Information und Austausch in der Bürgerkammer. Information und Austausch in der Bürgerkammer.

Bürgerkammer erwägt Liste für den Ortsbeirat

Die Aktiven der Bürgerkammer erwägen, sich auch dann weiter für Neuschloß zu engagieren, wenn es wieder einen Ortsbeirat gibt. Das ist das Ergebnis einer ersten internen Abstimmung. Konkret bedeutet die Idee, dass die Bürgerkammer eine eigene Liste für die im kommenden Jahr anstehenden Wahlen des Ortsbeirats aufstellen könnte.

Alle derzeitigen Mitglieder der Kammer sprachen sich für eine solche Konstellation aus – und bekundeten ihre grundsätzliche Bereitschaft, sich für eine Ortsbeiratsliste aufstellen zu lassen.

Bis vor vier Jahren waren im Ortsbeirat ausschließlich politische Parteien vertreten – konkret führend die SPD, die FDP und die CDU. Allerdings waren auf den Listen von Frei- und Sozialdemokraten zuletzt zunehmend auch parteilose Neuschlößer vertreten. Im Frühjahr 2016 kam dann wegen Formfehlern von Parteien kein Ortsbeirat zustande. Seither engagieren sich bis zu 20 Frauen und Männer ehrenamtlich und ohne Parteibindung in der Bürgerkammer für die Belange des Stadtteils.

Die Neuschlößer entwickelten die Bürgerkammer – gemeinsam mit Vertretern Rosengartens, wo die Lage ähnlich war – mit dem Politikwissenschaftler Karl Rudolf-Korte. Motto: Besser eine selbstgestrickte Vertretung des Stadtteils als keine. Die Kammer als Einrichtung wurde nach anfänglichen Bedenken im kommunalpolitischen Betrieb akzeptiert. Es zeigte sich, dass viele sich in der Kammer engagierten, die aus verschiedenen Gründen nicht auf einer Parteienliste stehen wollen. Ihre Handlungsfähigkeit bewies die Kammer schließlich insbesondere mit der Organisation der Feier zum Stadtteil-Jubiläum samt Veröffentlichung einer Festschrift.

Dass die Aktiven von 2021 an wieder auf einen Ortsbeirat setzen, erscheint vor allem deshalb sinnvoll, weil ein solches Gremium weniger auf das Wohlwollen der Verwaltung und Stadtspitze angewiesen ist. Denn die Hessische Gemeindeordnung regelt die Mitsprache der Beiräte. Unterm Strich wird sich am Einfluss von Neuschloß wenig ändern: Formal können auch Ortsbeiräte nur Empfehlungen geben. Entscheidend bleibt, wie engagiert und durchdacht die Aktiven arbeiten.

Interessant wird die Frage, wie sich die Parteien verhalten. In der Bürgerkammer können natürlich Neuschlößer mit Parteibuch als Privatpersonen mitarbeiten. Bei FPD und SPD ist das der Fall; an der Spitze der Bürgerkammer steht die SPD-Stadtverordnete Carola Biehal.

Der Südhessen Morgen fasst die Lage so zusammen: „Vor diesem Hintergrund werden die Parteien zu entscheiden haben, ob sie ebenfalls mit eigenen Listen ins Rennen gehen werden – oder ob die unterschiedlichen politischen Orientierungen in Neuschloß künftig in einer einzigen, bürgerschaftlich geprägten Gruppierung aufgehen.“ Die Zeitung hat dazu auch eine Meinung: Eine Bürgerkammerliste „würde den Schwung der bürgerschaftlichen Arbeit in den Stadtteilen aufnehmen und frischen Wind in die Ortsbeiräte wehen.“ Hilfreich sei, „wenn sich auf einer solchen Bürgerliste auch der eine oder andere Fraktionsangehörige fände“.

In einem ersten Schritt bereitet die Bürgerkammer derzeit ihre dritte Sitzungsperiode vor, die im April beginnt – und ruft wieder Neuschlößer zur Mitarbeit auf. Wer in der Runde dabei sein möchte, muss den ersten Wohnsitz in Neuschloß haben und älter als 16 Jahre sein.

Weitere Informationen zur Bürgerkammer unter www.buergerkammer-neuschloss.de.

Transparenzhinweis: Der Autor ist Mitglied der Bürgerkammer.

Altlastenverein löst sich auf

Gut 30 Jahre, nachdem die flächendeckende Belastung mit Altlasten erkennbar wurde, schließt Neuschloß mit den Hauptkapiteln der Sanierung ab. Der Altlastenverein organisierte in einer Mitgliederversammlung seine Abwicklung. Aber die Sicherung der Überreste der chemischen Fabrik wird unseren Stadtteil noch das angefangene Jahrzehnt über begleiten.

Der Grund für den Schlussstrich ist erfreulich: Mit dem Ablauf der letzten Gewährleistungsfristen der Baufirmen, die an der Bodensanierung und der Wiederherstellung von Nebengebäuden und Gartenanlagen beteiligt waren, hat der Verein seine Aufgaben abgeschlossen.

Vor 20 Jahren hatten sich in dem Altlastenverein etwa hundert Grundstücksbesitzer zusammengetan, um kundigen Rechtsbeistand finden und bezahlen zu können. Er handelte mit Stadt und Land eine Rahmenvereinbarung aus; der Verein wurde Vertragspartner. Die Mitglieder trafen auf dieser Basis ihre jeweiligen Sanierungsverträge.

Auch wenn der Boden im Wohngebiet sauber und der Sodabuckel gesichert ist – die Altlasten werden den Stadtteil weiter beschäftigen. Die Grundwassersanierung startet gerade neu durch; dennoch wird sie die Anwohner wohl das komplette Jahrzehnt über begleiten. Und im Wald gibt es mit dem Roten Hof östlich des Alten Lorscher Wegs und den Sandgruben westlich des Sodabuckels weitere Altlasten, die massiv kontaminiert sind. Betroffen von der geplanten Sanierung dort sind auch Gärten im Fichtenweg. Für Fragen der Neuschlößer in diesem Zusammenhang steht der Projektbeirat Altlasten (PAN) weiter zur Verfügung. Seine Spitze ist personell identisch mit der des bisherigen Altlastenvereins.

Damit die Erinnerung an das Großprojekt Altlasten nicht verblasst, verstärkt der Projektbeirat seine Dokumentation im Internet. PAN-Pressesprecher Michael Bayer, der schon die Neuschloß-Chronik zum Stadtteiljubiläum verfasst hat, erinnert an den großen Kampf um die Sanierung der Grundstücke im Wohngebiet. Ausführliche Überblicksdarstellungen, ergänzt mit vielen Fotos, gibt es auch zur Sicherung des Sodabuckels, zur Grundwassersanierung und zu den Altlasten im Wald. Dazu kommen zahlreiche Originaltexte aus den vergangenen 15 Jahren. Eine interaktive Grafik gibt einen Gesamtüberblick über die Flächen, die bereits gesichert sind oder noch bearbeitet werden müssen.

Visualisierung der Bahn.

Warum der Tunnel die Konsenstrasse schlug

Ein mehr als zehn Kilometer langer Tunnel unter dem Lampertheimer Wald und auch den Äckern der Spargelstadt – mit dieser „Vorzugsvariante“ für die Neubaustrecke der Bahn rund um Neuschloß hätte noch vor nicht allzulanger Zeit kaum jemand gerechnet. Klar, es ist ein Kompromis: Die Bahn bekommt die schnellste Route, der Region bleibt – von den Bauarbeiten abgesehen – die Zerschneidung erspart.

Aber immerhin kostet diese Lösung 320 Millionen Euro extra (im Vergleich zur Variante durch den Wald ohne Tunnel). Und deshalb ist es schon interessant zu wissen, wie es am Ende zu dieser Route kam. Und welche Argumente aus unserer jahrzehntelangen Debatte sich durchsetzen konnten – und welche platzten wie Seifenblasen.

Die untersuchten Varianten

Schauen wir uns zunächst an, welche Varianten verglichen wurden.

Die mit „e“ gekennzeichneten Routen führen durch den Lampertheimer Wald.
– „e1“ ist die oberirdische Version, die den Wald dauerhaft zerschneidet.
– „e2“ enthält Tunnel nur dort, wo unbedingt nötig: hinter Lorsch, um die Autobahn zu durchqueren, und im Bereich eines Vogelschuzgebiets im Lampertheimer Wald.
– „e3“ ist der lange Tunnel, der schließlich zur Vorzugsvariante wurde.

Die mit „f“ gekennzeichneten Routen verlaufen parallel zu den Autobahnen 67 und 6, mit einem Knick am Viernheimer Kreuz.
– „f1“ östlich der A67 oberirdisch.
– „f2“ östlich der A67 weitgehend in einem Tunnel.
– „f3“ westlich der A67 oberirdisch.
– „f4“ westlich der A67 weitgehend in einem Tunnel.
– „f5“ westlich der A67 mit hinter der A67-Unterquerung verlängertem Tunnel (Lärmschutz Lorsch) und einem etwas kürzerem Tunnel am Viernheimer Dreick. Das ist die Bergsträßer Konsenstrasse, die auch die Bila forderte.

Variante „e1“: Mannheim Direkt - geländegleich
Streckenlänge: ca. 14,8 km
Troglängen: ca. 1,3 km
Tunnellängen: ca. 2,6 km

Variante „e2“: Mannheim Direkt - mit kurzem Tunnel
Streckenlänge: ca. 14,8 km
Troglängen: ca. 2,5 km
Tunnellängen: ca. 4,7 km
 

Variante „e3“: Mannheim Direkt - mit langem Tunnel
Streckenlänge: ca. 14,8 km
Troglängen: ca. 1,8 km
Tunnellängen: ca. 10,2 km

Variante „f1“: Bündelung mit A67 West geländegleich
Streckenlänge: ca. 18,6 km
Troglängen: ca. 2,9 km
Tunnellängen: ca. 3,0 km

Variante „f2“: Bündelung mit A67 West mit Tunnel
Streckenlänge: ca. 18,6 km
Troglängen: ca. 1,9 km
Tunnellängen: ca. 14,7 km
   

Variante „f3“: Bündelung mit A67 Ost geländegleich
Streckenlänge: ca. 18,7 km
Troglängen: ca. 4,3 km
Tunnellängen: ca. 3,4 km
   

Variante „f4“: Bündelung mit A67 Ost mit Tunnel 
Streckenlänge: ca. 18,7 km
Troglängen: ca. 1,9 km
Tunnellängen: ca. 10,1 km

Variante „f5“: Bergsträßer Konsenstrasse
Streckenlänge: ca. 18,6 km
Troglängen: ca. 1,9 km
Tunnellängen: ca. 12,6 km, davon 2,4 km übergesetzlich

Die Bewertung der Varianten

Springen wir gleich zur Zusammenfassung (mit Klick auf die Tabelle die Großansicht aufrufen).

