„Meute“-Event zum Triathlon

Wenn bei Großevents Sportlerinnen und Sportler unseren Stadtteil kreuzen, lassen sich die Neuschlößer nicht zweimal bitten. Wie beim Spargellauf gab es auch beim Triathlon laute Unterstützung am Wegesrand.

Die "Meute" hatte wieder an der Landesstraße ihre Zelte, Tische und den Grill aufgebaut. Kurz nach halb elf saußten dann die ersten Radfahrer vorbei - unter dem Applaus der Neuschlößer. Nach einer guten Viertel Stunde war der sportliche Teil erledigt.

Das Publikum freilich blieb noch eine gute Weile - kein Wunder, rockte die Band "Tornschlabbe" doch ordentlich durch den Vormittag.

Hier weitere Bilder von dem "Meute"-Event.

Abgesperrte Straßen bedeuten in Neuschloß meist Gutes.
Abgesperrte Straßen bedeuten in Neuschloß meist Gutes.
Richtig, es wird gefeiert.
Die "Meute" ruft den Stadtteil zusammen, um an der Landesstraße die Triathlon-Sportler anzufeuern.
Mit dabei: Livemusik, Gegrilltes und Getränke.
Weitere Eindrücke.
 
 

Mehr Betreuungsplätze in Pestalozzischule und Kindergarten

An der Pestalozzischule, wo auch die Neuschlößer Kinder lernen, können im neuen Schuljahr mehr Mädchen und Jungen in die Nachmittagsbetreuung gehen als bisher. Allerdings wird es genügend Plätze erst nach den Herbstferien geben. Das berichtet heute der Südhessen Morgen. Dann soll eine vierte Gruppe mit 17 Plätzen öffnen.

Direkt zum Schuljahresbeginn werden zunächst sechs Kinder zusätzlich in die bestehenden Gruppen aufgenommen. Gleichzeitig werden dann die räumlichen Voraussetzungen geschaffen, um die vierte Gruppe öffnen zu können. Bisher können 75 Grundschüler nach Schulschluss bis spätestens 16.30 Uhr betreut werden. Getragen wird die Einrichtung von einem Elternverein.

Auch der kommunale Kindergarten in Neuschloß stockt auf. Nach den Ferien wird er mit 60 Kindern und 16 Erzieherinnen voll ausgelastet sein. Passend zum 30. Geburtstag der Einrichtung gibt es ein großes Geschenk: Der Kindergarten erhält ein neues Außengelände. Eine Investition im Wert von 20.000 Euro, wie ebenfalls der Südhessen Morgen berichtet.

Trauer um Traudel Neudecker

Neuschloß trauert im Gertrude („Traudel“) Neudecker. Eine Krankheit hat sie nur 67 Jahre alt werden lassen. In den Achtzigerjahren war sie mit ihrer Familie in den Wacholderweg gezogen - und engagierte sich bald über mehrere Wahlperioden hinweg im Ortsbeirat. Sie gehörte von 1997 bis 2016 zur FDP-Fraktion, die der seinerzeitige Ortsvorsteher Gottlieb Ohl führte.

In den Treffen des Stadtteilgremius gehörte Traudel Neudecker nicht zu jenen, die zu jedem Thema lange Reden halten. Lieber griff sie mit kurzen, klaren Stellungnahmen ein, wenn es in einer Debatte galt, zu einer Lösung zu kommen.

Zuhilfe kam ihr bei ihrer Arbeit, dass sie viel im Stadtteil unterwegs und dabei mit den Neuschlößern im Gespräch war. Daraus resultierende Anregungen brachte sie in den Ortsbeirat ein - etwa, dass der Fuß- und Radweg zwischen Landesstraße und Wacholderweg eine Beleuchtung braucht. Und so muss es auch nicht verwundern, dass Traudel Neudecker es war, die nach einiger allgemeiner Ratlosigkeit auf die Idee kam, wo man den lange erwünschten Bolzplatz bauen könnte - am Spielplatz im Alten Lorscher Weg nämlich.

Die Bürgerkammer erinnerte in ihrer jüngsten öffentlichen Sitzung an die Verstorbene mit einer Gedenkminute. Auch der Südhessen Morgen würdigte die engagierte Neuschlößerin.

Ergänzung vom 20. Juni 2018: In den Tageszeitungen erscheinen heute Traueranzeigen. Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass und Bürgermeister Gottfried Störmer schreiben, der Tod von Traudel Neudecker habe große Betroffenheit ausgelöst. Beide erinnern daran, dass sich die Kommunalpolitikerin auch in der Stadtverordnetenversammlung und in einigen Kommissionen für die Belange ihrer Mitbürger aktiv und ehrenamtlich zur Verfügung gestellt habe.

Das Team der Kinderarztpraxis Peter Bärwinkel trauert um eine „ehemalige Mitarbeiterin, Kollegin, Freundin und gute Ratgeberin“. Es beschreibt Traudel Neudecker als „große Persönlichkeit, die stets liebevoll, hilfsbereit und dabei immer geduldig mit ihren Mitmenschen und den vielen kleinen Patienten“ umgegangen sei.

Die Trauerfeier mit anschließender Urnenbeisetzung ist am Dienstag, 26. Juni, 10 Uhr, auf dem Waldfriedhof. Anstelle von Blumen bitten die Hinterbliebenen um eine Spende an die Kinderhospiz „Sterntaler“ (IBAN DE19 4306 0967 6026 3478 00, Stichwort „Traudel Neudecker“).

Bushaltestellen in Neuschloß.

Bürgerkammer findet Kompromiss beim Busverkehr

Die Bürgerkammer setzt sich dafür ein, dass die Busse der Linien 602 und 605 weiter im Ulmenweg halten. Sie begrüßt, dass den Ahornweg-Anwohnern mit kurzen Bussen an Wochenenden und in den Ferien bereits entgegen gekommen wird. Und sie setzt darauf, im Zuge einer Neuordnung des Lampertheimer Busverkehrs mit dem S-Bahn-Start zu einer Gesamtlösung zu kommen.

Der Beschluss im Wortlaut:

  • Die Bürgerkammer begrüßt, dass die Sorgen der Ahornweg-Anwohner erst genommen werden und bereits jetzt zu Randzeiten kurze Busse zum Einsatz kommen.
  • Die Bürgerkammer hält es für wichtig, dass es in Neuschloß auch künftig einen attraktiven Busverkehr geben wird.
  • Die Bürgerkammer strebt, im Zuge einer grundsätzlichen Anpassung des Busverkehrs (ggf. im Rahmen der Einführung der S-Bahn), eine Lösung an, die möglichst vielen Interessen gerecht wird. Ein Ansatz könnte eine Linienführung sein, die noch mehr auf kurze Busse setzt.
  • Die Bürgerkammer hält weitere Gespräche mit dem Busunternehmen zum Thema Geschwindigkeit und Hupen für dringend nötig.

Um einen Eindruck vom Gewicht des Themas zu bekommen: Tagüber fährt grob über den Daumen jede Stunde ein Bus pro Fahrtrichtung durch den Stadtteil. Konkret fährt die 605 an Schultagen einmal am Morgen zur Pestalozzischule und dreimal am Mittag zurück. Die 602 rollt 13-mal über das Fachmarktzentrum (Aldi, Rede etc.), Bahnhof und Innenstadt zum Schulzentrum Wes; zwölfmal zurück.

In der Diskussion, in der die Bürgerkammer explizit die im Publikum anwesenden Anwohnnerinnen und Anwohner einbezog, fasste eine Präsentation noch einmal die Argumente zusammen. Demnach sprechen dafür, dass die Busse aus dem Wohngebiet verschwinden

  • die Wohnqualität von Anwohnern: Busse sind laut und verbreiten Abgase,
  • die Sicherheit von Anwohnern: Busse in normaler Länge überfahren teils den Bürgersteig,
  • die Verkehrssicherheit: Busse in normaler Länge fahren teils auf der Gegenfahrspur.

