Blick in den morgendlichen Busverkehr.

Zahlreiche Eltern bestätigen Bericht zu überfüllten Bussen in die Schulen

Die Kritik der Neuschlößer Bürgerkammer im Ortsbeirat an überfüllten Bussen, die Lampertheimer Kinder zur Schule bringen, löst zahlreiche Reaktionen in den sozialen Medien aus. Sie lassen erkennen: Es sind weitere Stadtteile betroffen. Und: Eltern verzweifeln daran schon seit Jahren. Die Zustände sind also schon lange schwierig – seit Corona aber völlig untragbar.

Im Ortsbeirat Neuschloß ging es beispielhaft um einen Bus, der morgens in Neuschloß startet und über Guldenweg, Rosenstock und Europabrücke zum Schulzentrum West fährt. Er sei derart überfüllt, dass an den letzten Stationen Schülerinnen und Schüler stehen bleiben, berichtete die Bürgerkammer.

Viele Eltern bestätigen das in Lampertheimer Facebook-Gruppen. „An der Europabrücke werden die Kinder stehen gelassen, weil die Busse zu voll sind. Aber dann wird sich über das Elterntaxi beschwert. Es wird endlich Zeit, das morgens mehr Busse fahren“, schreibt eine Mutter. Eine andere Reaktion, ebenfalls aus dem Europaviertel: „War bei meinen [Kindern] vor mehr als zehn Jahren schon so. Die beiden sind deshalb bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad gefahren.“

Offenbar kein Einzelfall: „Es ist schon bitter, wenn man jeden Monat für drei Kids das Maxx-Ticket bezahlt hat und dann doch selbst fahren muss“, heißt es in einer Stellungnahme. Und ein weiterer, sehr eindringlicher Kommentar: „Zu meiner Schulzeit sind wir von der Europabrücke mit dem Bus zur Schule gefahren. Es war an der Tagesordnung, dass irgend einem Schüler der Schulranzen eingeklemmt wurde, weil der Schüler gerade noch so in den völlig überfüllten Bus passte.“

Die Schülerinnen und Schüler draußen passen nicht mehr in den Bus.
Die Schülerinnen und Schüler draußen passen nicht mehr in den Bus.

Diese Eltern berichten von ihrem Versuch, etwas zu ändern: „Das geht schon seit Jahren so. Unsere Kinder wurden auch fast täglich an der Europabrücke stehen gelassen, weil kein Platz mehr war. Wir und eine weitere Mutter hatten damals sogar die Zeitung eingeschaltet, leider haben die vorher mit dem Busunternehmen und Herrn Isenhardt [noch heute Geschäftsführer der verantwortlichen städtischen Gesellschaft VTL, Red.] Kontakt aufgenommen – und am nächsten Morgen, als der Herr von der Zeitung sich das an der Haltestelle anschauen wollte, kamen für diesen einen Tag einmalig zwei Busse.“

Nicht nur im Europaviertel gibt es gravierende Probleme. Ein Hüttenfelder berichtet: „Kam auch schon von der Linie Hüttenfeld-Schulzentrum West vor. Neuschloß wurde einfach durchgefahren! Aber wenn voll, dann voll, was soll der Fahrer sonst tun?“

Rückmeldungen gibt es ebenfalls aus Hofheim: „An den Bushaltestellen sollen die Kinder Abstand halten und dann werden sie im Bus oder Zug eingequetscht. Schaut euch mal morgens die Linie 647 von Hofheim nach Bensheim an. Das ist seit Jahren eine Katastrophe und es wird nichts unternommen! Und jetzt kommt noch Corona dazu.“ Eine Mutter, deren Kinder ebenfalls an der Bergstraße in die Schule gehen, erläutert: „In der Bahn nicht besser. Oft können in Lorsch keine Schüler mehr einsteigen, da der Zug von Bürstadt nach Bensheim so überfüllt ist.“

Michael Aberle, Miglied der Fraktion von Bündnis 90 / Die Grünen in der Lampertheimer Stadtverordnetenversammlung, kommt zu dem Schluss: „Das wäre zu normalen Zeiten schon untragbar.“

19. November 2021

Ursprungsbericht: Ortsbeirat kritisiert überfüllte Busse zum Schulzentrum

Schülerinnen und Schüler aus Neuschloß sind oft in völlig überfüllten Bussen unterwegs. Darauf weist die Bürgerkammer in einer Anfrage an den Magistrat der Stadt hin, die im jüngsten Treffen des Ortsbeirats Thema war.

„Kinder und Jugendliche stehen durch den gesamten Bus. Sie müssen teils soweit in den Türen stehen, dass sich die mittlere Tür nicht mehr öffnet. Gelegentlich wird an der Haltestelle Europabrücke Kindern und Jugendlichen der Zutritt in den Bus verwehrt mit dem Hinweis, es passe niemand mehr rein“, heißt es in dem Papier.

Bürgermeister Gottfried Störmer berichtete, die zuständige städtische Gesellschaft „Verkehr Touristik Lampertheim“ (VTL) habe die Auslastung in Augenschein genommen. Er versprach zu prüfen, wie Abhilfe geschaffen werden könne. Eventuell sei möglich, mit Corona-Mitteln ein zusätzliches Fahrzeug einzusetzen.

Dem Ortsbeirat geht es insbesondere um einen Bus der Linie 602, der im Ulmenweg um 7.18 Uhr startet. Er fährt zum Seniorenwohnheim Guldenweg, ändert dort seine Linienbezeichnung in 603, verkehrt weiter durch den Rosenstock, hält unter der Europabrücke und erreicht schließlich den Biedensand um 7.42 Uhr. Der Routenlauf lässt erkennen, dass der Bus dazu dient, Schulkinder aus verschiedenen Teilen der Stadt zum Lessinggymnasium zu bringen.