 

Wenig überraschend sind alle rein oberirdischen Varianten (e1, f1, f3) rot-dominiert. Von den f-Tunnelvarianten schneidet jene östlich der A67 (f2) etwas besser ab als die westliche (f4). Bei den Neuschlößer e-Trassen fällt auf, wie wenig der kurze Tunnel (e2), beschränkt auf das Vogelschutzgebiet, punkten kann. Der Neuschlößer Langtunnel sticht grün heraus.

Wie kommt diese Bewertung zustande? Ganz entscheidend sind dafür Naturschutzgebiete in unserem Wald. Dort gelten scharfe Vorschriften: die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Gebiete) zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen, die Vogelschutzrichtlinie über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten und die Regeln für den FFH-Lebensraumtyp „begrenzte Vorkommen, vom Verschwinden bedroht“. Wenn ein Bauprojekt ein FFH-Gebiet kreuzen soll, aber auch eine Variante ohne Beeinträchtigung des FFH-Gebiets denkbar wäre, schreibt der Gesetzgeber rigide vor, dass die Alternative zu nehmen ist.

Ohne gebohrten Tunnel keine F-Varianten

Diese harten Umweltvorschriften bedeuten das Aus für sämtliche Varianten über das Viernheimer Dreieck. Für die oberirdischen sowieso – aber auch für die drei Tunnelvarianten einschließlich der Bergsträßer Konsenstrasse. Denn: Da die Tunnel nicht unterirdisch gebohrt, sondern ausgegraben werden sollen, würden schon die vorübergehenden Bauarbeiten zu große Eingriffe in die Naturschutzgebiete darstellen, heißt es in der Präsentation der Bahn für das Beteiligungsforum.

Die bergmännische (gebohrte) Form der Tunnel hat die Bahn nicht geprüft – vermutlich weil sie die Kosten enorm in die Höhe treiben und die Variante damit unrealistisch würde. Klar ist aber: Sollte tatsächlich ein gebohrter Tunnel eine Chance haben, würde er natürlich den kürzesten Weg nehmen. Damit scheiden die F-Varianten auch für die Form des bergmännischen Tunnels aus.

Auch auf dem Weg der Neuschloßtrasse liegt ein Vogelschutzgebiet – weshalb an dieser Stelle die oberirdische Variante e1 ausscheidet. Zugleich dürfte das die Geburtsstunde von e2 sein: kurzer Tunnel nur unter dem Vogelschutzgebiet. Und damit läuft das Schlussrennen nun zwischen kurzem und langem Tunnel.

Und zwar so: Der kurze Tunnel (e2) bekommt, wenig überraschend, genau wie Neuschloß komplett oberirdisch (e1) schlechte Noten wegen der Lärmbelastung in Neuschloß – ein Kriterium, das stark wiegt. Außerdem gilt unser Wald als Vorranggebiet für vorbeugenden Hochwasserschutz und potenziell aktive Ventilationsfläche und Kaltluftentstehungsgebiet. Die letzteren Dinge seien eigentlich „weniger entscheidungsrelevant“, schreibt die Bahn. Sie könnten aber „beim Vergleich fast gleichwertiger Varianten ein Abwägungsargument“ sein – das deutet an, wie knapp das Rennen ist. Das am Ende der lange Tunnel gewinnt.

(Komplette Ansicht mit Klick auf die Grafik)

Zusammenfassung

Zusammengefasst heißt das: Das Argument des Umwelt- und Klimaschutzes spricht gegen die Konsenstrasse – und für die untertunnelte Route vorbei an Neuschloß. Will man unterirdisch bohren statt ausgraben, müsste der zu erwartende Zusatznutzen das dafür nötige Steuergeld rechtfertigen. Das dürfte nicht einfach zu erklären sein.

Grafiken und Visulation: Deutsche Bahn. 
Als PDF-Download gibt es die komplette Präsentation.

Die ICE sollen künftig schneller von Mannheim nach Frankfurt fahren.

ICE-Trasse Frankfurt-Mannheim: Die Tunnellösung für Neuschloß

Ist das der Durchbruch? Die Bahn hat im Beteiligungsforum einen Tunnel zwischen Lorsch und Mannheim vorgeschlagen. Er unterquert in fünf Meter Tiefe den Lampertheimer Wald und die wertvollen sandigen Felder der Spargelstadt.

„Die Menschen werden von dem Eisenbahnverkehr nichts sehen und hören“, versprach Gerd Dietrich Bolte, bei der Deutschen Bahn für Großprojekte zuständig. Landwirte könnten nach der Fertigstellung ihre Äcker wie gewohnt bewirtschaften. Im Wald sei ein „waldähnlicher Bewuchs“ möglich. Die Mehrkosten gegenüber oberirdischen Gleisen liegen bei 320 Millionen Euro.

Siehe auch unsere Analyse: Warum der Tunnel die Konsenstrasse schlug

Der Tunnel beginnt mit dem Vogelschutzgebiet im Lampertheimer Wald und führt bis nach Mannheim.
Der Tunnel beginnt mit dem Vogelschutzgebiet im Lampertheimer Wald und führt bis nach Mannheim.

Neuschloß-Tunnel – die Reaktionen

Die Reaktionen fallen grundsätzlich zustimmend aus. Lampertheims Bürgermeister Gottfried Störmer sagte der Frankfurter Rundschau, es sei positiv. „dass die Bahn unseren Gedanken zur Tunnellösung aufgenommen hat“. Ulrich Guldner, Sprecher der Bürgerinitiative Lampertheim (Bila) erklärte, „die große Katastrophe für Lampertheim“ sei ausgeblieben.

Christian Engelhardt, Landrad des Kreises Bergstraße, erinnerte aber daran, dass ein bergmännischer Tunnel auf dem Forderungskatalog der Region stand. Die Bahn will nicht unterirdisch bohren, sondern bis zu 15 Meter tiefe Gruben graben, die Tunnel bauen und wieder mit Erde bedecken. Auch der Bila gefällt dieses Vorgehen nicht.

Streitpunkt ist zudem ein 2,8 Kilometer langes Stück bei Lorsch, das oberirdisch geführt werden soll. Von der 14,8 Kilometer langen Strecke sollen insgesamt 10,2 Kilometer untertunnelt werden, 1,8 Kilometer in einem Trog liegen.

Mit der Tunnellösung darf die bisher als Konsenstrasse diskutierte Route über das Viernheimer Dreieck als vom Tisch betrachtet werden. Sie wird in der Untersuchung aus Naturschutzgrünen selbst für jenen Fall nicht als genehmigungsfähig gesehen, wenn die komplett bergmännisch untertunnelt wäre. Mit dieser Route wollte die Region eine Zerschneidung des Lampertheimer Walds vermeiden.

Die Festlegung auf die Konsenstrasse passte nicht zur Idee des Beiteiligugsforums, abschnittsweise die jeweils ideale Route abzuwägen. Erst als die Politik in Südhessen und Mannheim signalisierte, auch mit alternativen Lösungen einverstanden zu sein, die die gleichen Ziele erfüllen, gab es Bewegung. Ergebnis war der zehn Kilometer langer Tunnel von Lorsch bis Mannheim, mit dem in der jahrzehntelangen Debatte vorher niemand gerechnet hatte.

Neubaustrecke Rhein/Main–Rhein/Neckar: Betriebskonzept

Die Strecke Frankfurt – Mannheim ist das große Nadelöhr im Bahnnetz. Dort treffen wichtige ICE-Linien zusammen (in den Richtungen Hamburg, Berlin, Köln, Basel, München), der internationale Güterverkehr und der Nahverkehr. Bisher fahren die meisten ICE auf der nur teilweise bis Tempo 200 ausgebauten Riedbahn über Biblis, ein Großteil des Güterverkehrs rollt über die Main-Neckar-Bahn durch Darmstadt und entlang des Odenwalds.

Künftig würden ICE tagsüber auf den neuen Gleisen einige Minuten schneller sein als bisher, nachts würde dort der Güterverkehr rollen. Die Gleise verbinden die bestehenden Hochgeschwindigkeitsstrecken nach Köln und Stuttgart und sind wichtige Voraussetzung für den geplanten Deutschlandtakt.

Die Trassenfrage: Dank Mehdorn hochpolitisch

Die Trassenfrage ist in der Metropolregion Rhein-Neckar hoch politisch. Als der seinerzeitige Bahnchef Hartmut Mehdorn vorgeschlagen hatte, Fernzüge nicht an jeder Milchkanne halten und deshalb an Mannheim vorbei fahren zu lassen, geriet die Quadratestadt in Panik. Damit die Runde über den Hauptbahnhof die ICE nicht zu lange aufhält, riet Lothar Mark, damals Mannheimer SPD-Bundestagsabgeordneter, dazu, die Trasse quer durch den Lampertheimer Wald zu legen. Südhessen war derart brüskiert. dass das politische Zusammenwachsen der Region ins Stocken geriet. Erst viele Jahre später entwickelte man einen gemeinsamen Vorschlag.

Der Wandel hin zum Tunnel

In jüngster Zeit hatte es zunehmend Signale für eine Tunnellösung gegeben. Ein Positionspapier des Verbandes Rhein-Neckar spricht davon, dass es bei der Bahn Gedankenspiele gebe, die Strecke zu untertunneln oder in Trögen zu führen (und verlangt dann gleich auch einen Tunnel für Mannheim). Lampertheims Bürgermeister Gottfried Störmer sagt öffentlich im Stadtentwicklungs-, Energie- und Bauausschuss: Sollte es einen bergmännischen Tunnel geben, wäre dieser nach heutigem Stand der Dinge auch einer Konsenstrasse vorzuziehen.

BUND und Nabu fordern, wenig bemerkt von der Lampertheimer Öffentlichkeit, im Beteiligungsforum schon von Anfang an die eingegrabene C-Trasse. Die Naturschutzverbände dürfte vor allem bewegen, dass die in der Region favorisierte Konsenstrasse entlang des Viernheimer Dreiecks ökologisch wertvolles Gebiet durchquert.

Die Varianten für Südhessen in einer Grafik der Deutschen Bahn.
Die Varianten für Südhessen in einer Grafik der Deutschen Bahn.

