Nebengebäude am Schloss.
Das neu errichtete Nebengebäude am Schloss.

Ungewöhnlicher Auftritt: Unter dem Punkt „Mitteilungen der Ortsvorsteher“ ergreift Carola Biehal zur Überraschung der Abgeordneten in der Stadtverordnetenversammlung das Wort. Es kommt nicht oft vor, dass an dieser Stelle der Tagesordnung etwas gesagt wird. Doch diesmal war aus Neuschlößer Sicht ein Anlass gegeben. Neuschloss.net dokumentiert Biehals Rede.

Herr Bürgermeister, Herr Erster Stadtrat, Frau Stadtverordnetenvorsteherin, verehrte Stadtverordnete, werte Gäste,

heute nehme ich die Möglichkeit wahr, als Ortsvorsteherin das Wort an Sie zu richten. Diskussionen und Stellungnahmen in der Presse habe ich bewusst zurück gestellt. Ich wollte der CDU-Fraktion persönlich gegenüber treten!

In der jüngsten SEBA-Sitzung wurde über den künftigen Standort einer Kinderkrippe diskutiert und Aussagen von der CDU-Fraktion in den Raum gestellt, die, so muss ich jetzt unseren Bürgermeister zitieren, „katastrophal“, ja in meinen Augen unverantwortlich sind.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten leben wir in Neuschloß unter der Belastung der Altlasten. Zuerst die Ängste um die Gesundheit, um das Eigentum, um die finanzielle Auswirkung und um die Sanierungsverantwortlichkeit der Erben. Diese Hürde haben wir in zähen Verhandlungen genommen.

Dann die Sanierung selbst. Einige Eigentümer haben bis zu zwei Jahren die Sanierungsarbeiten in unmittelbarer Nähe ertragen müssen und zuletzt die Wiederherstellung mit all ihren Problemen.

Und nun, da all dies hinter uns liegt, müssen wir lesen, dass die CDU-Fraktion Bedenken hat, auf dem sanierten Gelände, neben dem Kindergarten in Neuschloß, eine Kinderkrippe zu bauen!

Haben Sie sich je mit dem Sanierungsplan auseinander gesetzt? Kennen Sie die Anforderungen, damit ein Grundstück als saniert gilt? Leider habe ich bei der Lampertheimer CDU-Fraktion nie ein großes Interesse für dieses wichtige Thema erkennen können. Im Gegenteil, Sie waren sogar gegen die Trassensanierung der Straßen!

An eine Aussage erinnere ich mich noch sehr gut: „Das Geld wird hier umsonst vergraben!“ Sollte das bedeuten, von den Altlasten geht keine Gefahr aus? Warum dann dieser Sinneswandel? Oder wurde nur das Floriansprinzip angewandt – uns persönlich betrifft es nicht?

Denn jetzt, nachdem der Boden ausgetauscht und fachgerecht saniert ist, sogar umfangreicher als das jetzige Bundesbodenschutzgesetz es vorsieht, soll das Bauen und Leben dort bedenklich, ja gefährlich sein? In der Zeitung stand, dass die CDU-Fraktion auf keinen altlastensanierten Flächen mehr bauen will. Bis zu 80 Millionen wird die Sanierung in Neuschloß kosten. Nach Ihrer Meinung umsonst?

Sollte es nicht eher altlastenbelasteten Flächen heißen? Denn davon gibt es in Lampertheim einige – und Sie wachen sehr spät auf!

Es besteht ein Gerichtsurteil, nach dem man in den 80er Jahren von einer Kontamination im Boden wissen musste – und Sie haben trotzdem für den Bebauungsplan in Neuschloß gestimmt!

Mir fehlt für Ihre Aussagen und Entscheidungen die klare Linie!

Was den Bau der Kinderkrippe angeht, so kann der Eindruck entstehen, Sie favorisieren einen anderen Standort und suchen nach Argumenten. Hier ist aber nicht jedes Mittel recht!

Sie sind gewählte Vertreter für ganz Lampertheim und Sie tragen die Verantwortung für ganz Lampertheim!

Sachlich falsch und dann noch mit unterschwelliger Angst zu argumentieren, um ein politisches Ziel zu erreichen, ist eines verantwortungsvollen Politiker nicht würdig!

Sie sollten sich schämen!

Carola Biehal

Es gibt Stadtverordnete in Lampertheim, die nur einen Krippenstandort suchen.

Welche von der CDU ermitteln mit Google Maps, wie viele Meter weiter von bestimmten Standorten in der Kernstadt der Weg in den Neuschlößer Wacholderweg ist verglichen mit dem Weg zum Lutherplatz. (Sie ermitteln freilich nicht, wie lange die Fahrten dauern. Und sie messen keine Wege von Neuschlößern oder Hüttenfelder Familien.) Und es gibt einen Parlamentarier der CDU, der seine möglichen Enkelkinder nicht auf einer sanierten Altlast spielen sehen will, wie es alle anderen Neuschlößer Kinder tun.

Es gibt Grüne-Abgeordnete, die vermuten, eine Krippe in Neuschloß erzeuge mehr CO2-Emissionen als eine am Lutherplatz. (Echt? Wenn viele Kinder, wie zu erwarten, aus dem Rosenstock und Europaviertel kommen – ist da der Weg über die Landstraße nach Neuschloß nicht schneller und schadstoffärmer als im Stoßverkehr durch die Stadt?)

Vielleicht gibt es bei der SPD auch Abgeordnete, die schlicht der Verwaltung folgen – und deshalb für Neuschloß stimmen.

Egal – am Ende gibt es eine Mehrheit für Neuschloß. Und damit schafft die Stadtverordnetenversammlung, auch wenn sie es selbst vielleicht nicht immer so wahrnimmt, etwas ganz Großes. Sie bestimmt mehr als einen umstrittenen Krippenstandort: Sie gibt einem ganzen Stadtteil neuen Mut. Und den kann Neuschloß gebrauchen.

Neuschloß, das ist jener Stadtteil, der nicht nur eine der größten Altlastensanierungen der Republik in manchen Teilen hinter und weiteren Teilen vor sich hat. Das ist auch jener Stadtteil, dem – abgesehen von einem Kiosk und einem zeitweise offenen Café – nach und nach fast jegliche Infrastuktur abhanden gekommen ist. Erst die Bäckerei und die Post, dann die Filialen von Volksbank und Sparkasse, im vergangenen Jahr die Gaststätte – und zuletzt auch noch der Geldautomat der Sparkasse. Selbst für ein Brot fahren die meisten Anwohner nach Lampertheim.

Dass die Stadt jetzt eine Krippe für 50 Mädchen und Jungen neben den städtischen Kindergarten baut, dass nun bald andersrum Lampertheimer regelmäßig nach Neuschloß fahren, dass in der Debatte die wundervolle Lage des Stadtteils unmittelbar am Wald herausgekehrt wird – all das tut uns Neuschlößern gut. Und vielleicht wird die Krippe sogar zum Wendepunkt. Wenn jeden Tag Leute in den Stadtteil kommen, lohnt sich vielleicht auch wieder ein Geldautomat – oder eine Gaststätte.

Die Stadtverordneten haben sich für einen Krippenstandort entschieden – und sie haben sich für Neuschloß entschieden. Im doppelten Sinn. Es könnte ein Aufbruch sein.