Linie 644 vergisst am Nachmittag das Schulzentrum-West

Probleme gibt es auch mit der vom Kreis betriebenen Linie 644. Nachmittags um 15.49 Uhr soll ein Bus eine Extraschleife zum Schulzentrum drehen, um Jugendliche aus Neuschloß und Hüttenfeld aufzunehmen. Immer wieder vergessen die Fahrerinnen und Fahrer aber diese Runde. Dann müssen die Schülerinnen und Schüler auf den gut 20 Minuten später folgenden Bus der Linie 602 warten, der entsprechend voller wird.

Der Fahrgastbeirat hat das ausführende Busunternehmen schon vor einiger Zeit auf das Problem angesprochen. Seinerzeit wurden technische Probleme als Ursache genannt, die dazu führten, dass die Schleife nicht in den elektronischen Routenvorgaben für das Fahrpersonal auftauche. Man wollte das angehen.

Haltestelle „Neuschloß Ort“ samt Fahrplan.

Bürgerkammer vermisst Engagement für den Busverkehr in Lampertheim

In Lampertheim fehle jemand, die oder der sich sich richtig für den Busverkehr engagiert und verantwortlich fühlt, moniert die Bürgerkammer im Ortsbeirat. Das zeige sich auch an Dingen wie fehlende und inaktuelle Aushangsfahrpläne.

Hier die Stellungnahme der Bürgerkammer in Facebook im Wortlaut:

Die Bushaltestelle an der L3110 ist nun endlich komplett – mit Schild und Fahrplan. Vor allem mit dem Ausgang der Abfahrtszeiten nimmt man es in Lampertheim nicht so genau. In Neuschloß dauerte es mehrere Wochen und es bedurfte letztlich einer offiziellen Anfrage der Bürgerkammer im Ortsbeirat, bis der Fahrplan kam. In Lampertheim am Bahnhof, nicht gerade irgendeiner Haltestelle, sind die Aushänge weiter um Jahre veraltert, ganze Stundenphasen fehlen. Bürgermeister Gottfried Störmer erläuterte im Ortsbeirat, das ausführende Busunternehmen sie zuständig. Die Bürgerkammer bemerkte, es dränge sich der Eindruck auf, dass sich in Lampertheim niemand engagiert um den Busverkehr kümmere. Das zeigten auch die völlig überfüllten Fahrzeuge zu den Schulen.

Bushaltestelle samt Fahrplan.
Bushaltestelle samt Fahrplan.
VRN Nextbike-Station

Verwaltung befürwortet Fahrradleih-Station in Neuschloß

In Neuschloß dürfte es bald möglich werden, spontan Fahrräder auszuleihen. Die Verwaltung stellt sich hinter einen Antrag des Ortsbeirats, der eine Nextbike-Vermietstation des VRN wünscht.

„Ich finde es gut, dass Sie beim Thema Verkehr nicht nur an Autos und Busse denken“, sagte Bürgermeister Gottfried Störmer in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats. Bereits in den kommenden Tagen stünden Gespräche mit dem Verkehrsbund an, in denen das Thema geklärt werden könne, zeigte sich der Verwaltungschef optimistisch.

Der Ortsbeirat hatte in dem einstimmig verabschiedeten Antrag angeregt, Standort der Station könne in der Nähe der Bushaltestellen Forsthausstraße oder Ulmenweg sein. Man sei bestrebt, den öffentlichen Personennahverkehr attraktiv zu machen. Eine Nextbike-Station kann dazu beitragen.

Konkret führt der Antrag aus:

Da bereits am Lampertheimer Bahnhof ein Mietpunkt besteht, entstünde mit einer Station in Neuschloß die Möglichkeit für Bahnpendelnde, spontan den Weg vom Bahnhof nach Neuschloß zurückzulegen – etwa wenn kein Busanschluss besteht oder der Bus nicht erreicht wird.

Zudem hat die VTL das Ruftaxi zwischen Lampertheim und Neuschloß eingestellt. Damit besteht in den Abendstunden keine sinnvolle Anschlussmöglichkeit an Züge, die aus Frankfurt ankommen sowie an die S-Bahnen aus Mannheim. Auch hier könnte das Fahrrad eine Alternative sein.

In der umgekehrten Richtung können Bewohnerinnen und Bewohner unseres Stadtteils das Mietrad am Bahnhof abstellen – ohne Vandalismus und Diebstahl für ungeschützt hinterlassene eigene Fahrräder fürchten zu müssen.

Schließlich könnten auch Bürgerinnen und Bürger aus der Kernstadt beispielsweise für ein Restaurantbesuch in Neuschloß das Rad nehmen. Und touristisch Interessierte in Neuschloß ihre Radtouren etwa auf Rundwegen durch den Wald starten.

Den Weihnachtsmarkt sehen wir auch dieses Jahr nur auf Archivbildern.

Weihnachtsmarkt in Neuschloß fällt aus – Lampertheimer wackelt

Den Neuschlößer Weihnachtsmarkt sehen wir auch in diesem Jahr nur auf Archivbildern. Die Veranstaltung am Ahornplatz fällt aus. Das hat Ortsvorsteherin Carola Biehal in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats bekannt gegeben.

„In Corona-Zeiten ist es mit der Kultur immer eine Gratwanderung – und wir haben Verständnis für den Drang nach Aktivitäten. Auch wir wünschen uns mehr. Doch die zur Verfügung stehende Fläche ist zu klein, um die vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen erfüllen zu können“, erläuterte sie. Die Gesundheit müsse an erster Stelle stehen.