Zu einem Wandel hin zum Tunnel oder Trog könnten gleich mehrere Entwicklungen beitragen:

  • Der Deutschlandtakt macht es zwingend, Fahrzeiten zwischen Mannheim und Frankfurt von längstens 29 Minuten zu erreichen. Darauf zahlt jeder Meter eingesparter Weg ein, und die C-Trasse ist die kürzeste.
  • Mit dem Programm „Starke Schiene“, das die Bahn zur Vorreiterin im Klimaschutz machen soll, stehen plötzlich viele Milliarden Euro zur Verfügung.
  • Lampertheim hat dank der von der Bila koordinierten Proteste gezeigt, dass es hart gegen eine oberirdische Führung der Gleise durch den Wald, also dessen Zerschneidung, kämpfen wird.
  • Mit der SPD-Politikerin und Bundesjustizministerin Christine Lambrecht aus Viernheim sitzt in Berlin plötzlich eine Südhessin am Kabinettstisch, die weiß, wie politisch wichtig es ist, die Rhein-Neckar-Region mit einer oberirdischen C-Trasse nicht zu spalten.

Der Stand bis zur Entscheidung: Sechs zentrale Fakten zur ICE-Trasse

Medienwirksamer Protest gegen die Zerschneidung.
Medienwirksamer Protest gegen die Zerschneidung.

Bei den vielen Detailfragen zur Neubaustrecke der Bahn zwischen Mannheim und Frankfurt verschwimmt manchmal der Blick für die grundlegenden Dinge. Deshalb hier zusammenfasst sechs zentrale Fakten, die alle Lampertheimer/innen kennen sollten.

1. Eine Neubaustrecke zwischen Frankfurt und Mannheim wird in jedem Fall kommen. Sie ist auch sinnvoll.

  • Wenn wir mehr Inlandsflüge mit umweltfreundlicheren Bahnfahrten ersetzen wollen, brauchen wir schnellere Fernverbindungen. In Nord-Süd-Richtung bestehen bisher ICE-Schnellfahrstrecken zwischen Köln und Frankfurt sowie zwischen Mannheim und Stuttgart. Die Strecke Stuttgart – Ulm ist im Bau, auch das umstrittene Projekt Stuttgart 21 wird Fahrzeiten deutlich verkürzen. Das große Ziel ist, Köln, Frankfurt, Mannheim, Stuttgart und München einander näherzubringen. Dass dafür die Lücke im Hochgeschwindigkeitsnetz zwischen Frankfurt und Mannheim geschlossen werden muss, liegt auf der Hand.
  • Die Riedbahn – also die Lampertheimer Hausstrecke zwischen Frankfurt, Biblis und Mannheim – ist der am meisten befahrene Abschnitt im kompletten ICE-Netz. Das hat Folgen für den Nahverkehr: Es passen schlicht keine weiteren Züge mehr für dichtere Takte auf die Schienen. Das würde sich zum Guten ändern, wenn die Schnellzüge auf einer eigenen Trasse fahren.
  • Auch für den wachsenden Güterverkehr zwischen Mittelmeer und Nordsee ist die Verbindung durch die Rheinebene von zentraler Bedeutung und ein Engpass. Die Güter könnten in den Nachtstunden vor allem auf der Neubaustrecke rollen. Damit würde die Lärmbelastung entlang der Riedbahn in den Nächten spürbar sinken.

2. Die Trasse muss für den geplanten Deutschlandtakt so verlaufen, dass Züge zwischen Frankfurt und Mannheim bei Tempo 300 längstens 29 Minuten unterwegs sind.

  • Dieses Limit ergibt sich aus dem Deutschlandtakt, den die Bahn derzeit nach einer Vorgabe der Politik entwickelt. Die Idee dabei: Zu regelmäßigen Zeiten treffen sich an Knotenbahnhöfen die Züge aus unterschiedlichen Richtungen, ermöglichen Umstiege, und fahren dann weiter oder zurück. Ansatzweise gibt es so etwas schon in Mannheim, wo viele Züge immer kurz vor halb ankommen und kurz nach halb weiterrollen. Nun soll auch Frankfurt eine solche zentrale Umstiegszeit bekommen, und da hat man die volle Stunde im Blick. Voraussetzung dafür ist dann, dass die Züge unter einer halben Stunde unterwegs sind.
  • Das Ziel, die Fahrzeit zu verringern, gab es schon immer. Mit den neuen Anforderungen des Deutschlandtaktes wird es aber konkreter und verbindlicher: Jegliche Varianten der Schnellbaustrecke, die die 29 Minuten nicht ermöglichen, haben kaum Chancen auf Realisierung mehr.

3. Das Beteiligungsforum wägt die Trassenvarianten gegeneinander ab. Voraussichtlich in den kommenden Monaten schlägt es zusammenfassend eine Vorzugsvariante vor. Die C-Trasse dürfte Chancen haben.

Bila-Darstellung der Zerschneidungstrasse (rot) und der Konsenstrasse (blau).
Bila-Darstellung der Zerschneidungstrasse (rot) und der Konsenstrasse (blau).
  • Im Beteiligungsform sollen die Interessengruppen der Region vertreten sein. Dazu zählen neben Kommunen, Landkreisen, Behörden und Ministerien unter anderem Bürgerinitiativen, Umwelt- und Fahrgastverbände oder Kammern. „Damit wird der Öffentlichkeit frühzeitig eine Plattform geboten, um Fakten zu klären und Fragen zu stellen und ihre Anregungen und Hinweise in die Planungen einzubringen“, erklärt die Deutsche Bahn.
  • Das Forum vergleicht die diskutierten Routen. Es betrachtet dabei technische, verkehrliche und wirtschaftliche Aspekte genauso wie umweltfachliche. Die bisherigen Abwägungen im Beteiligungsforum für die Wallauer Spange und die Anbindung des Güterverkehrs bei Darmstadt zeigen: Dieses Verfahren ist gründlich, nachvollziehbar und das faktische Ergebnis inhaltlich schwierig anzugreifen.
  • Die Idee des Forums, abschnittsweise die jeweils ideale Trasse zu finden (PDF-Präsentation mit Vergleich), steht im Widerspruch zum Konzept der Konsenstrassen-Befürworter, die schon vorher eine bestimmte Route abgesprochen haben und diese durchsetzen wollen.
  • Für Südhessen muss sich die Konsenstrasse entlang der Autobahn 67 und des Viernheimer Dreiecks (A 300) mit der Zerschneidungstrasse C messen.
    Die Konsenstrasse sieht einen Tunnel bei Lorsch vor, der die Gleise von der Ost- auf die Westseite der Autobahn 67 bringt, die Weschnitz unterquert und zugleich die Lorscher/innen vor dem Bahnlärm schützt. An der Autobahn geht es auf Wunsch der Lampertheimer mindestens weiter bis zur Brücke der Landesstraße 3110 zwischen Neuschloß und Hüttenfeld. Dann führt in einem weiten, unterirdischen Tempo-300-tauglichen Bogen eine 90-Grad-Kurve die Gleise nach Westen entlang der Autobahn 6. Bei Mannheim-Blumenau biegt die Trasse auf die Riedbahn ein.
    Die alternative Trasse C führt von Lorsch aus quer durch den Wald, knapp östlich an Neuschloß vorbei und dann über die Felder hinter der Pestalozzischule und den Bruch auf die bestehende Riedbahn.
    • Verkehrliche Aspekte: Die Fahrzeit auf der C-Trasse quer durch die Wald ist 90 Sekunden kürzer als die Konsenstrasse mit einem Tempo-300-geeigneten Kurvenradius am Viernheimer Kreuz. Die Frage aller Fragen ist dabei: Sind über die Konsenstrasse die 29 Minuten zu schaffen?
    • Wirtschaftliche Aspekte: Die Konsenstrasse ist länger, es sind also mehr Schienenmeter zu verbauen. Zudem führen an fünf Stellen unter anderem zum Naturschutz Tröge die Gleise unter die Erde. Diese Dinge führen zu höheren Kosten als eine oberirdische Zerschneidungstrasse C.
    • Umweltfachliche Aspekte: Die Konsenstrasse führt durch das hochwertige FFH-Naturschutzgebiet Reliktwald (hier Bilder) und durch das Wasserschutzgebiet Käfertaler Wald. (Wahrscheinlich sind daher Umweltverbände BUND und Nabu gegen die Konsenstrasse.) Die bevorzugte Westseite der A67 könnte ökologisch wertvoller sein als die Ostseite. (Daher spricht sich Hessen Forst an dieser Stelle gegen die Konsenstrasse aus.) Die Trasse C dagegen zerschneidet mit dem Lampertheimer Wald massiv eines der letzten zusammenhängenden Waldstücke Südhessens und die Felder der Heide. Unterm Strich könnte es auf eine Abwägung zwischen den hochgeschützten FFH- und Trinkwassergebieten einerseits und dem etwas kränkelnden, aber großen Kiefernwald bei Lampertheim und den hochwertigen Äckern andererseits hinauslaufen. Das zeigt: Keinesfalls kann als gesetzt angenommen werden, dass die Konsenstrasse bei der Umweltprüfung besser abschließt als die Zerschneidungsvariante.
    • Weitere Aspekte: Wichtigster Pluspunkt für die Konsenstrasse: Sie spiegelt einen weitgehenden politischen Konsens der Region wider. Das bedeutet auch, dass weniger Protest in der Bevölkerung erwartbar ist. Bei der Zerschneidungstrasse C hingegen gibt es ein hohes Risiko von Klagen, etwa von Landwirten oder betroffenen Neuschlößern, die den Bau verzögern könnten.
Kriterienkatalog.
Kriterienkatalog.

 

4. Über den Vorschlag und die endgültige Trassenführung entscheidet nicht die Bahn, sondern die Politik.

  • Die Deutsche Bahn bringt in das Beteiligungsforum ihre verkehrlichen Interessen ein. Zugleich soll sie im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums das Forum neutral moderieren.
  • Im üblichen Verfahren fasst eine Arbeitsgruppe des Beteiligungsforums, begleitet von der Bahn, die Ergebnisse der Abwägung zusammen. Die Bahn übermittelt sie an das Bundesverkehrsministerium (BMVI). Für Südhessen gilt abweichend, dass diese wichtige Aufgabe ein Projektbeirat übernimmt.
  • Auftraggeberin der Neubaustrecke ist nicht die Bahn, sondern – als Projekt aus dem Bundesverkehrswegeplan – der Bund.
  • Die ermittelte Trasse ist ein Vorschlag an die Politik. Zunächst diskutiert und entscheidet der Verkehrsausschuss, am Ende das Plenum des Bundestags.
  • All dies zeigt: Die Bahn ist nicht ohne Einfluss, aber sie entscheidet nicht die Trassenfrage.