Als Argumente dafür, dass die Haltestelle „Neuschloß Ulmenweg“ weiter angefahren wird, wurden genannt:

  • kürzere Wege für viele Neuschlößer: Wir haben zwei Bushaltestellen, die jeweils ein Einzugsgebiet von Straßen im Ortsteil abdecken.
  • Einkaufsmöglichkeit: Linie 602 fährt vor allem für die Neuschlößer das Fachmarktzentrum an. Lange Tragewege sind da nicht zielführend.
  • Mit dem demografischen Wandel wird die Busanbindung wichtiger. Mehr Sicherheit, besonders für Schulkinder an der Haltestelle Ulmenweg mit dem angegliederten Ahornplatz. Alternative bedarf Fußweg entlang der Landesstraße.
  • Infrastruktur: Haltestelle Ulmenweg stärkt den Ahornplatz und das Kiosk am Ahornplatz als letzte Einkaufsmöglichkeit.
Der Ahornweg enthält zwei 90-Grad-Kurven - nicht einfach für Busse.
Der Ahornweg enthält zwei 90-Grad-Kurven - nicht einfach für Busse.

Öffentliche Sitzung der Bürgerkammer

Jahrelang ärgerten sich die Neuschlößer regelmäßig über die übel riechenden Abwasserkanäle. Seit die Stadt im vergangenen Sommer an zwei Stellen Schwallkappen einbauen ließ, ist die Lage deutlich besser geworden. In wie weit die Anlage noch nachjustiert werden muss, ist Thema der nächsten öffentlichen Sitzung der Bürgerkammer. Sie beginnt am Donnerstag, 14. Juni, um 19 Uhr im Bürgersaal am Ahornplatz.

In den Blick nimmt die Versammlung auch den bisherigen Verlauf der Jubiläumsfeiern und die inzwischen erschienene Festschrift zum 550-jährigen Bestehen von Neuschloß. Das große Jubiläums-Wochenende steigt am 18./19. August rund ums Schloss.

Weitere Themen sind die geplante Bebauung des Grundstücks der Lampertheimer katholischen St.-Andreas-Gemeinde an der Forsthausstraße und erneut der Busverkehr im Stadtteil. Dabei geht es um den Umbau der Bushaltestelle an der Landesstraße 3110 und die Frage, ob die Linien weiter durch den Ahornweg geführt werden sollen. Ferner stehen auf der Tagesordnung verschiedene Berichte, unter anderem der ICE-Intiative Bila.

Neuschloß unterstützt den Spargellauf

Die Sportlerinnen und Sportler, die aus dem Wald kommend auf den Neuschlößer Ulmenweg einbiegen, haben schon eine große Strecke hinter sich: Ihre insgesamt 21,1 Kilometer lange Route startet an der Pestalozzischule im Osten Lampertheims und führt zunächst entlang der Bundesstraße 44 zum Boxheimerhof bei Bürstadt. Von dort aus geht es dann durch den Wald an der Grillhütte vorbei über unseren Stadtteil zurück zum Ausgangspunkt. Stärkung und Unterstützung tut da natürlich gut nach etwa zwei Drittel des Weges. Dafür haben wieder die Neuschlößer gesorgt - und nebenbei eine Party daraus gemacht.

Im verlängerten Ulmenweg baute die Nachbarschaft wie in den Vorjahren wieder ein kleines Büffet auf mit Salaten, Kuchen und Getränken. Etwa drei Dutzend Leute freuten sich auch über die Musik aus einer Stereoanlage, wohl aus den Siebzigerjahren, mit vielen Reglern und einem Schallplattenspieler. Tatsächlich erklangen auch die schwarzen Scheiben, die manchen Kindern etwas seltsam vorkamen.

Die Kleinen hatten in jedem Fall ihren Spaß daran, die Becher mit dem kühlem Wasser zu reichen. Manche der Vorbeilaufenden tranken es, andere schütteten es als Abkühlung über ihren Kopf. Es gab sogar Sportler, die kurz anhielten und sich nach Süßem erkundigten. Wie gut, dass das Kuchenbüffet nicht weit war.

Am Ahornplatz hatte Gottfried Senftner mit seiner Familie wieder einen Kipper geparkt. Das Team spähte mit einem Fernrohr die Laufnummern auf den Trikots aus - um so mit Hilfe der Startliste sämtliche Läuferinnen und Läufer persönlich mit Namen begrüßen and anfeuern zu können. Das freue sie sehr. Musik und Applaus vieler Neuschlößer rundeten die Aktion ab. Ums Eck warteten wieder Getränke - und Anwohner hatten sogar eine Gartendusche mit kühlem Wasser aufgestellt. Der Ahornplatz war auch eine jener Stellen, an denen sich die Staffelläufer ablösten.

Gesprächsthema war häufig die jüngst erschienene Festschrift der Bürgerkammer zum Neuschloß-Jubiläum. Viele, die sie gelesen hatten, zeigten sich begeistert. Auch die Verkaufszahlen nach den ersten Tagen zeigen, dass die Festschrift ausgesprochen gut ankommt. Sie ist in Neuschloß im Kiosk am Ahornplatz und nun auch im Restaurant Quattro Mori erhältlich; zudem im Lampertheimer Bürgerservice im Haus am Römer.

Im verlängerten Ulmenweg lief die Party übrigens auch dann noch weiter, als die Läufer bestimmt schon längst im Bett lagen. Die Tische wurden erst nach Mitternacht abgebaut.

Empfang der Läuferinnen und Läufer im verlängerten Ulmenweg: Mit Applaus...
...und kühlem Wasser.
Für die Kinder ist es ein Vergnügen, die Becher zu reichen.
Für die Erwachsenen gibt es Sekt.
Musik gibt's auch - aus einer wundervollen Stereoanlage mit Schallplattenspieler.
Am Ahornplatz, wo auch die Staffelläufer wechseln, begrüßt Familie Senftner die Läuferinnen und Läufer namentlich.
Warten auf die Ablöse.
Ums Eck gibt es Mineralwasser im Becher...
...und eine kühlende Gartendusche.
Abkühlung unter der Gartendusche.
Sie wird gerne angenommen.
Weitere Eindrücke.
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Konfirmanten

Konfirmation bei der Johannesgemeinde

Mit einem in mehrfacher Hinsicht besonderem Gottesdienst in der Kapelle am Waldfriedhof hat die Neuschlößer Johannesgemeinde die Konfirmanden offiziell in ihre Erwachsenen-Gemeinschaft aufgenommen. Bei den jungen Christen handelt es sich um Benedikt Becker (Akazienweg 52), Tim Herget (Eichenweg 6), Jessica Richter (Ahornweg 33) und Ole Wolf (Ahornweg 8). Gleiches galt für elf Konfirmanden der evangelischen Kirchengemeinde in Hüttenfeld; es handelte sich um eine gemeinschaftliche Feier.

Das zeigte sich auch bei den Gästen. Die nicht wenigen Besucherpätze der Kapelle waren weitgehend gefüllt. Neben der Kirchenorgel umrahmte der Posaunenchor den Gottesdienst musikalisch. Die jugendliche Sängerin Jessina Bollinger interpretierte „When we were young“ von Adele und „Stand by me“ - und bekam dafür sogar Applaus von der Festgemeinde.

