Wann habt ihr eigentlich zuletzt euren Trinkwasserfilter im Keller kontrolliert? Möglicherweise ist er inzwischen viel dunkler verfärbt, als er sein sollte. Das hat einen Grund, der fassungslos macht: Unser kommunaler Versorger Wasserried schickt gelegentlich so manchem Haushalt in Neuschloß eine trübe Brühe ins Haus. Und sagt auf Nachfrage: nicht so schlimm.
Damit nicht genug: Im jüngsten Treffen des Ortsbeirats stellte sich heraus: Das läuft schon seit zwei Jahren so.

So sah es bei Ortsvorsteherin Carola Biehal aus, als handwerklich begabte Menschen in ihrem Haus den Trinkwasserfilter ausspülten. Trinken will man das sicher nicht. Vertragspartner der Haushalte in Neuschloß ist der Versorger Wasserried; er gehört den Kommunen Lampertheim und Bürstadt. Gegenüber seiner Kundschaft nannte der Versorger eine Manganwolke als Ursache, berichtete Biehal aus eigener Erfahrung.
Die Bürgerkammer bat jüngst im Ortsbeirat Bürgermeister Alexander Scholl (CDU) um Stellungnahme. Die Wasserried beziehe ihr Wasser vom EWR Worms und dessen Werk im Bürstädter Wald, sagte er. Die Verschmutzung entstehe schon während der Zulieferung in der Verantwortung des EWR, vor dem Übergabepunkt in unserem Stadtteil.
Das EWR plane ein aufwendiges Reinigungsverfahren für die Transportleitung. Eine Kamerabefahrung solle die Konzentration des Mangans ermitteln. Die Verunreinigung sei „nicht schön“, aber gesundheitlich in dieser Konzentration nicht bedenklich.
Kommentar: In der Verantwortung
Dass die Ursache für die Verschmutzung des Trinkwassers das EWR verantworten müsse, haben auch schon manche Neuschlößer Haushalte von der Wasserried gehört. Als sie nämlich fragten, wer die Kosten im dreistelligen Euro-Bereich übernimmt, wenn ein Handwerksbetrieb zum Säubern des Filters im Haus gerufen werden muss.
Dabei ist klar, wer Vertragspartner der Neuschlößerinnen und Neuschlößer ist: Wasserried, nicht EWR. Wenn VW eine fehleranfällige Befestigungsschraube eines Zulieferers verwendet, verweist der Autobauer die Kundschaft beim Rückruf auch nicht an den Zulieferer.
Und: Beim verunreinigten Trinkwasser steht auch die Stadt Lampertheim in der Verantwortung. Sie muss dafür sorgen, dass Wasserried die Menschen nicht hinhält.


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