 

5. Unsere größten Einflussmöglichkeiten liegen auf der politischen Ebene.

  • Die Bundestagsabgeordneten können dem Trassenvorschlag als abgewogene Idealroute folgen. Sie können aber genauso zu den zuletzt geschätzten Kosten für die Neubaustrecke von 4,3 Milliarden Euro etwas Geld dazugeben für alternative, etwas teurere Trassen oder mehr Lärmschutz als eigentlich vorgeschrieben. Aus der Sicht von Bahn und Ministerium wäre es hilfreich, wenn es eine lokalbezogene Begründung für die Extraausgaben gibt, um nicht zum Vorbild für Zusatzkosten bei anderen Projekten zu werden.
  • Wichtig für Lampertheim wird, sich bei der Bundespolitik in Berlin Gehör zu verschaffen. Die medienwirksamen Proteste vor Ort im Frühjahr (Lichterzug) und Herbst (Feldwanderung) waren dafür wichtig. Sollten die nächsten Entscheidungen gegen die Interessen von Lampertheim oder der Region laufen, könnten gemeinschaftliche Ausflüge in die Hauptstadt sinnvoll werden.

6. Lässt sich die C-Trasse nicht verhindern, wäre eine unterirdische Führung der Gleise im Wald und den Feldern eine mögliche Forderung.

  • Die Naturschutzverbände BUND und Nabu fordern bereits jetzt im Beteiligungsforum die C-Trasse – allerdings im Wald in den Boden eingegraben, mit Deckel versehen und wieder begrünt. Fachleute sprechen von einem „gedeckelten Trog“. Verkehrlicher Vorteil: eingesparte 90 Sekunden. Umweltfachliche Vorteile: FFH-Naturschutzgebiete an der A6 werden geschont, der Lampertheimer Wald wird nur während der Bauarbeiten zerschnitten, der Lärm in Neuschloß könnte eingedämmt werden. Wirtschaftlicher Nachteil: Zusatzkosten – sie müssten politisch erkämpft werden, etwa mit Verhandlungen und/oder Protesten.
  • Wichtig wäre ein Augenmerk darauf, wo ein solcher Tunnel endet. Die Naturschutzverbände sprechen vom „gesamten Waldbereich von Lorsch bis Neuschloß“. Das würde den Neuschlößern vielleicht nur teilweise, den Landwirten gar nicht helfen. Das Argument, die Äcker mit den Sandböden seien selten, hochwertig und notwendig, um die Region direkt mit Gemüse zu versorgen, ist wichtig und richtig. Ein Tunnel müsste also in Richtung Lampertheim verlängert werden.
Vorschlag von BUND und Nabu.
Vorschlag von BUND und Nabu; zur Großversion auf das Bild klicken.

Neubaustrecke Frankfurt – Mannheim: Projektbeirat

Anfang Oktober hat Bundesjustizministerin Christine Lambrecht auf Facebook bekräftigt, dass es einen Projektbeirat geben werde. Er solle „zusätzliche Forderungen der Region besprechen und in Absprache mit dem Beteiligungsforum für die parlamentarische Befassung aufbereiten“.

Die grundsätzliche Zusage, dass es einen Projektbeirat geben soll, hatte das Bundesverkehrsministerium bereits im Frühjahr gegeben, wie aus Berichten der Rhein-Neckar-Zeitung und des Mannheimer Morgens hervorgeht.

Mit einem Projektbeirat könnte der Einfluss der Region steigen. Das Standardverfahren sieht nur eine Arbeitsgruppe des Beteiligungsforums dafür vor, eine zusammenfassende Vorlage für die Politik zu schreiben.

Lambrecht betont, bis Anfang 2020 solle eine Vorzugstrasse festgestellt werden, „die die verkehrlichen Ziele erfüllt sowie finanzierungs- und genehmigungsfähig ist und vor allem von der Region mitgetragen wird“. Diesen Termin habe der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für das Land Hessen, Klaus Vornhusen, genannt. „Von der Region mitgetragen“ schreibt Lambrecht in Großbuchstaben. In einem Kommentar wird sie noch konkreter: „Die Konsenstrasse wird von mir unterstützt“ – das ist die Route entlang der Autobahn 67, dem Viernheimer Dreieick und dann entlang der Autobahn 6.

In dem Projektbeirat sind laut Lambrecht bundes-, landes- und kommunalpolitische Vertreterinnen und Vertreter der Region sowie von Umwelt- und Fahrgastverbänden sowie Bürgerinitiativen vorgesehen. Die Größe und die finale Zusammensetzung könne vom Beteiligungsforum festgesetzt werden. Damit könne die Arbeit des Projektbeirates „bald losgehen, und die regionalen Forderungen erhalten in diesem Gremium eine starke Stimme.“

Adventsmarkt 2019

An der Musik auf der Bühne war es zu erkennen: Stefan Spießberger hatte in diesem Jahr wieder die Organisation des Neuschlößer Adventsmarkts übernommen. Seine jungen Schülerinnen und Schüler boten mit Weihnachtsliedern an Keyboards das Rahmenprogramm – vor zahlreichen stolzen Eltern und Großeltern, die fleißig applaudierten.

Neuschlößer Einrichtungen betrieben einen Teil der Stände – darunter der Sportclub Kurpfalz, die evangelische Johannesgemeinde, Buggy Fit von Sonja Geist im Wacholderweg, Petra Bärwald mit ihrer selbst genähten Kinderkleidung und Familie Castellani samt Pizzaofen. Der kommunale Kindergarten und die Krippe waren diesmal nicht dabei. Dafür weitere Standbetreiber, die von außerhalb angereist waren.

Zum 27. Mal feierte Neuschloß den Markt. Seit dem Jahr 1992 lassen es sich die Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils am ersten Adventssonntag auf dem Ahornplatz gut gehen. Viele Gespräche drehten sich diesmal um die ICE-Trasse, über deren Verlauf es in der kommenden Woche eine Vorentscheidung geben könnte.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Altlastensanierung am Eichen- und Fichtenweg – PAN bleibt Ansprechpartner

  • Die Bodensanierung geht in die nächste Etappe – mit den Gärten im Eichen- und Fichtenweg und den anschließenden Sandgruben sowie dem Roten Hof im Wald östlich des Alten Lorscher Wegs.
  • Die Grundwassersanierung steht kurz davor, um ein Vielfaches wirksamer durchzustarten.
  • Der Altlastenverein wird sich auflösen.
  • Der Projektbeirat Altlasten Neuschloß (PAN) hingegen wird die Bürgerinnen und Bürger weiter vertreten.
  • Zeit also für eine Überblicksdarstellung in Sachen Altlasten.

PAN vertritt weiter die Neuschlößer in Altlastenfragen

Es war eine wichtige Nachricht, die Carola Biehal als Sprecherin des Projektbeirats Altlasten Neuschloß in der Bürgerkammer verkündete: Der PAN vertritt die Neuschlößer auch in den verbleibenden Sanierungsfragen. Bedeutend ist das deshalb, weil die Landespolitik inzwischen die Rechtsgrundlage für die Arbeit des Projektbeirats aus dem Hessischen Altlastengesetz gestrichen hat. Umso relevanter ist die Zusage der Stadtverwaltung, dass der PAN als erfahrener Vertreter der Anwohnerinnen und Anwohner akzeptiert bleibt.

Der Projektbeirat besteht seit dem Jahr 1995 aus gewählten, ehrenamtlichen Bürgerinnen und Bürgern. Er arbeitet als Mittler zwischen Betroffenen, Behörden und Sanierungsfirmen – was maßgeblich zur Akzeptanz der umfangreichen Arbeiten auf den gut hundert Grundstücken im Ortskern beitrug. Der PAN war auch in Behördenrunden vertreten – etwa mit dem Hessischen Umweltministerium, dem Regierungspräsidium und der Stadt – und verfügte dort über Informations- und Beteiligungsrechte.

Seit Juli 2005 arbeitet Carola Biehal als Sprecherin, ihr Stellvertreter ist Dr. Günter Weidenauer; um die Presse und Öffentlichkeit kümmert sich Michael Bayer von Neuschloss.net. Projektbeirat und Altlastenverein, getragen vom gleichen Führungsteam, trugen wesentlich dazu bei, dass die Sanierung in Neuschloß überhaupt zustande kam – und das zu für die Anwohnerinnen und Anwohner auch finanziell verträglichen Konditionen. (Interessante Details dazu in der großen Geschichte der Altlasten-Sanierung von Neuschloß.)

Altlasten Neuschloß: Sicherung der Sandgruben und des Roten Hofs

Gelb gekennzeichnet die Lage der belasteten Sandgruben nördlich von Eichen- und Fichtenweg.
Gelb gekennzeichnet die Lage der belasteten Sandgruben nördlich von Eichen- und Fichtenweg.

Nach dem Abschluss der Arbeiten auf den Grundstücken im Ortskern und auf dem Sodabuckel stehen nun die nächsten beiden Projekte im Fokus: die überarbeitete Sanierung des Grundwassers und der Beginn der Sicherung der Böden im Wald.

Letztere betrifft die Sandgruben westlich des verlängerten Ulmenwegs, teils bis auf Gärten im Eichen- und Fichtenweg ragend, und den Roten Hof östlich des Alten Lorscher Wegs.

Gelb gekennzeichnet die Lage des Roten Hofs.
Gelb gekennzeichnet die Lage des Roten Hofs.

Für Sandgruben und Roter Hof ist die Stadt Lampertheim zuständig. Die Verwaltung beauftragte Mitte Oktober ein Ingenieurbüro mit der Konzeption, berichtete Biehal. „Wir können davon ausgehen, dass in 2020 die Planungen erfolgen und in 2021 die Erörterungen und Genehmigungen folgen. Der Beginn der Arbeiten ist für 2022 vorgesehen“, fügte sie hinzu.

Details mit einer Karte der Belastung und den Schadstoffwerten finden Sie unter altlast-neuschloss.de.

Grundwasser-Sanierung in Neuschloß mit Modellcharakter

Arbeiter vergruben lange Rohre, um das Testfeld im Ulmenweg an die Grundwasseraufbereitungsanalge an der Landesstraße anzuschließen.
Arbeiter vergruben lange Rohre, um das Testfeld im Ulmenweg an die Grundwasseraufbereitungsanalge an der Landesstraße anzuschließen.