Dass der aktuelle Konfirmandenjahrgang der Gemeinde besonders ans Herz gewachsen ist, verdeutlichte Ruth Rupp vom Kirchenvorstand. Der Vorstellungsgottesdienst vor zwei Wochen in Hüttenfeld sei ausgesprochen gelungen gewesen; eine langjährige Kirchgängerin habe ihn gar als den besten bezeichnet, den sie je erlebt habe. „Mit solchen jungen Leuten in der Gemeinde wird mir nicht Angst und Bange“, sagte sie. „Bringt Euch weiter so ein; wir sind nicht viele, bei uns sind die Wege kurz.“

Pfarrer Reinald Fuhr.
Pfarrer Reinald Fuhr.
Auch in anderer Hinsicht kann der Gottesdienst als besonders gelten: Pfarrer Reinald Fuhr wird nach eigenen Worten bald in den Ruhestand gehen. Und so gerieten seine Worte ein wenig wie ein persönlicher Rückblick. Am Anfang seiner Berufszeit habe der Altersunterschied zu den Konfirmanten ein Jahrzehnt betragen; jetzt seien es vier Jahrzehnte mehr. Dennoch gebe es Fragen, in denen er heute den jungen Leuten ähnlich nahe stehe wie früher. Dazu gehöre auch, an manchen Dingen zu zweifeln.

Neben den vier Neuschlößern feierten auch Hüttenfelder Jugendliche in dem Gottesdienst ihre Konfirmation. Es handelt sich um Chafen Brown, Dane Ehret, Philip Ehret, Mattes Engel, Helena Heurich, Paul Kilian, Felix Kreibich, Lilly Mostert, Frauke Pöttker, Patrick Reich und Florian Schneider.

Festschrift beschreibt 550 Jahre Neuschloß

Fünfeinhalb Jahrhunderte Neuschloß auf einem Bild - die Titelseite der Festschrift zum 550-jährigen Bestehen unseres Stadtteils. Verfasst hat sie Neuschloss.net-Macher Michael Bayer.
Die Fürstenzeit steht am Anfang - eine Urkunde aus dem Jahr 1468 ist der Bezugspunkt des Jubiläums. Von Marlies Walkowiak stammen die wundervollen Illustrationen.
Zweite wichtige Zeit: die Chemische Fabrik. Das auf Hochglanzpapier gedruckte Heft umfasst 56 Seiten. Es ist komplett farbig gehalten.
Einblicke in die Fabrikära und den Resten, die erst vor wenigen Jahren beseitigt wurden.
Originalbilder aus den Siebzigerjahren zeigen, wie die Heimatvertriebenen Neuschloß aufblühen ließen - bis die Bagger der Altlastensanierer alles abrissen. Ein Schock für viele Bewohner.
Das Neuschlößer Jäger-Ehepaar Holz erinnert im Interview an die Jagd zu Fürstens Zeiten - und vergleicht sie mit dem Jagen heute.
Die Festschrift enthält eine eindrucksvolle historische Karte, die zeigt, wie Flüsse und Wege in unserer Gegend im Laufe der Jahrhunderte verliefen. Hier ein kleiner Ausschnitt.
Neuschlößer erzählen, was sie in den Stadtteil verschlagen hat, was sie an ihm schätzen, auch was schwierig ist.
Das Neuschloß-ABC der Festschrift liefert schließlich einen Überblick über alles, was wichtig ist in dem Stadtteil.
Das sagt die Presse über die Festschrift. Hier ein Ausschnitt aus einem Bericht des Südhessen Morgen vom 19.5.2018.
Die Lampertheimer Zeitung vom 19.5.2018.
Und schließlich ein Auszug aus dem Tip.

Fünfeinhalb Jahrhunderte Neuschloß haben es in sich. Immer wieder schafft der Ort Außergewöhnliches, auf völlig unterschiedlichen Gebieten. Was genau, erläutert eine spannende und liebevoll gemachte Festschrift der Bürgerkammer zum 550-jährigen Bestehen, die jetzt erhältlich ist.

Verfasst hat die Festschrift der Journalist Michael Bayer, der in Neuschloß aufgewachsen ist, auch heute dort mit seiner Familie lebt - und Neuschloss.net betreibt. Schwerpunkt ist die geschichtliche Entwicklung, gegliedert in sechs Phasen: Die Zeit der Fürsten und des Jagdschlosses, die der Chemischen Fabrik, die erste Siedlungsphase Ende der Fünfzigerjahre, die große Erweiterung in den Achtzigerjahren und die Epoche der Altlastensanierung. Die Zeit nach der Jahrtausendwende bezeichnet der Autor als jene des bürgerschaftlichen Engagements – mit Blick auf die Betreuung von Flüchtlingen, der Bürgerkammer als Stadtteilvertretung und vielen weiteren ehrenamtlichen Aktionen.

„Wir versuchen, die Ereignisse bis in die Gegenwart lebendig darzustellen“, erklärt Bayer. Anders als in den bisher erschienenen Schriften, in denen vor allem die Fürsten- und Fabrikzeit im Fokus stehe. „Ein Anliegen ist es uns dabei stets zu zeigen, wie sich die Geschichte auf das Leben der Bürgerinnen und Bürger auswirkt. Deshalb lassen wir auch Neuschlößer selbst zu Wort kommen.“

Mehr als tausend Menschen sind nach dem Zweiten Weltkrieg und bis heute nach Neuschloß gezogen. Sieben von ihnen erzählen in der Festschrift, was sie in den Stadtteil verschlagen hat, was sie an ihm schätzen, auch was schwierig ist. Die Frauen und Männer sind in verschiedenen Jahrzehnten in unterschiedliche Teile von Neuschloß gekommen – stehen also stellvertretend für ihre Generation, die verschiedenen Wachstumsphasen und Wohngebiete.

Titel_neu

Das auf Hochglanzpapier gedruckte Heft umfasst 56 Seiten. Es ist komplett farbig gehalten – was vor allem den Illustrationen zugute kommt, die Marlies Walkowiak eigens für das Stadtteil-Jubiläum entworfen hat. „Unser Titelmotiv vereint fünfeinhalb Jahrzehnte auf einem Bild. Die Linien deuten die früheren Fernwege an – und damit die seinerzeitige zentrale Lage von Neuschloß“, erklärt die Künstlerin. Eine Skizze im Inneren verdeutlicht die Routen. Auch weitere Kapitel illustrierte Walkowiak, die lange Zeit Kurse an der Lampertheimer Volkshochschule leitete und bis zu einem Umzug 2009 ein kleines Atelier betrieb.

Die Festschrift enthält neben der ausführlichen geschichtlichen Darstellung auch eine eindrucksvolle historische Karte, die zeigt, wie Flüsse und Wege in unserer Gegend im Laufe der Jahrhunderte verliefen. Dazu kommen selten gesehene Eindrücke Bilder aus dem Inneren des Beamtenbaus, ein Interview mit dem Neuschlößer Jäger-Ehepaar Holz über die Jagd zu Fürstens Zeiten und heute sowie einen Blick darauf, wie unser Stadtteil politisch tickt. Auch die drohende ICE-Trasse ist Thema. Das Neuschloß-ABC der Festschrift liefert schließlich einen Überblick über alles, was wichtig ist in dem Stadtteil.

Zum Gelingen der Festschrift beigetragen hat auch der Neuschlößer Ernst Kraus, der wertvolle Luftbilder zur Verfügung stellte. Digitaldruck Graze in Mannheim, geführt von einer Neuschlößer Familie, brachte sämtliche Fotos in einen druckreifen Zustand. Die Lampertheimer Druckerei Cocoons übernahm einen Teil der Herstellungskosten.

Die Festschrift ist erhältlich für 5,50 Euro im Neuschlößer Kiosk am Ahornplatz und im Bürgerservice der Stadt im Haus am Römer. Wer in Neuschloß wohnt, kann das Heft zudem per E-Mail bestellen - und bekommt es dann nach Hause gebracht.