Bürgermeister Gottfried Störmer begrüßte die Entscheidung: „Ich nehme das sehr positiv zur Kenntnis.“ Er deutete an, dass man derzeit überlege, wie mit dem Weihnachtsmarkt in der Kernstadt zu verfahren sei. Man warte noch auf entsprechende Vorgaben des Landes, die für den heutigen Freitag angekündigt seien.

In Neuschloß hatte es in den vergangenen Wochen auch Überlegungen gegeben, zu Halloween und St. Martin größere Aktionen Kinder und Jugendliche zu organisieren. Vertreterinnen und Vertreter des Ortsbeirats, der evangelischen Johannesgemeinde, von Kindergarten und Krippe sowie der Musikschule „Kids on Keys“ sprachen sich am Ende aber ebenfalls mit Blick auf die steigenden Inzidenzzahlen dagegen aus – und wollen die Pläne im kommenden Jahr neu aus der Schublade ziehen.

Der RE70 bekommt mehr Puffer im Fahrplan.

Bahn will Züge aus Mannheim pünktlicher machen

Bei der offiziellen Eröffnung der Bushaltestelle „Neuschloß Ort“ war es ein wichtiges Thema: Weil die Züge aus Mannheim oft zu spät in Lampertheim ankommen, klappt es nicht mit dem Anschluss auf die Busse der Linie 644, die in unseren Stadtteil fahren. Nun verspricht die Bahn Besserung.

Zum Winterfahrplan, der von Mitte Dezember an gilt, will sie den Fern- und Nahverkehr im Mannheimer Hauptbahnhof besser verschränken. Das soll verhindern, dass späte ICE auch die Regionalzüge aufhalten.

RE70 bekommt einen Puffer im Fahrplan

Konkret ist, wie die Frankfurter Rundschau im Detail berichtet, Folgendes geplant: Der Start des RE70 ist in Mannheim künftig mit Minute 35, vier Minuten früher als bisher, im Fahrplan notiert. Zugleich dauert die Fahrt von Hauptbahnhof bis zum Waldhof vier Minuten länger.

Warum das? Sind die beiden ICE, die vorher auf die Strecke nach Frankfurt gehen, pünktlich, steht der RE70 vier Minuten länger, als es der Fahrplan vermuten lässt, am Bahnsteig und rollt – wie bisher – zur Minute 39 los. Er ist aber nicht verspätet, weil er schlicht die vier Pufferminuten aufbraucht.

Ist ein eigentlich vorausfahrender ICE später als fünf Minuten, fährt der RE70 schon zur Minute 35 ab, huscht dann unterwegs zur Seite und lässt den folgenden ICE vorbei. Hier gibt es ebenfalls keine Verspätung, weil auch hier die zusätzlichen vier Minuten Wegezeit als Puffer bereitstehen.

S9 startet künftig zur Minute 56 in Mannheim

Die S9 mit ihren auffälligen Zügen.
Die S9 mit ihren auffälligen Zügen.

Zum Besseren ändert sich mit dem Winterfahrplan auch die Abfahrtszeit der S9 in Mannheim nach Lampertheim. Die Züge starten künftig zur Minute 56 – und damit immerhin mit etwas größerem zeitlichen Abstand zum RE70 als bisher mit Minute 49.

Manche werden sich erinnern: Vor der Umstellung auf die S-Bahn im Dezember 2020 war die bis dahin verkehrende Regionalbahn 2 bereits zur Minute 55 abgefahren. Die neue alte Zeitlage der S9 ermöglicht einen besseren Anschluss an den Fernverkehr. Denn so klappt der Übergang von den ICE, die aus Frankfurt kommend in Richtung Schweiz unterwegs sind. Sie kommen, falls pünktlich, zur Minute 44 an.

Eine unangenehme Ausnahme gibt es: Ausgerechnet zur Feierabendzeit startet die S9 um 17.55 Uhr – und wird im Waldhof überholt. Deshalb dauert diese Fahrt nach Lampertheim 21 Minuten. Zu den anderen Zeiten schafft die S-Bahn die Verbindung in der Regel in einer knappen Viertel Stunde.

ICE-Trasse: Bahn untersucht für Tunnelfrage Boden im Wald

Es ist ein Jahrzehnte-Projekt: Eine Neubaustrecke der Bahn zwischen Frankfurt und Mannheim soll das größte Nadelöhr im deutschen Fernverkehr und europäischen Güterverkehr beseitigen. Lampertheim und der Stadtteil Neuschloß sind besonders betroffen.

  • Die Deutsche Bahn kündigt Untersuchungen an, die ermitteln sollen, in welcher Bauweise der Tunnel durch den Lampertheimer Wald entstehen kann.
  • Zwischen Frankfurt und Darmstadt will die Bahn noch in diesem Jahr in die Planfeststellung gehen.
  • Die Ortsvorsteherin von Neuschloß, Carola Biehal, Bila-Aktivist Karl Hans Geil und Bürgermeister Gottfried Störmer vertreten die Interessen von Lampertheimer im neuen Projektbeirat zur Neubaustrecke.
  • Die Sohle des Tunnels wird bei Neuschloß 18 Meter tief vergraben. Östlich des Alten Lorscher Wegs könnte die Trasse näher als 70 Meter an die Grundstücksgrenzen herankommen. Die Bauweise ist weiter umstritten.