Das Grundwasser in Neuschloß ist massiv mit Arsen verunreinigt. An der Landesstraße, in der Nähe von Abwasserpumpstation und kleinem Friedhof-Parkplatz, rauscht das Grundwasser durch die Sanierungsanlage. Tag und Nacht ziehen die Pumpen dort Wasser aus verschiedenen Brunnen an, reinigen es und geben das gesäuberte Nass über andere Brunnen zurück ins Grundwasser. Jedes Jahr holt die Anlage 60 Kilogramm Arsen aus dem Grundwasser. Eine Menge, an der ziemlich viele Menschen sterben könnten.

Die Grundwassersanierung könnte also ein Erfolg sein – wäre die Gesamtbelastung nicht kaum vorstellbar hoch. Die Experten gehen von sieben bis zehn Tonnen Arsen im Neuschlößer Grundwasserleiter aus. So richtig was ändern würde sich im Grundwasser, geht alles so weiter wie bisher, also frühestens in 150 Jahren. Dennoch besteht Handlungsbedarf, weil die Schadstofffahne sich in Richtung des Bürstädter Wasserwerks bewegt.

Der Weg der kleinen Revolution reicht von der einen Straßenseite des Ulmenwegs zur anderen. In Höhe der Hausnummer 35 testeten Naturwissenschaftler der Universität Heidelberg, ob es hilft, Stoffe in das Grundwasser zu geben, die die weitgehend immobilen Arsenverbindungen lösen. Ergebnis: Es funktioniert, und die Sanierung könnte schon in 15 Jahren zu schaffen sein. Details in einer Präsentation der Sanierer von der HIM (PDF-Datei).

Die Steuerung des Testfelds versteckte sich in Containern im verlängerten Ulmenweg.
Die Steuerung des Testfelds versteckte sich in Containern im verlängerten Ulmenweg.

Natürlich muss Wasseraufbereitungsanlage die größere Mengen verarbeiten können. Deshalb wurde sie in den vergangenen Monaten erweitert – für viele Neuschlößer nur bemerkbar an der baustellenbedingten Geschwindigkeitsgbegrenzung auf der Landesstraße. Aktuell wird die technische Ausstattung überprüft, Ende November könnte ein Probelauf starten. „Wenn alles erfolgreich funktioniert, womit wir alle rechnen, kann zeitnah mit der schnelleren Grundwassersanierung begonnen werden“, sagte Biehal in der Bürgerkammer.

Altlastenverein will sich im Januar auflösen

Im Bezug auf die Bodensanierung sind Ende Oktober sämtliche Fristen, etwa zur Gewährleistung der Handwerker, ausgelaufen. Deshalb hat der erweiterte Vorstand beschlossen, den Altlastenverein aufzulösen. Der Altlastenverein war Vertragspartner mit Stadt und Land; auf Grundlage eines Rahmenvertrags schlossen die von der Bodensanierung getroffenen Eigentümerinnen und Eigentümer Einzelverträge, die die Modalitäten der Sanierung regelten.

Das Regierungspräsidium Darmstadt, das das Land operativ vertritt, hat nach Biehals Angaben keine Einwände gegen die Auflösung. Die Mitglieder werden über Details in einer Vereinsversammlung informiert, die für Dienstag, 28. Januar 2020, geplant ist.

Altlasten von Neuschloß auf einer interaktiven Karte

Sanierung L3110: Hessen Mobil beharrt auf Vollsperrung

Hessen Mobil beharrt weiter auf eine Vollsperrung der L3110 zwischen Neuschloß und Lampertheim. Straßen könnten bei Sanierungen nur dann halbseitig offen bleiben, wenn sie mindestens 8,50 Meter breit seien, sagte ein Sprecher der Landesbehörde dem Südhessen Morgen. Das sei nicht der Fall. Erster Stadtrat Jens Klinger hatte sich in der Bürgerkammer mehrfach gegen eine Komplettsperre ausgesprochen, zuletzt Mitte November. Wie der Streit ausgeht, ist noch offen.

Eine weitere Neuigkeit enthält der Zeitungstext vom Donnerstag (21. November): Entgegen früherer Angaben der Stadtverwaltung sollen demnach die Fahrradwege doch mitsaniert werden. Als mögliche Lösung bringt Uwe Rauschelbach in einem Kommentar ins Gespräch, vorübergehend den Grünsteifen zwischen Fahrbahn und Fahrradweg zu befestigen, damit die Straße die für eine nur halbseitige Sperre nötige Breite erhält. Die Plänung von Hessen Mobil betrachtet auch er als „Zumutung“.

Erstmals war Anfang September in der Bürgerkammer bekanntgeworden, dass es für die Neuschlößer 2020 ein großes Verkehrsproblem mit weiten Umwegen geben könnte. Im schlimmsten Fall könnte das eine mehrwöchige Vollsperrung mit sich bringen, hatte Stadtrat Klingler angekündigt.

Die Kammer überlegte damals, ob der Zustand der Fahrbahn eine Sanierung überhaupt nötig mache. Dass dem so sein dürfte, zeigt sich bei Regenfällen: Dann steht das Wasser insbesondere in Höhe des Waldfriedhofs in den Spurrillen. Nach Angaben von Hessen Mobil müssen Risse, Abbrüche und Absenkungen beseitigt werden. Die Fahrbahn soll abgefräst und mit einer neuen Asphaltschicht versehen werden.

Sanierung der L3110: Stadt und Hessen Mobil zoffen sich

Die Landesstraße zwischen Neuschloß und Lampertheim muss saniert werden.
Die Landesstraße zwischen Neuschloß und Lampertheim muss saniert werden.

Mitte November berichtete der Erste Stadtrat der Bürgerkammer den weiteren Verlauf der Auseinandersetzung. „Von Anfang an vertritt die Verwaltung gegenüber Hessen Mobil den Standpunkt, dass die Sanierung der Landesstraße in halbseitiger Sperrung erfolgen muss.“ Im September hatte in der Bürgerkammer allerdings schon Rolf Müller, Leiter des Fachdiensts Tiefbau der Stadtverwaltung, auf verschärfte Vorschriften zum Sicherheitsabstand zwischen Verkehr und Baustelle hingewiesen und zu Bedenken gegeben: „Den erreichen wir an einigen Stellen bei einspuriger Verkehrsführung nicht.“

Die Landesbehörde informierte dann Mitte Oktober darüber, dass sie gegen den Willen der Stadt eine Vollsperrung plane. Die wiederum forderte dann Hessen Mobil erneut auf, den Verkehr nur halbseitig zu stoppen. Sie verwies auf die etwa 25 Kilometer lange Umleitung über Lorsch oder Viernheim. Weil auch der Busverkehr umgelenkt werden müsste, legte die verantwortliche städtische Gesellschaft Verkehr Touristik Lampertheim (VTL) Kosten von mehr als 100.000 Euro auf die Waagschale. Die neuerliche Antwort von Hessen Mobil stehe noch aus, sagte Klingler.

Vollsperrung der Landesstraße 3110: betroffener Abschnitt

Konkret geht es um den Abschnitt zwischen dem Forsthaus am Ortseingang aus Richtung Hüttenfeld und dem Kreisel am Hundeplatz vor Lampertheim. Eine Vollsperre würde bedeuten, dass Autofahrer statt der zwei Minuten für die direkte Verbindung geschätzt mindestens die zehnfache Zeit für den Weg über Hüttenfeld, Lorsch und Bürstadt benötigen. Alternativ ginge es auch über die A6 bei Mannheim-Sandhofen und Viernheim.

Denn eine lokale Ausweichroute, wie sie von Sportveranstaltungen an verkehrsarmen Sonntagvormittagen bekannt ist, führt über ungefestigte Waldwege vorbei an der Grillhütte. Sie kann keinesfalls über Wochen den Verkehr einer Landesstraße abfangen.

Sperrung der L3110: Auswirkungen auf Bus- und Individualverkehr

Schon eine einspurige Verkehrsführung würde zu dem Hauptzeiten am Morgen und Abend zu erheblichen Behinderungen führen, wie Bauarbeiten in der Vergangenheit zeigten. Vertreter der Bürgerkammer baten deshalb Stadtrat Klingler zu prüfen, ob der Fernverkehr umgeleitet und wenigstens den Anwohnerinnen und Anwohnern n eine einspurige Durchfahrt erlaubt werden könnte.

Neben dem Individualverkehr beträfe eine Sperre auch ganz massiv die Buslinen 644 (Worms – Lampertheim – Viernheim), 602 (Lampertheim – Hüttenfeld) und 605 (Neuschloß – Pestalozzischule). Zu klären wäre in diesem Zusammenhang insbesondere, wie Kinder und Jugendliche aus Hüttenfeld und Neuschloß ihre Schulen erreichen sollen. Denkbar wäre, die Bauarbeiten in die Schulferien im Sommer zu legen.

E-Bikes und E-Roller als Alternative?

Eine schöne Alternative für den Weg zwischen Neuschloß und der Kernstadt könnten, solange es nicht ums Einkaufen geht, übrigens Zweiräder werden, die auch auf den Feldweg entlang des Vogelparks ausweichen könnten. Vielleicht gelingt es ja dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) oder der Verkehr Touristik Lampertheim (VTL), zuständig für den Öffentlichen Personennahverkehr, spätestens zur (Teil-)Sperrung der Landesstraße in Neuschloß spontan mietbare E-Bikes oder E-Roller in ausreichender Zahl bereitzustellen. Für Pendlerinnen und Pendler, die nur zum Bahnhof müssen, könnte das eine praktische Lösung sein.

Sanierung L3110: Folgen für Umbau der Haltestelle „Neuschloß Ort“

Betroffen von der Sanierung der L3110 ist auch der geplante Um- und behindertengerechte Ausbau der Bushaltestelle an der Forsthausstraße. Stadtrat Klingler schlug vor, die Arbeiten mit Hessen Mobil zu koordinieren. Geplant ist, die Busse in beiden Richtungen im Seitenweg vor dem Beamtenbau halten zu lassen, um vor allem vielen Schulkindern die Überquerung der Landesstraße zu ersparen. An diesem Plan will die Kammer trotz vereinzelter Bedenken aus dem Publikum festhalten – auch weil aus eigentumsrechtlichen Gründen ein schneller behindertengerechter Umbau der bisherigen Haltestelle an der Südseite der Landesstraße schwierig sei.