Neuschloß feiert im Wald

Dass Neuschloß seinen 550. Geburtstag feiern kann, verdanken wir unserem Wald. Die Pfalzgrafen liebten es, in unserer Gegend zu jagen – und bauten deshalb hier eine Schlossanlage. Mehrere hundert Neuschlößer und auch Lampertheimer erinnerten sich beim Familienfest der Bürgerkammer an diese Anfänge unseres Stadtteils – mitten im Wald, rund um die Grillhütte. Natürlich erklang dabei auch das Jagdhorn – geblasen von der Neuschlößer Jägerin Beatrix Holz. Waldpädagoge Mirko Klein führte interessierte Gäste durch den heimischen Wald - und erklärte ihnen markante Punkte. Mit Fühlkästen hatten die Kinder ihren Spaß - und einem kleinen Quiz dazu. Auch ein kleiner Kletterparcours und das Spielmobil brachten ihnen Abwechslung. Viele Besucher genossen auch einfach den schönen Sonnentag in den Festzelten, und ließen dabei von Meute und Bürgerkammer mit Kuchen und Gegrilltem verwöhnen. Viel Applaus gab es für die Bläserklasse des sechsten Jahrgangs des Lessing-Gymnasiums. Musik selbstgemacht, ganz ohne Strom und Technik – das passte zum Rahmen. Ein gelungener Auftakt der Jubiläumsfeiern – die am Wochenende vom 18. und 19. August rund um das Schloss ihren Höhepunkt finden werden.

Familienfest zum Jubiläum

Die Bürgerkammer lädt ein zum großen Fest am Samstag, 5. Mai, 14 Uhr, rund um die Grillhütte an der Erholungsanlage Heidetränke. Dass wir im Sommer 550 Jahre Neuschloß feiern können, verdanken wir unserem Wald und dem Wild dort. Die Pfalzgrafen liebten es, in unserer Gegend zu jagen – und bauten deshalb hier eine Schlossanlage. Die Anfänge unseres Stadtteils. Welche Rolle spielt der Wald heute? Wie geht es ihm? Welche Tiere leben in unserer Nähe? Und wie funktioniert die Jagd heute? Fragen, denen wir beim Familienfest der Bürgerkammer nachgehen können – Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen. Wir erkunden mit dem Waldpädagogen Mirko Klein markante Punkte, wir lösen ein spannendes Waldrätsel – entweder modern mit dem Smartphone oder einfach mit Stift und Papier. Die Neuschlößer Jagd-Familie Holz zeigt, was ein Jagdhund alles können muss. Der Waldkindergarten informiert über seine Arbeit, und auch das Spielmobil bringt Abwechslung mit. Zum Abschluss spielt die Bläserklasse des sechsten Jahrgangs des Lessing-Gymnasiums. Die „Meute“ versorgt uns mit Bratwurst, Gebäck, Kaffee, Softdrinks und Bier. Anreise: am besten mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Wer auf das Auto angewiesen ist, fährt über die Boveristraße, vorbei an der Gaststätte Waldesruh, zur Grillhütte.

Bürgerkammer stellt Jubiläumsprogramm vor

Das Programm für das Stadtteil-Jubiläum von Neuschloß steht im Mittelpunkt der kommenden öffentlichen Sitzung der Bürgerkammer. Sie beginnt am Donnerstag, 12. April, um 19 Uhr im Bürgersaal am Ahornplatz. Die erste Veranstaltung steht bereits kurz bevor: Am Samstag, 5. Mai, lädt die Bürgerkammer zu einem gemeinsamen Fest im Wald ein. Der Festausschuss wird das umfangreiche Programm für diesen Tag vorstellen. Das große Jubiläums-Wochenende steigt am 18./19. August rund ums Schloss. Weiteres Thema der Bürgerkammer-Sitzung ist erneut der Busverkehr. Im Einzelnen geht es um den Umbau der Bushaltestelle an der Landesstraße und die Frage, ob die Linien weiter durch den Ahornweg geführt werden sollen. Ferner stehen auf der Tagesordnung verschiedene Berichte, unter anderem der ICE-Intiative Bila und aus einem Treffen des Lampertheimer Arbeitskreises Insektensterben.

Sportclub Kurpfalz bestätigt Vorstand

Der alte Vorstand des Sportclubs Kurpfalz ist auch der neue. Die Jahreshauptversammlung hat die Spitze um die Erste Vorsitzende Christine Kotschner-Klein bestätigt. Die Geschicke des Vereins bestimmen weiter auch Heidi Schlindwein (Zweite Vorsitzende), Petra Rudolph (Rechnerin) und Maria Senftner (Schriftführerin). Rita Eberhard ist die Frauenbeauftragte, Ulrike Back kümmert sich als Pressewartin um die Öffentlichkeitsarbeit. Zum Vorstand gehören ferner Sportwartin Nicola Vallejos, Jugendwartin Kerstin Fritzsche und Beisitzerin Anne Kleinsteuber. Der Neuschlößer Sportverein zählt stabil knapp hundert Mitglieder. Die Kurse finden sogar wachsendes Interesse; manche wurden daher geteilt oder verlängert. Das Angebot umfasst vor allem Gymnastik, (auch asiatische) Entspannung und ein Programm für Kinder im Alter von drei bis sieben Jahren. Gesellige Veranstaltungen wie Grillfest, Ausflüge und die Weihnachtsfeier runden das Programm ab.

Kursangebot SC Kurpfalz Neuschloß

Die Webseite des Sportclub Kurpfalz ist nach  Vereinsangaben in Folge eines Hackerangriffs derzeit nur eingeschränkt verfügbar. Deshalb hier noch schnell für Interessierte das Trainingsangebot samt Ansprechpartner: - Gymnastik (Pilates, Bauch-Beine-Po), montags, 19 bis 20 Uhr, Irene Schout, 06206/4275, - QiGong, montags, 20.15 bis 21.15 Uhr, Ariane Lunkenbein, 06006/911297, - Entspannung, dienstags, 18.30 bis 19.25 Uhr, Rita Eberhard, 06206/3975, - Wirbelsäulengymnastik, dienstags, 19.30 bis 20.30 Uhr, Edda Benzler, 06206/4875, - Fatburner-Training (Aerobic), donnerstags, 19 bis 20 Uhr, Christine Kotschner-Klein, 06206/12814, - Tai-Chi, freitags, 17.30 bis 19 Uhr, Nicola Vallejos, 06206/156164 - Sport, Spiel und Spaß für Kinder, donnerstags, 16.15 bis 17 Uhr, Kerstin Fritzsche, 06206/911914.
Kursangebot Sportclub Neuschloß.
Kursangebot Sportclub Neuschloß - vergrößern mit Klicks aufs Bild.