Für Lampertheim ist es die Frage aller Bahnfragen: Wird die Neubaustrecke unterirdisch gebohrt, ohne dass man im Lampertheimer Wald und auf den Spargelfeldern der Heide viel davon mitbekommt? Oder graben Bagger vorübergehend etwa 18 Meter tiefe Schluchten aus, um unten die Trasse zu betonieren? Die Region wünscht sich die bergmännische Variante; die Bahn schlägt die oberirdische Bauweise vor.

Jetzt gibt es Anzeichen, dass der Schienenkonzern die unterirdische Version ernsthaft prüft. Er teilte mit, er habe mehrere Ingenieurbüros mit Planungen beauftragt. Im Lampertheimer Wald stünden „Geländebegehungen, geologische Kartierungen sowie Erhebungen für geotechnische und hydrologische Gutachten“ an. Diese Arbeiten sollten ermitteln, „welche Tunnel-Bauweise (oberirdisch oder bergmännisch) möglich“ sei.

In einer Präsentation im Beteiligungsforum nennt die Bahn einen weiteren Meilenstein: Im kommenden Jahr will sie die konkrete technische Planung angehen. Spätestens dann müsste die Grundsatz-Entscheidung zur Bauweise gefallen sein.

Eine schnelle Einigung könnte im Lampertheimer Sinne sein. Weiter nördlich werden an der Strecke Rufe nach zusätzlichen Untertunnelungen laut. Das gilt nicht nur für Bensheim-Langwaden. Neuerdings wächst auch der Wunsch, die umstrittene Südanbindung Darmstadts komplett unter der Erde zu sehen. Hier und da fällt die Bemerkung, die Menschen dort vor Lärm zu schützen sei wichtiger, als Spargelfelder zu untertunneln.

Neubaustrecke Frankfurt – Mannheim: Zeitplan für die Bauabschnitte

Die Planung der Bahn unterteilt die Neubaustrecke Frankfurt – Mannheim in fünf Abschnitte. Grundregel: je nördlicher, desto schneller wird das Projekt vorangetrieben. Einige Eckdaten.

Zeppelinheim bei Frankfurt bis Darmstadt Nord einschließlich Nordanbindung Darmstadt (Abschnitt 1): Die Strecke verläuft im Wesentlichen oberirdisch östlich der Autobahn 5. Die Autobahn-Anschlussstelle Langen wird in einem Trog unterfahren. Auch für die Nordanbindung Darmstadts ist ein Trog vorgesehen, damit sich die Züge nicht in die Quere kommen. (Klick auf die folgenden Karten bringt eine größere Version.)

Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim, Abschnitt 1: Zeppelinheim bis Darmstadt Nord Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim, Abschnitt 1: Zeppelinheim bis Darmstadt Nord. (Karte: DB)

Die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren sollen noch in diesem Jahr (viertes Quartal) beim Eisenbahn-Bundesamt einreicht werden. Ziel ist, so möglichst früh den Hessenexpress zwischen Wiesbaden, Frankfurt-Flughafen und Darmstadt auf den Weg bringen zu können.

Darmstadt Nord bis Pfungstadt (Abschnitt 2): Diesen Bereich kennzeichnet die Untertunnelung der Autobahn-Anschlussstelle Weiterstadt und ein folgender Trog am Autobahnkreuz Darmstadt. Vor Pfungstadt stößt die Südanbindung Darmstadts entlang der Eschollbrücker Straße auf die Hauptgleise östlich der Autobahn 67. Auch die Güterverkehrsanbindung bei Weiterstadt in Richtung Mainz wird in diesem Abschnitt geplant.

Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim, Abschnitt 2: Darmstadt Nord bis Pfungstadt Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim, Abschnitt 2: Darmstadt Nord bis Pfungstadt. (Karte: DB)

Die Vorplanung soll hier Anfang 2022 abgeschlossen sein, 2022 die Entwurfsplanung beginnen, 2023 sollen die Planfeststellungsunterlagen erstellt werden und schließlich Ende 2024 beim Eisenbahn-Bundesamt eingereicht werden.

Pfungstadt bis Gernsheim (Abschnitt 3): Die Strecke verläuft weiter östlich der Autobahn 67 mit einem längeren Trog bei Eschollbrücken, Eich und Hahn.

Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim, Abschnitt 3: Pfungstadt bis Gernsheim Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim, Abschnitt 3: Pfungstadt bis Gernsheim. (Karte: DB)

Hier gibt es eine Besonderheit in der Planung: Die neuen Gleise werden gemeinsam mit dem sechsspurigen Ausbau der A67 organisiert. Die Planfeststellungsunterlagen sollen im vierten Quartal 2022 beim Eisenbahn-Bundesamt eingereicht werden.

Gernsheim bis Einhausen/Lorsch (Abschnitt 4): Identisch wie Abschnitt 3. Wurde wohl nur deshalb ein eigener Abschnitt, weil hier laut ein Tunnel in der Höhe von Bensheim-Landwaden gefordert wird.

Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim, Abschnitt 4: Gernsheim bis Einhausen/Lorsch Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim, Abschnitt 4: Gernsheim bis Einhausen/Lorsch. (Karte: DB)

Einhausen/Lorsch bis Mannheim-Waldhof (Abschnitt 5/6): Tunnel bei Lorsch zur Unterquerung der A67, kurzes oberirdisches Stück im Wald bei Lorsch, Tunnel bis Mannheim-Blumenau.

Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim, Abschnitt 5/6: Einhausen/Lorsch bis Mannheim-Waldhof Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim, Abschnitt 5/6: Einhausen/Lorsch bis Mannheim-Waldhof. (Karte: DB)

Hier die ist Planung noch am wenigsten fortgeschritten: Vorplanung 2021, Vermessungsarbeiten 2021/22, Bodenuntersuchungen bis 2022 und Beginn der technischen Prüfung 2022.