Sowohl an der östlichen als auch an der westlichen Ausfahrt sollen Bedarfsampeln den Durchgangsverkehr stoppen und den Linienbussen eine freie Ausfahrt gewähren können. Nach einer Anregung von fachkundigen Anwohnern aus dem Ahornweg sollten die Breite des Seitenwegs noch einmal daraufhin überprüft werden, ob sich begegnende Busse so aneinander vorbeikommen, dass sie nicht über den Fußgängerweg fahren müssen. Ein Vor-Ort-Termin hält die Verwaltung jedoch erst dann für sinnvoll, wenn die Planungen von Hessen Mobil weiter fortgeschritten sind.

Adventsmarkt in Neuschloß

Gute Nachricht für Neuschloß: Die Vorbereitungen für den Adventsmarkt am Sonntag, 1. Dezember 2019, laufen. Das berichtet Organisator Stefan Spießberger von Kids on Keys Lampertheim.

Viele Standplätze seien schon weg. Wer noch mitmachen will, muss sich also schnell melden. Das freut nicht nur den Nikolaus.

Bürgerkammer bespricht Neuschloß-Investitionen

Welche Investitionen plant die Stadt Lampertheim im kommenden Jahr in Neuschloß? Das ist Thema der öffentlichen Sitzung der Bürgerkammer am Donnerstag, 14. November, 19 Uhr, im Bürgersaal am Ahornplatz. Erster Stadtrat Jens Klingler wird den städtischen Haushalt unter Neuschlößer Blickwinkel vorstellen.

Soviel ist bereits klar: Geld wird insbesondere in den kommunalen Kindergarten im Wacholderweg fließen. Einen neuen Anlauf nimmt zudem die Kommunalpolitik für den schon länger erhofften barrierefreien Umbau der Bushaltestelle „Neuschloß Ort“ in der Forsthausstraße. Die Bürgerkammer wird die Details dazu besprechen.

In der Ortsdurchfahrt der Landesstraße wurde die Geschwindigkeitsüberwachung umgebaut. Während in der Vergangenheit Blitzer direkt hinter den Ortseingängen standen, prüft nun ein Gerät in zentraler Lage in der Nähe der Fußgängerampel den Verkehr. Wie sich diese Standortänderung auswirkt, darüber erhoffen sich die Neuschlößer Aufschlüsse aus einer Antwort auf eine Anfrage an Stadtrat Klingler.

Die Bushaltestelle in Richtung Hüttenfeld verschwindet hier - und wird ebenfalls in den gegenüber liegenden Seitenweg verlegt.
Die Bushaltestelle in Richtung Hüttenfeld verschwindet hier – und wird ebenfalls in den gegenüber liegenden Seitenweg verlegt.

Weitere Themen sind die geplante Sanierung der Landesstraße 3110 und die damit verbundene Sperrung, Lärmschutzwand, Wasseraufbereitungsanlage und der Stand zur Geruchsbelästigung durch den Kanal. Die Bürgerinitiative Lampertheim (Bila) schließlich berichtet über den Fortgang der Pläne für den Bau der Bahnschnellfahrstecke Frankfurt – Mannheim.

Tip druckt überholte Meldung – Busse halten weiter im Ulmenweg

Unter der Überschrift „Reisebüro Müller fährt Haltestelle Ulmenweg nicht an“ veröffentlichte der gedruckte Tip vom Samstag eine Mitteilung des Busunternehmens, die zwischenzeitlich überholt ist. Richtig ist: Auch nach den Ferien werden die Fahrzeuge der Linien 602 und 605 im Ulmenweg halten.

Hintergrund war ein kleinerer Unfall. Zwei Fahrzeuge eines Anwohners an einer der 90-Grad-Kurven im Ahornweg waren so gegenüber geparkt, dass sie zwar noch korrekt in den eingezeichneten Flächen standen. Dennoch hatte ein Bus der Linie 602 Probleme, dort durchzukommen. Er beschädigte eines der stehenden Autos leicht. Vor Ort entwickelte sich eine lautstarke Diskussion.

In der Folge, so ist zu hören, verfasste das Reisebüro als Auftragnehmer der Verkehr Touristik Lampertheim jene Pressemitteilung, die der Tipp dann veröffentlichte. Aufgrund von Rückfragen auch in der Stadtverwaltung anderer Medien stellte dann, wie die Lampertheimer Zeitung berichtet, Bürgermeister Gottfried Störmer klar: Die Verwaltung werde weiter am Halt im Ulmenweg festhalten. „Wir unterstützen die Bürgerkammer Neuschloß bei ihrer Haltung, dass die Haltestelle für die Schulwegsicherheit notwendig ist“, wird Störmer wörtlich zitiert. Die Pressemitteilung wurde zurückgezogen – was offenbar den Tip nicht mehr rechtzeitig erreichte.

Es scheint naheliegend, dass die Verwaltung nun bei den eingezeichneten Parkplätzen im hinteren Ahornweg nachbessern muss. Sie sollte die Linien so anpassen, dass die Busse gut vorbeikommen, selbst wenn die Autos bis an der Grenze des Erlaubten abgestellt werden.

Die Parkplätze waren im Mai eingezeichnet worden. Außerdem wurde das Tempo im hinteren Ahornweg auf maximal 20 km/h verringert und eine Einbahnstraßenregelung eingeführt. In den Ferien fahren, wie derzeit, kleinere Busse.

Mehr dazu auf unserer Themenseite Busverkehr.

Die Bürgerkammer Neuschloß informiert über die geplante Neubaustrecke.

ICE-Trasse C: Feldwanderung zeigt Orte der Betroffenheit

Lampertheim hat erneut gegen eine ICE-Trasse quer durch den Wald und über die Felder der Heide protestiert. Große rote Luftballon kennzeichneten die Strecke. Auf den Feldwegen gab es sieben Stationen, an denen die Stadt, Landwirte, Neuschlößer Bürgerinnen und Bürger, Gewerbetreibende und Vereine ihre jeweilige Betroffenheit aufzeigten. Die Veranstaltung hatte vor allem informativen Charakter – trotz der jahrzehntelangen Debatte wächst das Interesse an dem Thema.

Zu Fuß, mit dem Fahrrad oder bequem in Anhänger: Auf den Spuren der C-Trasse.
Zu Fuß, mit dem Fahrrad oder bequem in Anhänger: Auf den Spuren der C-Trasse.

Die Aktion dauerte sechs Stunden und zog sich über mehrere Kilometer. Entsprechend lässt sich die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer schätzen. Die Angaben schwanken zwischen Hunderte (Südhessen Morgen) und 3500 (Veranstalterin Bila).

Groß war in jedem Fall die Resonanz. Die Liste der erschienenen Politikerinnen und Politiker aus allen Ebenen war lang. Neben den Lokalzeitungen berichtete das Hessen Fernsehen und das Rhein-Neckar-Fernsehen. Die von den Veranstaltern gewünschte Öffentlichkeit für die Positionen der Region wurde also erreicht.

Die wichtigen Informationen über das Bahnprojekt lest ihr hier: Sechs Fakten zur ICE-Trasse, die alle Lampertheimer kennen sollten.

Die Stationen.
Die Stationen.

Lampertheimer Wirtschaft gegen ICE-Trasse quer durch den Wald

125 Lampertheimer Unternehmen und Einzelhändler sprechen sich gegen eine Neubaustrecke der Bahn quer durch den Lampertheimer Wald aus. Neben den bekannten umweltpolitischen Argumenten nennen sie wirtschaftliche Gründe. Die Erklärung spricht von einer „Begrenzungstrasse“, die „Chancen der Wirtschaft und Stadtentwicklung an der Ostseite des Stadtgebiets“ stark einschränke.

Zudem senkten Gleise, die an Neuschloß vorbei und über die Lampertheimer Heide-Felder führen, die Lebensqualität. Schon die jahrelange Diskussion über den Trassenverlauf schade Lampertheim. Sie erschwere es lokalen Unternehmen, Beschäftigte zu finden. Denn die Attraktivität des Wohnorts entscheide immer häufiger über die Wahl des Arbeitsplatzes.

„Der Wettbewerb um Mitarbeiter und Fachkräfte ist nicht auf Arbeitsplatz und Entlohnung reduziert, sondern berücksichtigt insbesondere das Umfeld; Standortqualitäten, die sich positiv auf die Work-Life-Balance auswirken“, erläutert das Papier. Unter dem Strich führe C-Trasse „zu einer inakzeptablen Verschlechterung des Wirtschaftsstandortes Lampertheim“.

Erklärung Lampertheimer Unternehmer/innen.
Erklärung Lampertheimer Unternehmer/innen. (Großversion mit Klick auf Bild).

Die Initiative zu der Erklärung ging von fünf Geschäftsleuten aus: Peter Liermann (Vermessungsbüro GEO), Armin Kohler (Rechner Sensors), Stephan Grieser (Grieser Maschinenbau), Carmen Schreckenberger (Florales) und Maria Maron (Cavatappi).

Neuschloss.net dokumentiert die komplette Liste jener Händler und Unternehmen, die mit gegen die Zerschneidungstrasse kämpfen.

Der Südhessen Morgen berichtet, die Pressekonferenz, an der auch Bürgermeister Gottfried Störmer teilnahm, sei bei regionalen Radio- und Fernsehsendern auf große Resonanz gestoßen. Ein Ergebnis ist ein kurzer Bericht des HR-Fernsehens (ab Minute 5.25).

Uwe Rauschelbach kommentiert in der gleichen Zeitung, die Erklärung sei „ein gewichtiges Pfund im Kampf gegen ein Projekt“. Allerdings müsse das Engagement weiter gehen: „Vor diesem Hintergrund könnte es wahrscheinlich nicht schaden, wenn die Lampertheimer Unternehmer nicht nur den Schulterschluss mit Stadt und Bürgerinitiative suchten, sondern zumindest mit den Unternehmern auf Kreisebene, zumal sich die Wirtschaftsförderung des Kreises bereits mit den Kommunen solidarisiert hat.“

Proteste gegen die Zerschneidungstrasse

Lampertheim protestiert seit vielen Jahren gegen die Zerschneidungstrasse – und für eine Route entlang der Autobahnen 67 und 6. Die Kooordination übernimmt dabei die „Bürgerinitiative Lampertheim – Lebensraum vor ICE-Trasse“, die wiederum mit weiteren Initiativen aus der Region vernetzt ist. Im Frühjahr 2019 demonstrierten mehr als 2000 Menschen mit einem Lichterzug gegen die Trassenvariante. Der lokale Bauernverband bereitet sich juristisch vor; man werde „unbequem sein“, kündigt er an. Die Landwirte bauen auf den sandigen Böden der Rheinebene zahlreiche Sonderkulturen an wie Spargel, weiteres Gemüse oder Rollrasen.