Bürgerkammer geht in die zweite Runde

Nach zwei Jahren stellt sich die Neuschlößer Bürgerkammer neu auf. Nachdem die satzungsgemäße erste Amtszeit abgelaufen war, fand sich nun eine neue Runde zusammen - die weitgehend die alte ist. Sieben Bewohnerinnen und elf Bewohner kümmern sich um die Anliegen unseres Stadtteils. Damit wurde keine Auswahl nötig, weil die Satzung bis zu 20 Aktive erlaubt. Kontinuität gibt es auch an der Spitze. Carola Biehal bleibt die Vorsitzende. Das Führungsteam komplettieren der stellvertretende Vorsitzende Helmut Kemnitzer, Schriftführerin Sonja Hilbert, die stellvertretende Schriftführerin Gitte Weidenauer, Pressesprecher Michael Bayer und Beisitzer Heinz Rupprecht. Ausgeschieden sind damit aus dem Vorstand der bisherige stellvertretende Vorsitzende Jason Bog und Pressesprecher Helmut Kleinsteuber.
Von links: Heinz Rupprecht, Michael Bayer, Gitte Weidenauer,  Sonja Hilbert, Helmut Kemnitzer, Carola Biehal.
Von links: Heinz Rupprecht, Michael Bayer, Gitte Weidenauer, Sonja Hilbert, Helmut Kemnitzer, Carola Biehal.
Die weiteren Mitglieder der Bürgerkammer sind Gisela Bürkel, Horst Irrgang, Heidrun Kemnitzer, Günther Kirchenschläger, Helmut Kleinsteuber, Robert Lenhardt, Ariane Lunkenbein, Gerhard Pflästerer, Peter Scherb, Elfriede Svoboda, Rolf Wegerle und Günter Weidenauer. Folgende Karte veranschaulicht, in welchen Straßen die Mitglieder wohnen - auf die roten Punkte klicken. In diesem Kreis sind wieder wichtige Einrichtungen des Stadtteils vertreten - die evangelische Johannesgemeinde genauso wie der SC Kurpfalz, die Meute wie der Altlastenverein und Projektbeirat. Die Liste der Mitglieder auf einen Blick: * Bayer, Michael, Ulmenweg 35; * Biehal, Carola, Ahornweg 4; * Bürkel, Gisela, Ahornweg 14a; * Hilbert, Sonja, Eichenweg 7; * Irrgang, Horst, Wacholderweg 10; * Kemnitzer, Helmut, Akazienweg 7; * Kemnitzer, Heidrun, Akazienweg 7; * Kirchenschläger, Günter, Buchenweg 23; * Kleinsteuber, Helmut, Ahornweg 21a; * Lenhardt, Robert, Tannenweg 1; * Lunkenbein, Ariane, Akazienweg 5; * Pflästerer, Gerhard, Eichenweg 12; * Rupprecht, Heinz, Ahornweg 6; * Scherb, Peter, Akazienweg 94; * Svoboda, Elfriede, Akazienweg 92; * Wegerle, Rolf, Lindenweg 3; * Weidenauer, Gitte, Buchenweg 5; * Weidenauer, Günter, Buchenweg 5.
Die Bushaltestelle im Ulmenweg - jetzt mit offizieller Linie.

Bürger fordern kurze Busse

Es ist ein Thema, das Anwohner im Ahornweg emotional sehr bewegt. Dass durch ihre Straße Linienbusse fahren und beim Abbiegen in den beiden Kurven im rechten Winkel auch über den Gehweg kommen, betrachten sie als gefährlich und rechtswidrig. Zu schnell seien die Busse, zu laut. Und der Abgasgeruch mache es schwierig, die Wohnung zu lüften. Das brachte die Gruppe im Publikum deutlich zum Ausdruck beim Informationstreffen zum Busverkehr, zu dem die Bürgerkammer eingeladen hatte. Freilich sehen das nicht alle Neuschlößer so. Eine andere Gruppe - Mütter von Kindern, die teils noch in die Grundschule gehen - sähen die Busse lieber weiter an der Haltestelle Ulmenweg halten. Dort schließt sich unmittelbar der Ahornplatz an, wo die Kleinen Raum finden zum ungefährlichen Toben. Ein weiteres Argument nannte Bernd Isenhardt, Geschäftsführer der städtischen Gesellschaft „Touristik Verkehr Lampertheim“, die den Öffentlichen Personennahverkehr betreibt: Auf Wunsch der Neuschlößer hält die Linie 602 an den Fachmärkten in der Otto-Hahn-Straße. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass vor allem Ältere auf dem Rückweg dann die Einläufe viele hundert Meter durch Neuschloß tragen wollen.“ Anlass der Debatte zu dem Dauerbrenner-Thema ist der geplante Umbau der Haltestelle „Neuschloß Ort“ an der Landesstraße. Sie soll vorständig verlegt werden in die Seitenstraße vor dem Beamtenbau - und zwar in beide Richtungen. Der Bus aus Lampertheim kommend würde also links in den Seitenweg einbiegen; Erhöhungen für den barrierefreien Einstieg wären im Seitenweg beidseitig nötig - ähnlich wie vor der Goetheschule. Somit müssten die meisten Neuschlößer Schulkinder auf dem Rückweg nicht die gefährliche Landesstraße überqueren, wenn sie bei „Neuschloß Ort“ aussteigen. „Der längere Weg bleibt trotzdem“, hielt eine Mutter aus dem Publikum entgegen. „Und das bei sieben, acht Kilogramm schweren Schulranzen.“
Eine Haltestelle für zwei Richtungen an der Goetheschule.
Eine Haltestelle für zwei Richtungen an der Goetheschule.
Im Laufe der Debatte loteten die Mitglieder der Bürgerkammer die Verhältnisse tiefer aus. Als Konsens auch mit den zunächst aufgebrachten Anwohnern entwickelte sich heraus, dass die vier Busse täglich zur und von der Pestalozzischule in jedem Fall weiter im Ulmenweg halten und wie bisher von großen Fahrzeugen bedient werden soll. Wie mit der 602, die von Hüttenfeld zum Schulzentrum West fährt, am besten umzugehen ist, blieb lange umstritten. Manche würden gerne die täglich 25 Busse auf den gleichen Routen weiter fahren lassen wie bisher, aber gegen die negativen Begleiterscheinungen vorgehen. Es solle geprüft werden, ob die Busse nicht langsamer fahren und die Fahrplan-Zeiten so angepasst werden könnten, dass kein Grund zur Eile ensteht. Eine andere Idee war, nur die für Schulkinder wichtigsten Verbindungen am Morgen und Mittag weiter durch den Ulmenweg zu schicken. Manche wollten sie weiter ganz aus dem Ahornweg heraushaben. Am Ende aber gab es auch für die 602 einen Konsens: Wenn hier kleine Busse zum Einsatz kämen, wären auch die Ahornweg-Anwohner glücklich. Ein Punkt, an dem die Bürgerkammer in ihren internen Beratungen nun anknüpfen kann.
Dreharbeiten bei Stefan Spiesberger.