Fortführung in Mannheim: Dieses Thema gehört organisatorisch in ein völlig anderes Projekt, nämlich die Neubaustrecke Mannheim – Karlsruhe. Auch hier gibt es ein Forum zur Bürgerbeteiligung. Eine Präsentation zeigt, dass eine der angedachten Möglichkeiten ein Tunnel von Mannheim-Waldhof quer durch die Stadt bis zum Rangierbahnhof ist.

Planungen für die Neubaustrecke Mannheim-Karlsruhe bei Mannheim. Planungen für die Neubaustrecke Mannheim-Karlsruhe bei Mannheim. (Karte: DB)

 


7. Mai 2021

ICE-Trasse: Biehal, Geil und Störmer im Projektbeirat

Lampertheim und insbesondere auch unser Stadtteil Neuschloß wird im entstehenden regionalen Projektbeirat gut vertreten sein. Das wurde in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats in der Hans-Pfeiffer-Halle klar. In dem Forum sind voraussichtlich dabei

  • Ortsvorsteherin Carola Biehal, die von Bundesjustizministerin Christine Lambrecht zu ihrer ständigen Vertreterin im Projektbeirat ernannt wurde,
  • Karl Hans Geil als Vertreter der Bürgerinitiative Bila und
  • Lampertheims Bürgermeister Gottfried Störmer.

Insgesamt sind etwa 20 bis 25 Leute vorgesehen. Sie sollen die Interessen der Menschen zwischen Bensheim und Mannheim bündeln. Insbesondere geht es darum, jene Vorschläge zu bewerten, die über das gesetzlich festgelegte Maß hinausgehen. Das können zusätzliche Tunnelabschnitte oder höhere Lärmschutzwände genauso sein wie das Verfahren, in dem die Tunnel gebaut werden. Bei Lampertheim will die Bahn etwa die Gleise 18 Meter tief eingraben – also die Erde ausheben, den Tunnel betonieren und wieder mit Erde auffüllen. Die Bila wünscht sich dagegen einen unterirdisch gebohrten Tunnel.

Die Entscheidung hat durchaus Auswirkungen auf Neuschloß, wie Ulrich Guldner von der Bila in der Mai-Sitzung des Ortsbeirats erklärte. Wahrscheinlich weniger im irgendwann einmal laufenden Betrieb – dann dürfte von den 300 Kilometer pro Stunde schnellen ICE tagsüber und den Güterzügen in den Nächten kaum etwas zu hören und spüren zu sein. Aber während der Bauphase.

Bila-Mann Guldner verdeutlichte mit Angaben aus Bahn-Papieren die Dimensionen des Projekts. Die Sohle des Tunnels wird bei Neuschloß 18 Meter tief vergraben – also voll ins Grundwasser. Das Bauwerk werde 22 Meter breit, die Grube noch etwas breiter.

Nach den vorliegenden Plänen könnte die Trasse östlich des Alten Lorscher Wegs näher als 70 Meter an die Grundstücksgrenzen herankommen. Die Bila hofft, hier noch einen größeren Abstand durchsetzen zu können. Bürgermeister Störmer kündigte an, er wolle sich von der Bahn ähnliche Tunnel zeigen lassen, um selbst zu sehen, was von den Zügen unter der Erde tatsächlich zu spüren oder hören ist.

In dem Projektbeirat zum südlichen Ende der Neubaustrecke werden Bahn, Politik, Initiativen und Verbände über die Pläne diskutieren. Münden soll das in einer Beschlussvorlage für den Deutschen Bundestag, der über die Forderungen und deren Finanzierung entscheidet. Beschlossene Sache ist inzwischen darüber hinaus ein weiteres Gremium, das die Auswirkungen des künftig umorganisierten Zugverkehrs auf die Bestandsstrecken betrachtet. Das Bundesverkehrsministerium habe dem im März zugestimmt, berichtet die Bahn im jüngsten Beteiligungsform.

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Offizielle Übergabe.

Bushaltestelle „Neuschloß Ort“ offiziell freigegeben

Die Bushaltestelle „Neuschloß Ort“ ist grundlegend umgebaut. Alle Busse in beiden Richtungen halten nun an barrierefreien Stationen im Seitenweg der Landesstraße.

Unser Stadtteil hat mehrere Jahre darauf gewartet. Jetzt ist nach rund viermonatiger Bauzeit die neue Bushaltestelle im Ortskern ihrer Bestimmung übergeben. Stadtverordnetenvorsteher Franz Korb, Bürgermeister Gottfried Störmer, Erster Stadtrat Marius Schmidt und der Stellvertretende Ortsvorsteher und Neuschloss.net-Macher Michael Bayer durchschnitten während eines kleinen Festakts offiziell ein Absperrband.

Rund 237.500 Euro haben die Arbeiten gekostet. Mit etwa 186.500 Euro davon konnte die Stadt den größten Teil über Zuschüsse finanzieren.

Ziel des Umbaus war, die Haltestelle für die Linien 644 und 602 so anzuheben, dass der Einstieg ebenerdig möglich ist – wichtig für Eltern mit Kinderwägen oder Menschen mit eingeschränkter Bewegung. Ferner biegen die Busse nun sowohl in Richtung Lampertheim als auch in Richtung Hüttenfeld in den Seitenweg ab, der von der Stadt neuerdings als „Kleine Forsthausstraße“ bezeichnet wird.

Damit könnten die Fahrgäste in der Nähe der Grünanlage auf den Bus warten, und die Schulkinder aus dem alten Ortskern müssen auf dem Nach-Hause-Weg nicht wie bisher die viel befahrene Landesstraße überqueren. Ein Projekt, das Neuschloß an zentraler Stelle schöner und sicherer macht.