„Solche Großprojekte kann man nicht gegen den Willen der Bevölkerung durchsetzen“, sagt Ulrich Guldner, Sprecher der Bila. Der besonders betroffene Stadtteil Neuschloß ist kampferprobt. In den Neunzigerjahren schlossen sich dort mehr als hundert Bürgerinnen und Bürger in einem Verein zusammen, besorgten sich Rechtsbeistand – und setzten so eine gut 90 Millionen Euro teure Altlastensanierung durch.

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SPD stärkste Kraft bei der Europawahl in Neuschloß

Bei den Europawahlen bleibt die SPD knapp stärkste Partei in Neuschloß. Sie kommt auf 23,5 Prozent oder 120 Stimmen. Fünf Voten weniger vereint die CDU auf sich – was einen Anteil von 22,6 Prozent ergibt. Drittstärkste Kraft sind die Grünen mit 19,9 und 101 Stimmen.

Es folgt die AfD mit 69 Stimmen und 13,5 Prozent. Bei der Bundestagswahl 2017 war die AfD in Neuschloß noch auf 14,4 Prozent gekommen, bei der Landtagswahl 2018 gar auf 17,6 Prozent.

Die FDP erreicht 39 Stimmen (7,7 Prozent), die Linke elf Stimmen (2,16 Prozent). Weitere Kleinparteien führt die Ergebnisseite der Stadtverwaltung für unseren Wahlbezirk auf.

Europawahl in Neuschloß seit 2004

Die Entwicklung einschließlich der drei vergangenen Europawahlen 2004, 2009 und 2014 zeigt unsere interaktive Grafik.

Über die vergangenen zwei Jahrzehnte bleibt die SPD nach einem außergewöhnlichen Ausschlag vor fünf Jahren stabil. Die CDU verliert hingegen seit 2009 kontinuierlich; seit der gleichen Zeit gewinnt die AfD an Stärke. Die FDP ist zuletzt abgeschlagen; die Grünen wachsen in Neuschloß mit dem Trend. Die Linke kommt bei Europawahlen in Neuschloß nie über vier Prozent.

Europawahl 2019 in Neuschloß und dem Stadtschnitt

In Gesamt-Lampertheim führt die CDU mit 25,9 Prozent; in Neuschloß sind das 3,3 Prozent weniger. Die SPD kommt stadtweit nur auf 21,6 Prozent – in Neuschloß sind es zwei Prozent mehr. Die Grünen sind bei 17,7 Prozent in Gesamt-Lampertheim gut zwei Prozent schwächer als in Neuschloß. AfD und FDP zeigen keine großen Unterschiede.

Ergebnis der Bürgermeisterwahl in Neuschloß.

Neuschloß hätte Steffan genommen

Herausforderer Marco Steffan ist bei den Neuschlößerinnen und Neuschlößern beliebter als der bisherige und künftige Bürgermeister Gottfried Störmer. Das zeigt ein Blick auf die Ergebnisse des Wahlbezirks 15. Steffan kommt auf 48,8 Prozent der Stimmen. Gottfried Störmer schafft 46,3 Prozent, Lothar Pfeiffer 4,9 Prozent. Die Wahlbeteiligung in Neuschloß ist mit 51,9 Prozent die höchste eines Lampertheimer Wahllokals – dazu kommen noch die Neuschlößerinnen und Neuschlößer, die per Briefwahl abgestimmt haben.

Stadtweit erreicht Störmer 50,55 Prozent, Steffan 44,38 Prozent und Pfeiffer 5,07 Prozent. Gesamtwahlbeteiligung: 60,01 Prozent.

 

Neuschloß ist der einzige Stadtteil, in dem Steffan punktet. Andersrum schneidet Störmer nirgends schlechter ab als bei uns. Der Bürgermeister ist klarer Sieger in Hofheim (53,70 Prozent), Rosengarten (57,94 Prozent) und Hüttenfeld (62,12 Prozent). In der Kernstadt vereint Störmer 47,25 Prozent der Stimmen auf sich.

Im Wahlkampf spielten Themen aus allen Stadtteilen kaum eine Rolle. Das könnte sich vor allem für die Herausforderer gerächt haben. Sämtliche Kandidaten fokussierten sich auf die Frage, wie die Fußgängerzone in der Kernstadt zu beleben sei. Auch über die Führungsqualität Störmers als Chef der Stadtverwaltung stritten sie. Verkehrsaspekte, die für Stadtteile relevant sind, blieben undiskutiert. Wenig war über soziale Themen zu hören – etwa über Kinderbetreuung, Schulen und Bildung.

Neben den Stadtteilen entschieden die Wahl erwartbar vermutlich auch die Älteren, die in der Tendenz konservativ sind und auf die Briefwahl setzen.

Forschungsgruppe Wahlen in Neuschloß.
Forschungsgruppe Wahlen in Neuschloß.

Einige Neuschlößerinnen und Neuschlößer durften übrigens doppelt wählen. Die Forschungsgruppe Wahlen befragte ausgewählte Bürgerinnen und Bürger nach ihrem Stimmverhalten. Die Ergebnisse flossen in die Prognosen und Hochrechnungen für das ZDF ein.

Der Beamtenbau, illuminiert beim Stadtteiljubiläum.

Umbau des Schlosses könnte im Herbst starten

Innen entkernt ist das historische Schlossgebäude schon seit mehr als zwei Jahren. Jetzt scheinen die Hürden dafür genommen, dass der Ausbau starten kann. Vorsitzende Carola Biehal berichtete in der jüngsten öffentlichen Sitzung der Bürgerkammer, nach mehreren Terminen mit der Denkmalbehörde seinen alle offene Fragen geklärt. Sie fügte hinzu: „Im Herbst könnte es losgehen.“

Die Stadt Lampertheim hatte das Gebäude im Jahr 2013 an die Lampertheimer Architektenfamilie Braun verkauft. Es ist ein Nebengebäude, der Beamtenbau einer größeren Jagdschlossanlage der Pfälzer Kurfürsten, die spätestens am 10. September 1468 gestanden haben muss; auf diesen Tag datiert eine Urkunde, die auch der Bezugspunkt der 550-Jahr-Feier unseres Stadtteils war.

Das "Schloss" an der Landesstraße. Von außen zeigt es sich, als sei nichts gewesen. Innen ist alles anders. Bild: Michael Bayer
Das zeigt sich bei einem Rundgang der Bürgerkammer durch das entkernte Gebäude. Bild: Michael Bayer
Türen auf, Türen zu. Bild: Michael Bayer
Die Wände zeugen von regen Umbautätigkeiten. Bild: Michael Bayer
In der Renaissance-Zeit waren die Fenster größer und abgerundet - nach der Freilegung des Mauerwerks deutlich zu erkennen. Das Fenster zeigt zur Landesstraße hin. Bild: Michael Bayer
Jahrhundertealte Brandspuren zeugen von Zerstörung und Wiederaufbau. Bild: Michael Bayer
Blick in den Dachboden - das tragende Kiefernholz wurde Mitte des 18. Jahrhunderts eingebaut. Bild: Michael Bayer
Eine Kassettentür aus dem Jahr 1747.
Diese Kassettentür ist ebenso alt. Bild: Michael Bayer
Mit Bohrungen ermitteln Fachleute das Alter des Holzes. Bild: Michael Bayer
Treppe auf dem Dachboden. Bild: Michael Bayer
Diese Verzierung am Treppentürmchen war bisher unbekannt. Foto: Michael Bayer
Bild: Michael Bayer
Zeichen des Steinmetztes - die Wendeltreppe ist aus Granit gefertigt. Bild: Michael Bayer
Bild: Michael Bayer
Bild: Michael Bayer
Weitere Verzierungen. Bild: Michael Bayer
Bild: Michael Bayer
Reste des historischen Steinbodens. Bild: Michael Bayer.
Bild: Michael Bayer
Bild: Michael Bayer
Bild: Michael Bayer
Bimssteine - hell aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, dunkel in den 60er oder 70er Jahren eingebaut. Bild: Michael Bayer
Bild: Michael Bayer
Bild: Michael Bayer
Zimmermannsnägel. Bild: Michael Bayer
Bild: Michael Bayer
Ausblick aus dem Dachboden. Bild: Michael Bayer
Bild: Michael Bayer
Die Erweiterung, erkennbar auf den letzten Metern zum Erlenweg hin, ist älter als bisher gedacht. Bild: Michael Bayer
Der Lampertheimer Architekt Franz-Rudolf Braun (rechts im Bild) hat sich gründlich mit der Historie des Gebäudes vertraut gemacht. Bild: Michael Bayer

Eigentlich war der Umbau schon früher geplant. Als aber 2015 in Lampertheim Flüchtlinge unterzubringen waren, stellten die neuen Besitzer die bisherigen Wohnungen dafür ein Jahr lang zur Verfügung. Während des Stadtteil-Jubiläums entwickelte sich das entkernte Gebäude mit seiner natürlichen Schönheit, bereichert um eine kleine Kunstausstellung, zum Publikumsmagneten.

Das Konzept des Architekten sieht acht Wohnungen vor; auch das Dachgeschoss soll dafür ausgebaut werden. Ein Bereich im Erdgeschoss könnte öffentlich genutzt werden. Im Gespräch war hier zuletzt ein Museum, etwa zur Jagd, eventuell in Verbindung mit dem im Dezember gestarteten Geopunkt. Die Stadt oder eine andere öffentliche Einrichtung müsste dann als Mieterin auftreten.

Kunstausstellung im entkernten Schloss.
Kunstausstellung im entkernten Schloss.
Kunstausstellung im entkernten Schloss.
Kunstausstellung im entkernten Schloss.
Kunstausstellung im entkernten Schloss.
Kunstausstellung im entkernten Schloss.
Kunstausstellung im entkernten Schloss.
Kunstausstellung im entkernten Schloss.
Kunstausstellung im entkernten Schloss.
Kunstausstellung im entkernten Schloss.

Kanalgeruch: Jetzt sind die Neuschlößer gefragt

Schwefelwasserstoff also heißt das Zeugs, das die Neuschlößer seit Jahren nervt. Erster Stadtrat Jens Klingler berichtete der Bürgerkammer über den Sachstand der Recherche der Stadtverwaltung zu den Ursachen des üblen Kanalgeruchs. Schuld ist jenes H2S. Es scheint in der Druckleitung zu entstehen, die das Abwasser aus Hüttenfeld nach Neuschloß leitet – und das bei uns in offenen Kanälen quer durch unseren Stadtteil fließt.