Neuschloß, das dolle HR-Dorf

Neuschloß kommt ins Fernsehen. Die Bürgerkammer diskutiert gerade heiß mit den Anwohnern über den Busverkehr, als Vorsitzende Carola Biehal plötzlich aufsteht und einige Schritte zur Seite läuft. Am Telefon: Bürgermeister Gottfried Störmer mit der überraschenden Nachricht. Die Überraschung gehört zum Konzept des Hessischen Rundfunks. „Dolles Dorf“ heißt das Format des täglichen Nachrichten-Magazins „Hessenschau“ (19.30 Uhr, Hessen Fernsehen). Immer donnerstags liegen alle Orte des Landes mit weniger als 2000 Einwohnerinnen und Einwohnern in der Lostrommel. Wer gezogen wird (Minute 17.30 im Video),  kommt samstags groß raus mit einem Fünf-Minuten-Beitrag. Aber dafür muss das Dorf alles auffahren, was es zu bieten hat. Nicht unpraktisch, dass ohnehin gerade die aktiven Neuschlößer zusammensitzen. Aber die Runde lässt sich erstmal nicht aus dem Konzept bringen, auch wenn sich gegen 20 Uhr immer mehr Telefone melden - unter anderem jenes grüne Festnetzgerät noch mit Wählscheibe und rasselnder Klingel im Nebenraum des Bürgersaals, an das seit Jahren kaum jemand mehr denkt.
Das Fernsehen kommt - und plötzlich klingeln Telefone, von denen kaum einer mehr weiß.
Das Fernsehen kommt - und plötzlich klingeln Telefone, von denen kaum einer mehr weiß.
Eine Stunde später - Bürgerkammer und Anwohner haben den Busverkehr fürs Erste ausdiskutiert - wird klar: Ein Filmteam des Hessischen Rundfunks ist schon unterwegs nach Neuschloß. Nur wohin genau, weiß niemand so recht. Neuschloss.net startet über Facebook einen Aufruf, möglichst viele Leute mögen sich am Ahornplatz einfinden. Im Bürgersaal stellen Neuschlößer die eben schon abgebauten Tische wieder auf, bringen Stühle zurück. Andere springen kurz nach Hause, holen Familie, Wasser, Wein und Chips. „Da sind sie“, ruft plötzlich jemand am Fenster. „Alle runter!“ Vier Leute vom Hessischen Rundfunk schreiten über den Ulmenweg; etwa zwei Dutzend Neuschlößer empfangen sie jubelnd und mit einer kleinen La-Ola-Welle. „Schön, dass Sie alle gekommen sind“, sagt Reporter Philipp Wellhöfer. „Wir sind einfach durch den Ort gefahren und haben mal geschaut, wo wir jemanden finden.“ Oben im Bürgersaal geht‘s dann zur Sache. Reporter Wellhöfer zeigt auf sein Technikteam, das sich um Kamera, Ton und Licht kümmert. „Etwas zu drehen bringt immer viel Aufwand, selbst wenn es nur wenige Sekunden im Beitrag sind. Deshalb wollen wir nur filmen, was wir am Samstag auch senden.“ Mit anderen Worten: Es braucht eine gründliche Planung.
HR-Reporter Philipp Wellhöfer im Gespräch mit den Neuschlößern.
HR-Reporter Philipp Wellhöfer im Gespräch mit den Neuschlößern.
Und die beginnt sofort. Es sprudelt gerade so heraus aus den Neuschlößern: das Jagd- und Lustschloss mit den ersten Maskenbällen, die Wildschweine noch heute im Wald, die erste bedeutende deutsche Sodafabrik (Wellhöfer: „Ja, Superlativen sind super!“), blühende und ausgezeichnete Gärten, der Kampf um die Altlastensanierung, das weltweite Pilotprojekt der Grundwassersanierung, die einzigartige Bürgerkammer, der Kampf gegen eine ICE-Trasse quer durch den Wald, Stefan Spiesbergers Musikschule und sein Engagment für unseren Stadtteil, die evangelische Johannesgemeinde, der Waldfriedhof, die Meute, Kindergarten, Krippe und der neue Waldkindergarten mit Bauwagen. Und eine Runde Schnaps an der Mülltonne im Wacholderweg.
Neuschlößer in der Diskussion.
Neuschlößer in der Diskussion.
Der Reporter vom HR füllt Blatt für Blatt mit seinen Notizen, fragt nach, lacht, ist begeistert. Hat auf dem Weg nach Neuschloß ganz offensichtlich schon einiges über unseren Stadtteil gelesen (auch auf Neuschloss.net). Und schafft es so in sensationell kurzer Zeit, die Themen zu gewichten und sortieren. Die Neuschlößer besorgen ihm derweil die Ansprechpartner für die Gespräche vor der Kamera. Und so steht schon um 23 Uhr der minutengenaue Drehplan für den nächsten Tag. Eine tolle Chance für unseren Stadtteil, sich zu präsentieren. Das Ergebnis ist noch abrufbar im Sendungsarchiv der Hessenschau.
Das Filmteam der Hessenschau ist unterwegs im "Dollen Dorf" Neuschloß - hier beim Waldkindergarten.
Das Filmteam der Hessenschau ist unterwegs im "Dollen Dorf" Neuschloß - hier beim Waldkindergarten.
Das Filmteam der Hessenschau ist unterwegs im "Dollen Dorf" Neuschloß - hier beim Waldkindergarten.
Das entkernte Schloss ist natürlich eine wundervolle Kulisse. (Videos aus dem Inneren des Beamtenbaus findet Ihr auch hier auf Neuschloss.net.)
Das entkernte Schloss ist natürlich eine wundervolle Kulisse. (Videos aus dem Inneren des Beamtenbaus findet Ihr auch hier auf Neuschloss.net.)
Ulrich Guldner von der Bila berichtet, wie die ICE-Trasse den Wald zerschneiden könnte.
Das Flatterband zeigt: Hier droht die ICE-Trasse.
Die Vorsitzende von Projektbeirat und Bürgerkammer, Carola Biehal, im Interview über die Altlasten.
Die Kamera rückt den Sodabuckel ins Bild.
Reporter Philipp Wellhöfer (Bildmitte) mit seinem Technikteam bei Kids on Keys von Stefan Spiesberger.
Reporter Philipp Wellhöfer (Bildmitte) mit seinem Technikteam bei Kids on Keys von Stefan Spiesberger.
Mittagspause bei den Dreharbeiten - mit Pizza und Cola im Meute-Keller.
Schwatz mit Schnaps an der Mülltonne im Wacholderweg.
Schwatz mit Schnaps an der Mülltonne im Wacholderweg.

Bessere Züge, mehr Verbindungen

Der Fahrplanwechsel bei der Deutschen Bahn bringt Pendlern und Freizeit-Reisenden aus Lampertheim einige Verbesserungen. Die Wichtigste: Die jahrzehnte-alten Wagen ohne Klimatisierung, dafür mit durchgesessenen Sitzen sind aussortiert. Stattdessen fahren nun durchweg die roten Doppelstöcker - mit Klimaanlage. Schön ebenso: An Sonntagen fahren die Regional-Express-Züge nach Mannheim und Frankfurt nun wie sonst auch im Stundentakt. Bisher waren sie nur alle zwei Stunden unterwegs. Eigentlich hätte es ja noch schöner kommen sollen: Zum Fahrplanwechsel waren nagelneue Züge mit WLAN und anderen schicken Sachen vorgesehen. Aber es wurden nicht genügend Fahrzeuge fertig. Die Bahn setzt die bisher gelieferten "Twindexx Vario Doppelstockwagen" an der Bergstraße ein. Aber: Der 30. März 2018 soll der Tag der Tage werden, von dem an auch für Lampertheimer Pendler das Reisen zum Vergnügen werden kann. Dann soll auch auf der Riedstrecke der neue "Main-Neckar-Ried-Express" rollen. Die neuen Züge bestehen aus zweimal vier Wagen - das sind zwei mehr als bei den bisherigen Doppelstöckern. Damit dürften selbst in den Stoßzeiten die Sitzplätze ausreichen. An Bord gibt es Tische, Steckdosen und WLAN, Ein- und Ausstieg ist ebenerdig möglich. Der Main-Neckar-Ried-Express kommt ohne Lokomotive aus. Die Antriebstechnik ist direkt in den Wagen eingebaut. Details könnt Ihr Euch in dieser Fotostrecke der Frankfurter Rundschau anschauen. Jetzt müssten nur noch mal die bereits eingebauten Aufzüge am Lampertheimer Bahnhof in Betrieb gehen und auf den Bahnsteigen die endgültige Überdachung stehen. Dann wäre die Wartezeit bis zum Start der S-Bahn wenigstens gefühlt kürzer.

Parkplatz für Krippe und Kindergarten

Dass es in der langgezogenen Kurve des Wacholderwegs gefährlich werden könnte, wenn viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto in Kindergarten und Krippe bringen - das befürchtete der seinerzeitige Ortsbeirat schon, als die Betreuung für Zweijährige noch gar nicht stand. Im November 2013 startete dann die Krippe - und es zeigte sich: Die Einwände waren berechtigt. Seither stellen, trotz vieler gegenteiliger Appelle, nicht wenige Eltern ihre Autos halb auf den Gehweg, halb auf die Straße. Das macht die Lage, vor allem bei geöffneten Türen, nicht übersichtlicher. Und es stellt andere Eltern, die mit einem Kinderwagen auf dem Gehweg unterwegs sind, vor Probleme. Es sollte vier Jahre dauern bis zu einer ersten Lösung jetzt im Herst 2017.
Elternautos, halb auf dem Geweg geparkt.
Elternautos, halb auf dem Geweg geparkt.
Die Stadt hat nach mehreren Nachfragen der Bürgerkammer Teile eines benachbarten Grundstücks der katholischen St.-Andreas-Gemeinde gekauft, um dort Parkplätze zu errichten. Inzwischen ist der Mutterboden abgetragen und der Untergrund verdichtet, so dass dort schon Autos parken können. Im Frühjahr will die Stadt die Parkplätze dann pflastern und endgültig fertigstellen.
Der provisorische Parkplatz ist über den Wacholderweg zu erreichen.
Der provisorische Parkplatz ist über den Wacholderweg zu erreichen.
Blick in den Kanal: Die Klappe wird hydraulisch gehoben und gesenkt, das Wasser staut sich und fließt danach kraftvoll los.