Damit das funktioniert, wurde der Seitenweg in den vergangenen Wochen so weit verbreitert, dass Busse gut aneinander vorbeikommen. Erhöhte Randsteine ermöglichen den barrierefreien Zugang in den Bus, und rund um die Station wurde an einigen Stellen der Gehweg abgesenkt und für Blinde der Weg mit Rillen in den Steinen gekennzeichnet. Es gibt zwei neue Wartehäuschen. Die für den Busverkehr nicht mehr nötige Bucht auf der Südseite der L3110 bleibt auf Wunsch der Eigentümerin Hessen Mobil bestehen.

Techniker reparierten eilige die neue Ampel.
Techniker reparierten eilige die neue Ampel.

Fast ein eigenes Projekt ist die Erweiterung der bestehenden Fußgängerampel. Will ein Bus Richtung Lampertheim starten, erkennen Kontaktschleifen die Fahrzeuge. Zudem kann das Buspersonal die Ampel direkt ansteuern – und so für sich den Weg auf Grün schalten.

Ausgerechnet während der Übergabe zeigte die Ampelsteuerung Aussetzer und ging in regelmäßigen Abständen ohne Anlass auf Rot für den Durchgangsverkehr. Der Hersteller rückte eilig an und konnte den Fehler beheben.

Der Stellvertretende Ortsvorsteher Michael Bayer (rechts) wirbt für einen attraktiven Busverkehr.
Der Stellvertretende Ortsvorsteher Michael Bayer (rechts) wirbt für einen attraktiven Busverkehr.

In einer kurzen Ansprache lobte Michael Bayer die neue Anlage und sagte: „Der Ortsbeirat wünscht sich, dass möglichst viele Menschen diese schöne Haltestelle nutzen.“ Dazu brauche es einen attraktiven Fahrplan. Ein erster Schritt hierzu sei die Umstellung der Linie 644 im Dezember 2015 auf den Stundentakt gewesen.

Zuletzt sei eine weitere Sache diskutiert worden. Dem Ortsbeirat gefalle nach wie vor der Vorschlag, zwischen Lampertheim über Neuschloß nach Heppenheim eine weitere Überlandlinie im Stundentakt einzuführen – was dem Abschnitt zwischen Neuschloß und der Kernstadt einen Halbstundentakt bringen könnte. Das wäre eine deutliche Verbesserung.

„Wir hoffen, dass diese attraktive Idee nicht am Streit über Zuständigkeiten scheitert“, sagte Bayer mit Blick auf Auseinandersetzungen zwischen der städtischen Gesellschaft Verkehr Touristik Lampertheim (VTL) und dem Kreis.

Der Stellvertretende Ortsvorsteher warb zudem dafür, die Busse nach Neuschloß besser mit dem Bahnfahrplan zu verknüpfen: „Morgens würde der Bus ganz gut funktionieren – auch wenn es schade ist, dass ausgerechnet zur Hauptzeit um 8 Uhr der Bus vom Takt abweicht und den Regionalexpress nach Mannheim nicht erreicht. Das Hauptproblem ist die Rückfahrt. Die funktioniert nur, wenn der Zug den Mannheimer Bahnhof pünktlich verlässt. Macht er aber selten. Und dann sehen die Neuschlößerinnen und Neuschlößer vom Bus nur noch die Rücklichter.“ Manche aus dem Stadtteil setzten deshalb auf ein Zweitauto für den Weg zum Bahnhof.

Bayer kündigte an. der Ortsbeirat werde sich in den kommenden Monaten diese Verkehrsfragen genau anschauen und nach Lösungen suchen. „Damit diese Bushaltestelle am Ende den Erfolg bekommt, den sie von ihrem Äußeren her auf jeden Fall verdient.“

Blick auf die Bauarbeiten.

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Blick ins Festzelt.

Aktionsgruppe Meute rockt den Schlosshof

In der Kernstadt zerbröselt die Kerwe. In Neuschloß feiert der Stadtteil zwei Tage lang mit der Meute – und das Corona-konform.

Mit „Rock im Schlosshof“ war der Samstag überschrieben – und gleich zwei Bands standen auf der Bühne. Am Nachmittag „Rockfeld“, gefolgt von „Always chilled“ am Abend. Und die Namen beider Gruppen waren dann auch Programm.

„Rockfeld“ auf der Bühne der Meute.
„Rockfeld“ auf der Bühne der Meute.
Das Team der Meute hat viel zu tun im Getränkewagen.
Das Team der Meute hat viel zu tun im Getränkewagen.

An die 300 Frauen und Männer entspannten sich bei Gegrilltem, kühlen Getränken und eben (Rock-)Musik. 36 Grad und noch heißer war es zwar nicht, auch wenn die Musikerinnen und Musiker auf der Bühne das Gegenteil behaupteten. Aber den Beat wollte trotzdem niemand leiser drehen.

Und Corona? Verlangte der Meute als Veranstalterin einiges ab. Der Festbereich im Schlosshof war eingezäunt – und am Einlass checkten Helferinnen und Helfer fortwährend, ob eines der drei G vorlag. 

Einchecken - per Luca oder Papierformular.
Einchecken – per Luca oder Papierformular.

Die sorgfältig erstellte Strichliste zeigte: Die Neuschlößerinnen und Neuschlößer können nicht nur feiern, sie können sich auch impfen lassen. Leute mit Vakzin machten – gemeinsam mit den Genesenen – mehr als 90 Prozent der Gäste aus. Nur wenige Ungeimpfte kamen – und brachten dann ein Test-Zertifikat mit.