Die gute Nachricht: Es gibt ein chemisches Gegenmittel, das den Geruch neutralisiert. Die Stadt setzt es seit einiger Zeit ein. Zunächst hochkonzentriert. Doch sie wird nach und nach die Dosis verringern, um jene Menge zu ermitteln, die möglichst gering ist, aber zugleich den gewünschten Effekt hat: den Gestank in Neuschloß aufzufressen.

Und genau hier kommen die Anwohner ins Spiel: Damit klar wird, in welcher Menge die Dosis zu gering ist, um den Geruch zu stoppen, sollten die Neuschlößer in der kommenden Zeit konsequent die Meldefunktion von Neuschloss.net verwenden, sagte Klinger in der Bürgerkammer.

In den ersten Monaten dieses Jahres gingen vergleichsweise wenige Meldungen ein. Jene die kamen, zeugten aber von dem massiven Ärger der Anwohner. Michael Bayer, Mitglied der Bürgerkammer und Neuschloss.net-Macher, interpretierte das so: „Viele Neuschlößer haben resigniert und informieren nicht mehr über den Gestank.“ Wichtig ist jetzt, dass der Stadtteil erkennt, dass die Meldungen entscheidend sind, um den Geruch dauerhaft loszuwerden.

Der Geruchsmelder informiert auf einen Schlag die Stadtverwaltung, Stadtrat Jens Klingler, die Vorsitzende der Bürgerkammer, Carola Biehal, und natürlich Neuschloss.net.

Das Thema beschäftigt den Stadtteil seit Jahren. Lange blieb die Ursache des Geruchs offen. Die Stadt baute in Gullys und die Deckel von Kanalschächten Filter mit biologischer Wirkung ein. Zuletzt ließ sie auch zwei Klappen für Schwallspülungen installieren. Die Idee dabei: Klappen, die hydraulisch gesenkt und gehoben werden. Sind sie unten, staut sich das Abwasser auf. Sobald die Klappen nach oben gezogen werden, fließt das Abwasser kraftvoll weiter – und nimmt, so der Plan, alle eventuelle Ablagerungen in der folgenden Kanalstrecke mit.

Zwei solcher Klappen sind im Neuschlößer Kanal installiert – eine in der Mitte des Lindenwegs, eine weitere an der Ecke Buchen-/Ulmenweg. Anfang des Jahres waren sie abgeschaltet – um die Versuche mit dem Schwefelwasserstoff-Gegenmittel nicht zu verfälschen. Nun sind sie wieder aktiv.

Streit über Busverkehr: Ahornweg wird Einbahnstraße

Im Streit über den Busverkehr im Neuschlößer Ahornweg könnte es einen Durchbruch geben. In einem Ortstermin einigten sich Anwohner, Vertreter der Bürgerkammer und die Stadtverwaltung auf ein Drei-Punkte-Programm. Das berichtete die Vorsitzende der Bürgerkammer, Carola Biehal, erstmals der Öffentlichkeit.

Wichtigster Punkt: Der hintere Ahornweg soll in Richtung des Busverkehrs zur Einbahnstraße werden – und zwar zwischen der westlichen Einmündung des Akazienwegs und dem Eichenweg. Das soll verhindern, dass die Linienbusse dem Gegenverkehr ausweichen und dabei auf die Gehwege fahren müssen.

Rot gekennzeichnet die geplante Einbahnstraße im Ahornweg.
Rot gekennzeichnet die geplante Einbahnstraße im Ahornweg.

Von der Einbahnstraßenregelung betroffen sind auch die Mieter der Wohnblocks der Baugenossenschaft.

Zudem soll im hinteren Ahornweg die Höchstgeschwindigkeit von 30 auf 20 Kilometer pro Stunde verringert werden. Schließlich wird die Stadt konkrete Parkflächen einzeichnen lassen.

Das Ganze ist angelegt als Test, der auf drei Monate angelegt ist.

Mehr dazu auf unserer Themenseite Busverkehr.

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Bürgerkammer diskutiert Pläne der Baugenossenschaft

Das Schild steht seit vier Wochen – aber von Bauarbeiten ist bisher nichts zu sehen. An der Landesstraße neben der Kinderkrippe will die Baugenossenschaft Lampertheim in Neuschloß Wohnungen bauen. Wann es losgeht und wie die Pläne im Detail aussehen, sind Thema im kommenden Treffen der Bürgerkammer. Es beginnt am Donnerstag, 16. Mai, um 19 Uhr im Bürgersaal am Ahornplatz.

Der Geschäftsführer der Baugenossenschaft, Wolfgang Klee, wird das Vorhaben vorstellen und erläutern. Das vierstöckige Gebäude umfasst 15 Wohnungen für Familien, zwischen 77 und 100 Quadratmeter groß.

Fortgeschritten sind inzwischen auch die Pläne, nach denen die Bushaltestelle „Neuschloß Ort“ an der Forsthausstraße umgebaut werden sollen. Ziel ist, dass Fahrgäste in beide Richtungen im Seitenweg vor dem Schloss barrierefreie ein- und aussteigen können. Auch hier diskutiert die Kammer den aktuellen Stand.

Auf der Tagesordnung stehen ferner verschiedene Berichte – der Bürgerinitiative Lampertheim (Bila) zum Neubau der Bahntrasse Frankfurt-Mannheim, des Projektbeirats Altlasten und des Fahrgastbeirats. Erster Stadtrat Jens Klingler wird zudem Anträge und Anfragen beantworten.

Ahornweg-Anwohner provozieren Busfahrer

Der Aushang schockte Neuschlößer Facebook-Nutzer: Die Haltestelle im Ulmenweg werde „wegen provozierender Behinderungen durch einen Anwohner im Ahornweg bis auf Weiteres nicht mehr bedient“. Im Ulmenweg steigen unter anderem die Grundschüler ein, die fernab der Hauptstraße rund um den Ahornplatz warten können. Doch das Schild hing glücklicherweise nicht lange. Was war geschehen?

Am Freitag musste gegen 14 Uhr ein Bus im hinteren Ahornweg Slalom fahren. Wie in der jüngsten Zeit häufig parkten Autos und Anhänger bis eng in die Kurven. Der Bus musste mit dem Überbau und teilweise auch mit dem linken Vorderrad über den Bürgersteig rollen. Der Fahrer berichtete, plötzlich habe ein Anwohner vor dem Bus gestanden. Der Neuschlößer habe dem Fahrer vorgeworfen, er würde ihn als Fußgänger gefährden und bedrohen. Daraufhin wollte das Busunternehmen zunächst nicht mehr durch den Ahornweg fahren, um seine Fahrer zu schützen. Der Aushang war Ausdruck davon.

Später schritt der Fachbereich Verkehr, Sicherheit und Ordnung der Stadtverwaltung ein. Am Samstag weitete er das bestehende Halteverbot aus, so dass die keine Fahrzeuge mehr die Busse blockieren können. Das Ordnungsamt behält sich weitere Schritte vor. Mit dem Busunternehmen ist vereinbart, dass die Fahrzeuge am Montag weiter wie vorgesehen im Ulmenweg halten.

Der Aushang ist inzwischen ungültig und entfernt.
Der Aushang ist inzwischen ungültig und entfernt.

Kommentar: Die Stadtverwaltung handelt richtig

Busverkehr vor der eigenen Haustür muss man nicht lieben. Zumal wenn man nicht darauf angewiesen ist. Und natürlich haben Anwohner aus dem Neuschlößer Ahornweg das Recht, ihre eigenen Interessen – die Busse mögen bitte anderswo fahren – lautstark in Bürgerkammer und Leserbriefen (von Waldemar Schneider, Maria Walter und Marliese und Günter Koch) zu vertreten.

Genauso aber muss es der Mehrheit der Neuschlößer erlaubt sein, nicht auf diese Forderungen einzugehen. Weil es nämlich dem Stadtteil insgesamt schaden würden, fiele die Haltestelle im Ulmenweg weg. Ein Großteil unserer Schülerinnen und Schüler müsste dann die wirklich gefährliche Route entlang der Landesstraße nehmen. Und für ältere Menschen wäre der weitere Weg zum Bus, der sie zu den Supermärkten in der Otto-Hahn-Straße bringt, kaum machbar. Überall kämpfen die Menschen für einen besseren Nahverkehr; Neuschloß sollte wegen den Interessen weniger Anwohner nicht den gegenteiligen Weg einschlagen.

Um einige Fakten in die Debatte zu bringen: Wir reden hier nicht von einem Busverkehr wie in der Lampertheimer Eugen-Schreiber-Straße, wo sich fortlaufend große Fahrzeuge begegnen. Durch den Neuschlößer Ahornweg rollt montags bis freitags tagsüber grob gezählt jede Stunde ein Bus pro Richtung. Konkret fährt die Linie 605 an Schultagen einmal am Morgen zur Pestalozzischule und dreimal am Mittag zurück. Die 602 steuert 13-mal über Fachmarktzentrum, Bahnhof und Innenstadt das Schulzentrum West an; zwölfmal zurück.

Fakt ist ferner: Anwohner führten gegenüber der Stadtverwaltung aus, der Busverkehr im Ahornweg sei rechtswidrig. Der Fachbereich Verkehr, Sicherheit und Ordnung prüfte die Rechtslage und kam zum Ergebnis, dass sich die Bürger irren und der Busverkehr hier sehr wohl erlaubt ist. Daraufhin legten die Bürger Beschwerde beim Regierungspräsidium in Darmstadt ein. Das RP prüfte die Stellungnahme der Stadt und teilte mit, sie sei aus Sicht der obere Straßenverkehrsbehörde fachlich korrekt. Nun kritisieren die Anwohner das RP.

Es verfestigt sich der Eindruck, dass die Anwohner schlicht nicht akzeptieren wollen, dass sie ihre Interessen nicht durchsetzen können. Das lässt offenbar ihre Nerven blank liegen. Sie parken ihre Autos und Anhänger zunehmend so, dass die Busse zu einer Slalomfahrt gezwungen sind – um dann anschließend den Fahrstil der Busfahrer zu rügen. Die Stadtverwaltung hat nun die einzig richtige Konsequenz daraus gezogen, und das Halteverbot im hinteren Ahornweg ausgeweitet. Schade, dass es diesen Zwang braucht.

Die Bürgerkammer war den Anwohnern entgegen gekommen. Sie hatte nach vielen Diskussionen im Sommer vorgeschlagen, die Interessen der Buskritiker mit einzubringen, wenn im Zusammenhang mit der geplanten Einführung der S-Bahn der Busverkehr in Lampertheim möglicherweise ohnehin neu geregelt werden muss. Vielleicht kann sich ja Neuschloß auf diesen gemeinsamen Kurs besinnen.