Kanalspülung startklar

So sieht die neue Technik aus, die den Neuschlößern den Kanalgestank ersparen soll: Kernstück ist eine Klappe, die hydraulisch gesenkt und gehoben wird. Ist sie unten, staut sich das Abwasser auf. Sobald die Klappe nach oben gezogen wird, fließt das Abwasser kraftvoll weiter - und nimmt, so der Plan, alle eventuelle Ablagerungen in der folgenden Kanalstrecke mit. In der vergangenen Woche liefen entsprechende Versuche; dabei sind die Bilder von Neuschloss.net entstanden. Zwei solcher Klappen sind im Neuschlößer Kanal installiert - eine in der Mitte des Lindenwegs, eine weitere an der Ecke Buchen-/Ulmenweg.
Die Steuerungstechnik und Hydraulik-Pumpe.
Die Steuerungstechnik und Hydraulik-Pumpe.
Zu erkennen ist die Einrichtung an den grauen Kästen, die die Steuerungselektronik und die Hydraulik-Pumpe enthalten. Per Mobilfunk ist die Technik direkt mit dem Klärwerk verbunden.
Die Technik ist via Mobilfunk mit dem Klärwerk verbunden.
Die Technik ist via Mobilfunk mit dem Klärwerk verbunden.
Nach den Testläufen soll nun der Regelbetrieb starten mit einer Spülung pro Tag. Im Lindenweg um 7 Uhr morgens, an der Ecke Buchen-/Ulmenweg um 11 Uhr. Die Stadtverwaltung ist weiter auf Rückmeldungen der Bevölkerung angewiesen. Wenn es übel riecht, bitte die Meldefunktion von Neuschloss.net verwenden. Der Kanalgeruch ist in Neuschloß besonders ausgeprägt, weil Abwässer aus Hüttenfeld über eine Druckleitung nach Neuschloß kommen - und in der Höhe des Forsthauses an der L3110 in das normale Kanalsystem übergeben werden. Das Zeug dreht große Runden durch den Stadtteil, bevor es im Sammelbecken am hinteren Waldfriedhof-Parkplatz wieder in einer Druckleitung zur Kläranlage verschwindet. Zudem sind einige Kanäle in Neuschloß für normale Verhältnisse überdimensioniert, was die Fließgeschwindigkeit des Abwassers verringert - und Ablagerungen entstehen lässt. Der Stadtteil kämpfte viele Jahre für eine Lösung. Alle Hintergründe dazu auf unserer Themenseite zum Kanalgeruch in Neuschloß.

Wie wollen wir den Busverkehr?

Der Busverkehr bringt die Neuschlößer weiter auf die Palme. Nachdem im vergangenen Treffen der Bürgerkammer Verspätungen der Linie 605 zur Pestalozzischule im Mittelpunkt standen, geht es jetzt um die Linie 602. Anwohner im Ahornweg beschweren sich, die Busse führen zu schnell und in den Kurven über die Gehwege. In der Diskussion ist nun, die Haltestelle Neuschloß Ort an der Landesstraße sicherer zu machen und die 602 nicht mehr im Ulmenweg halten zu lassen. Die Neuschlößer sind nach ihrer Meinung dazu gefragt. Es ging emotional und heiß her bei einem Ortstermin am Freitag im Ahornweg. Mit dabei: Uwe Becher vom kommunalen Ordnungsamt, Vertreter des Busbetreibers Müllers, Aktive der Bürgerkammer - und ein Linienbus. Es dauerte nicht lange, bis auch Anwohnerinnen und Anwohner dazukamen - und Gunst der Stunde nutzten, sich Gehör zu verschaffen. Die Fahrzeuge kämen häufig beim Abbiegen auf die Bürgersteige berichteten sie. Sie seien laut und schnell.
Der Ahornweg enthält zwei 90-Grad-Kurven - nicht einfach für Busse.
Der Ahornweg enthält zwei 90-Grad-Kurven - nicht einfach für Busse.
Allerdings: Zickzack-Linien vor den Kurven, die das Parken verbieten, damit die Busse ohne Probleme fahren können, gefielen manchen Neuschlößern dann auch nicht; aufgeregt drohten manche sogar mit rechtlichen Schritten. Carola Biehal von der Bürgerkammer lud die Anwohner zu einer Testfahrt in den Linienbus ein - "damit Sie das mal aus der anderen Perspektive sehen". Tatsächlich legte sich damit die Aufregung. In den Mittelpunkt rückte zugleich ein Lösungsansatz, der allerdings wohl überlegt sein will.

Die Pläne für "Neuschloß Ort"

Zentral ist dabei, dass im kommenden Jahr ohnehin - wie schon länger von der Bürgerkammer gefordert - die Haltestelle an der L3110 vor dem Schloss komplett umgebaut werden soll. Derzeit steigen die Reisenden von und nach Lampertheim direkt an der viel befahrenen Landesstraße aus und ein. Wie schon vor der Altlastensanierung könnten die Busse künftig im sicheren Seitenweg vor der Grünanlage abfahren - und zwar, und das ist das Neue an der Idee, in beiden Richtungen. Busreisende wissen, dass das in der Lampertheimer Hagenstraße vor der Goetheschule schon ähnlich funktioniert. Die Fußgängerampel an der L3110 würde den Weg in den südlichen Teil von Neuschloß mit Tannen- und Birkenweg ebnen.
Eine Haltestelle für zwei Richtungen an der Goetheschule.
Eine Haltestelle für zwei Richtungen an der Goetheschule.
Nach dem Umbau - und jetzt kommen wir wieder zum Ärger im Ahornweg - könnten sich die Busse der Linie 602 dann die Runde zum Ulmenweg sparen. Für die Busse der Überlandlinie 644 zwischen Viernheim und Worms gilt das schon bisher. Die Kinder der Pestalozzischule, die die 605 nehmen, sollen aber auf jeden Fall weiter am Ahornplatz einsteigen dürfen. Die Bürgerinnen und Bürger sollten gut über den Vorschlag nachdenken. Einerseits gibt es das Interesse der Ahornweg-Bewohner, den Busverkehr in ihrer Straße zu verringern. Andererseits setzen sich Anwohnerinnen und Anwohner oft eher dafür ein, dass es mehr und nähere Haltepunkte gibt - und nicht weniger. Denn klar ist: Viele Jugendliche aus dem weiträumigen Akazien-, Ahorn- und Eichenweg samt deren Seitenstraßen, die täglich das Schulzentrum West ansteuern, müssten deutlich länger zur einzigen verbleibenden Haltestelle laufen. Gleiches würde für jene Neuschlößer von dort gelten, die für ihre Einkäufe mit der 602 in die Otto-Hahn-Straße fahren. Die Bürgerkammer ruft die Neuschlößer dazu auf, die Sache zu diskutieren - und erwägt einen Diskussionsabend zum Thema. Update: Der Infoabend ist jetzt geplant für Donnerstag, 25. Januar.