Zwischenstand am frühen Samstag Abend: Fast alle Gäste sind geimpft oder genesen. (links). Rechts einige Striche für Getestete.
Zwischenstand am frühen Samstag Abend: Fast alle Gäste sind geimpft oder genesen (links). Rechts einige Striche für Getestete.

Am Sonntagvormittag stand Peter Gutschalk auf der Bühne. Wie schon dann und wann im Meutekeller unterhielt er das Publikum in Lampertheimer Mundart. Etwa hundert Frauen und Männer ließen es sich bei Kaffee und Kuchen gutgehen.

„Wir sind sehr zufrieden mit der Resonanz“, sagte der Vorsitzende der Meute, Rolf Wegerle, zu Neuschloss.net. „Es waren mehr Leute als wir erwartet haben. 

Die Neuschlößer Kerwe-Alternative der Meute war also ein gelungener Versuch. Mal sehen, was in Zukunft daraus wird.

Würstchen vom Grill dürfen bei der Meute nicht fehlen.
Würstchen vom Grill dürfen bei der Meute nicht fehlen.
Viele Gäste auch im Freien - der Bereich war eingezäunt.
Viele Gäste auch im Freien – der Bereich war eingezäunt.
Kurze Pause am Getränkestand.
Kurze Pause am Getränkestand.
Murat Süt vor dem „Back & Snack am Ahornplatz“

„Back & Snack“ am Ahornplatz: „Wir haben schon viele Stammkunden“

Aus dem Kiosk ist ein Laden am Ahornplatz geworden. Murat Süt betreibt den „Back & Snack“-Shop mit seiner Frau seit einigen Wochen – und schafft damit seit langem wieder echte Einkaufsmöglichkeiten in unserem Stadtteil.

Wie‘s läuft? Süt lächelt. „Wir haben schon viele Stammkunden“, sagt er. Und in der Tat: Während des Gesprächs mit Neuschloss.net an einem Samstagvormittag kommen immer wieder Frauen und Männer aus unserem Stadtteil in die Geschäftsräume. Fladenbrot holen sie, belegte Brötchen, Kaffee zum Mitnehmen.

Neu ist die Arbeit im Handel für Süt nicht. Bevor er im Internet sah, dass die Räume am Ahornplatz vermietet werden, wirbelte er auf dem Mannheimer Großmarkt – an einem Stand und im Büro. Und jetzt Neuschloß? „Es ist ein gemütlicher Stadtteil“, sagt er freundlich. „Die Leute haben Zeit.“ Und fügt nach kurzem Überlegen hinzu: „Wir würden sogar herziehen, wenn wir was finden.“

Obst und Gemüse vom Mannheimer Großmarkt

Obst und Gemüse vor dem Snack&Back am Ahornplatz.
Obst und Gemüse vor dem „Snack & Back am Ahornplatz“.

Vom Mannheimer Großmarkt kommt auch das Gemüse vor dem Laden. Süt hat eigenhändig Euro-Paletten zusammengeschraubt und braun lackiert, um Salate, Gurken, Tomaten, Blumenkohl, Auberginen, Zuchini und vieles mehr einladend präsentieren zu können.

In den ersten Tagen ging Süt mit seiner Frau nachts um 1 Uhr zum Großeinkauf nach Mannheim. Um 3 Uhr waren sie zurück in Neuschloß, backten im Ofen vor Ort das Gebäck auf, legten das Obst und Gemüse vor der Tür zurecht. Um 6 Uhr öffnete der Laden für die Kundschaft – der Tag bis 18 Uhr war dann lange.

Inzwischen ist etwas Routine eingekehrt. Süt erledigt den Einkauf in der Nacht alleine, seine Frau stößt am Morgen hinzu und bleibt länger.

Keine Kioskpreise, aber auch nicht günstig

Süßigkeiten dürfen nicht fehlen.
Süßigkeiten dürfen nicht fehlen.

Die Sache mit dem Gemüse ist ein kleines Wagnis. Denn auch wenn der Händler betont: „Wir haben hier keine Kioskpreise“ – erkennbar mehr als im Aldi oder Edeka kostet es schon. Und so blicken manche Neuschlößerinnen und Neuschlößer an jenem Vormittag zwar interessiert zu den Kartoffeln oder Äpfeln, lassen sie aber doch liegen. „Mein Ziel ist, das Sortiment zu halten“, erklärt Süt. Und fügt etwas nachdenklich hinzu: „Aber es wäre schon gut, wenn etwas mehr Obst und Gemüse gekauft würde.“

Das passt zum selbstgesetzten Motto, das lautet: „Hier kriegt man ja alles.“ Acht Sorten Kaffee zum Mitnehmen schafft die Maschine; neben Lebensmitteln und Backwaren gibt es Erfrischungsgetränke und Alkohol, Zeitungen und Zeitschriften, Tabakwaren – und natürlich jede Menge Süßigkeiten. Auch Gutscheine fürs Handy oder den Onlinehandel liegen bereit.

DHL-Paketshop in Neuschloß

Der „Snack & Back“ ist auch eine DHL-Paketstation.
Der „Snack & Back“ ist auch ein DHL-Paketshop.

Neuerdings wehen vor der Tür im Ulmenweg 6 auch Fahnen des Paketdienstleisters DHL – falls der Einkauf mit dem Gutschein beim Onlinehandel daneben ging, kann nun am Ahornplatz die Retoure starten. Im Gesprächen ist Süt schließlich mit Lotto Hessen darüber, dass er künftig auch Tippscheine entgegen nehmen kann.