Bus zur Pestalozzischule pünktlich

Entspannt hat sich übrigens nach der deutlichen Kritik von Eltern in der jüngsten Sitzung der Bürgerkammer die Lage bei den Fahrten der Linie 605 zur Pestalozzischule. Der morgentliche Bus gegen Viertel vor acht fährt nun vorher früher durch das stau-gefährdete Rosengarten. Seither gibt es kaum noch Verspätungen. Auch die von der Stadtverwaltung zugesagte Abstandslinie ist inzwischen professionell gezogen - und ersetzt so das Klebeband-Provisorium einer Elterninitiative.
Die Bushaltestelle im Ulmenweg - jetzt mit offizieller Linie.
Die Bushaltestelle im Ulmenweg - jetzt mit offizieller Linie.
Hinweis: In einer früheren Version dieses Textes hatten wir geschrieben, der Bus zur Pestalozzischule fahre vorher nicht mehr durch den Rosengarten. Das ist nach einem Hinweis von Iris Henkelmann in der Facebook-Gruppe „Lampertheim tretet ein“ korrigiert: Der Bus fährt jetzt früher im Rosengarten ab.

CDU verliert und gewinnt auch in Neuschloß

Bei der Bundestagswahl bleibt in Neuschloß die CDU die stärkste Kraft. Allerdings verlor sie deutlich und kommt bei den Zweitstimmen jetzt wieder in die Größenordnung von 2009. Die SPD ist zweitstärkste Partei mit einigen Verlusten. Die Liberalen holen einen großen Teil ihrer Verluste von 2013 wieder auf und landen - in etwa wie die aufstrebende AfD - bei 14,5 Prozent. Grüne und Linke sind in Neuschloß abgeschlagen bei 7,9 beziehungsweise 7,8 Prozent. Verglichen mit dem Lampertheimer Stadtschnitt ist die CDU in Neuschloß etwa zwei Prozentpunkte schlechter, die SPD besser. Die FDP ist mit fast drei Prozentpunkten in Neuschloß deutlich stärker als in Gesamt-Lampertheim; die Linke kommt auf ein Plus von 0,7 Prozent Prozentpunkten. zweistimmen Die Mehrheit der Erststimmen geht an den CDU-Kandidaten Dr. Meister. erststimmen
Die 605 in Neuschloß.

Schulbus bereitet Magenschmerzen

In Neuschlößer Familien gehört zum Aufstehen neuerdings die bange Frage der Grundschulkinder: "Kommt der Schulbus heute pünktlich?" Eltern können hier natürlich keine Antwort geben. "Es gibt Kinder, die haben deshalb Bauchweh und Stress", berichtete Diana Wunderlich in der jüngsten öffentlichen Sitzung der Bürgerkammer. Sie ist eine jener Mütter und Väter, die morgens um halb acht regelmäßig mit an der Bushaltestelle im Ulmenweg stehen, wo die Linie 605 startet. Das Thema Schulbus beschäftigt schon seit Wochen Eltern und Leitung der Pestalozzischule. Es gab ein Treffen mit Verantwortlichen der städtischen Gesellschaft Verkehr Touristik Lampertheim (VTL), die den Busverkehr betreibt, und des ausführenden Busunternehmens. Daher ist inzwischen auch die Ursache der Verspätungen bekannt: Der Bus ist, bevor er nach Neuschloß kommt, zwischen Rosengarten und Lampertheim unterwegs - und dort geht es derzeit oft langsam voran, weil die Strecke als Ausweichroute für Baustellen-Autobahn 6 überlastet ist. Die Vorsitzende der Bürgerkammer, Carola Biehal, stellte unter dem Nicken der anderen Mitglieder fest: "Dann muss das Busunternehmen eben seine Touren ändern, um die pünktliche Abfahrt in Neuschloß zu gewährleisten." Dazu kommt, dass der Fahrplan der 605 offenbar zu knappe Zeiten vorsieht. Die Route über Waldfriedhof, Anne-Frank-Straße, Bertha-Benz-Weg, Amselstraße zur Pestalozzischule soll genau acht Minuten lang dauern. "Ich schaffe das so schnell nicht mal mit dem Auto - und ich fahre direkt über die Verbindungsspange zur Schule, nicht durch den Rosenstock", erklärte ein Vater. Die fahrplanmäßige Zeitnot ist am Ende nicht nur ein Problem der Pünktlichkeit. Der Bus, erläuterten die Eltern, fahre oft schon ab, bevor alle Mädchen und Jungen sitzen. Und Anwohner aus dem Ahornweg berichteten, die Fahrzeuge seien in der Tempo-30-Zone zügig unterwegs und führen in den scharfen Kurven nicht selten über den Gehweg - was nicht ungefährlich sei. Erster Stadtrat Jens Klinger regte daher an, dass die VTL die Wegezeit überprüfen solle.

Schule bespricht das Busthema im Unterricht

Klar wurde aber auch, dass sich manche Kinder offenbar nicht so im Bus verhalten, wie es angemessen wäre. In Absprache mit den Beteiligten wurden deshalb Videoaufnahmen während der Fahrt angefertigt und in der Pestalozzischule ausgewertet. Ein Kind dürfe nun nicht mehr mit dem Bus fahren, mit anderen seien Gespräche geführt worden, hieß es. Zudem hätten Lehrerinnen und Lehrer das Benehmen im Bus im Unterricht thematisiert, berichteten die Eltern.
Klebeband als Einstieghilfe.
Klebeband als Einstieghilfe.
Auch an der Haltestelle im Ulmenweg geht es mitunter wohl etwas zu turbulent zu. "Seit Schulbeginn ist es täglich ein Graus zu sehen, wie die Kinder an der Bushaltestelle herumturnen und teilweise auf die Straße geschubst werden", heißt es in einem Schreiben der Eltern an Stadtrat Klingler, das Neuschloss.net vorliegt. Eltern vor Ort griffen ein und bildeten eine Kette zur Straße hin. Zuletzt klebten die Väter Mathias Pawlenka und Thomas Mauser eine provisorische Abstandsmarkierung auf den Boden, an die sich die Kinder tatsächlich halten. Diese Linie wird jetzt professionell von Straßenbauern gezogen, gab Biehal bekannt. Der Auftrag sei bereits erteilt.
Thomas Mauser, Diana Wunderlich, Mathias Pawlenka.
Thomas Mauser, Diana Wunderlich, Mathias Pawlenka.
Eine ganze Reihe weiterer Probleme im Öffentlichen Personennahverkehr kamen bei dieser Gelegenheit in der Bürgerkammer zur Sprache: Ein Bus, der aus Hüttenfeld zum Schulzentrum West unterwegs ist, soll laut Fahrplan neben Neuschloß Ort auch die Haltestelle Ulmenweg anfahren - macht er aber nicht. "Wir können uns nicht auf den Fahrplan verlassen", fasste Wunderlich zusammen. Mehrmals sei zudem vorgekommen, dass die Fahrer die vorgesehene Wegstrecke nicht kannten - und sich bei den Grundschülern im Bus informierten, wie sie fahren müssen. An einem Tag, an dem man spät dran war, ließ der Fahrer kurzerhand die Haltestellen im Rosenstock aus und fuhr über die Verbindungsspange direkt zur Schule. Und das Ruftaxi, das Neuschloß in den Abendstunden anbindet, fährt offenbar manchmal auch dann nicht, wenn es explizit bestellt wurde. Erster Stadtrat Jens Klinger, der als Vater ähnliche Erfahrungen mit dem Schulbusverkehr andeutete, zeigte sich entsetzt über das Gesamtbild. Auf die Frage aus dem Publikum, ob die Stadt hier nicht juristisch Druck machen könne, antwortete er: "Was hier vorgetragen wurde, reicht für fünf Abmahnungen." Die Stadt gebe sechsstellige Summen aus für den Busverkehr. "Wir machen das natürlich, weil wir etwas Gutes tun wollen. Und dann gibt es nur Ärger." Die politischen Gremien der Stadt initiieren derzeit einen Fahrgastbeirat. Die Bürgerkammer nominierte Diana Wunderlich als Mitglied für Neuschloß.