Im Mai hatte Vormieterin Beate Unterkircher im Gespräch mit Neuschloss.net angekündigt, dass sie ihren Kiosk nach vier Jahren aufgeben wolle. „Lange Zeit kamen vor allem Ältere regelmäßig in den Laden – nicht nur um Brötchen zu holen, sondern auch um ein wenig zu plaudern“, erzählte sie. Doch seit Corona trauten sich die meisten Rentnerinnen und Rentner nicht mehr aus dem Haus. Brötchen würden nun aus dem Supermarkt mitgebracht und zuhause aufgebacken. Und auch junges Publikum fehle, seit die Schulen geschlossen wurden.

Umso mutiger ist es von Murat Süt und seiner Frau, in diesen Zeiten den „Back & Snack am Ahornplatz“ zu öffnen. Wir sollten dafür sorgen, dass sich das Projekt auch für das Betreiber-Paar lohnt. Auch wenn das ein oder andere anderswo günstiger zu haben ist.

Beate Unterkircher in ihrem Ladenkiosk.

Ladenkiosk am Ahornplatz vor der Schließung

Die Zukunft des Kiosks am Ahornplatz ist ungewiss. Beate Unterkircher berichtete Neuschloss.net, sie gebe nach vier Jahren auf. Sie suche derzeit eine andere Arbeit. Neben der Tür klebt bereits ein Aushang, mit dem die Eigentümer des Ladens nach neuen Mieterinnen und Mietern suchen.

„Der Kiosk macht mir viel Spaß. Lange Zeit kamen vor allem Ältere regelmäßig in den Laden – nicht nur um Brötchen zu holen, sondern auch um ein wenig zu plaudern“, erzählt Unterkircher. Doch seit Corona trauten sich die meisten Rentnerinnen und Rentner nicht mehr aus dem Haus. Brötchen würden nun aus dem Supermarkt mitgebracht und zuhause aufgebacken.

Nachfolge gesucht - Aushang am Ladenkiosk.
Nachfolge gesucht – Aushang am Ladenkiosk.

Und auch junges Publikum fehle, seit die Schulen geschlossen wurden. „Hier an der Bushaltestelle kamen nicht nur die Kinder und Jugendliche in den Laden. Auch Mütter nahmen regelmäßig was mit nach Hause.“ Selbst in den wenigen Wochen, in denen Präsensunterricht lief, seien nur noch wenige Leute gekommen: „Viele Kinder fahren aus Angst vor Corona nicht mehr mit dem Bus, sondern werden von ihren Eltern zur Schule gebracht“, beobachtete Unterkircher.

Schon vorher musste das Ladenkiosk Rückschläge verkraften: Der Paketdienstleister DHL beendete die Kooperation. In den Zeiten vor Unterkircher konnten die Menschen aus unserem Stadtteil auch ihre Lottozettel am Ahornplatz abgeben.

Zuletzt blieben im Wesentlichen Brot und Brötchen der Lampertheimer Bäckerei Hug, Zeitungen und Zeitschriften sowie Süßigkeiten im Sortiment – zu wenig, um davon leben zu können. „Heute habe ich bisher 20 Euro Umsatz, nicht Einnahmen“, sagt Beate Unterkircher und blickt auf die Uhr. Sie zeigt halb neun. Da steht die Neuschlößerin schon zweieinhalb Stunden im Laden.

Wie geht es weiter mit dem Kiosk am Ahornplatz?
Wie geht es weiter mit dem Kiosk am Ahornplatz?

Rückblick: Nahversorgung früher

Der Ladenkiosk am Ahornplatz ist die letzte verbliebene Möglichkeit, in Neuschloß Dinge des täglichen Bedarfs zu kaufen. Das war in früheren Zeiten noch anders, wie ein Blick in die Stadtteil-Geschichte zeigt. In den Fünfzigerjahren fuhren zeitweise zwei Lampertheimer Bäcker bis zu zweimal täglich durch Neuschloß und boten ihre Waren an. Donnerstags kam der Fischmann. Im Erlenweg gab es einen Laden im Nebenraum der Gaststätte „Zur Kurpfalz“ und ein Spar-Geschäft, aus dem später eine Filiale der Bäckerei Herweck wurde.

Gefeiert wurde in der Gaststätte „Zur Kurpfalz“ oder in der Kneipe der Hammerschmidts im Lindenweg. Es gab eine mobile Zweigstelle der Sparkasse, eine Postfiliale und eine Zweigstelle der Volksbank im Lindenweg, die gar einmal überfallen wurde – und später an den Ahornplatz umzog. Die Sparkasse baute an der Ecke Ulmenweg/Ahornweg.

Von all dem ist wenig geblieben. Vor allem seit die Lebensmittel-Discounter in Lampertheim an die Otto-Hahn-Straße gezogen sind, sind sie aus Neuschloß einfacher zu erreichen als für manche aus der Kernstadt. Und so wurde in Neuschloß, wo es meist auch etwas teurer war, nur das gekauft, was bei der Tour zu Aldi oder Rewe (damals Minimal) vergessen ging. Am Ende war das zu wenig, als dass es für die Betreiberinnen und Betreiber rentabel bleiben konnte.

Weitere aktuelle Informationen aus Neuschloß

Bila verrät Pläne der Bahn: Die ICE-Trasse rückt bis auf wenige Meter an die Bebauung heran
Ortsbeirat wählt Carola Biehal zur Ortsvorsteherin – Bürgermeister Störmer lobt Bürgerkammer
Bushaltestelle Neuschloß Ort: Totalumbau an der L3110 startet in wenigen Tagen

Einbahnstraße für sicheren Busverkehr.

Ahornweg bleibt dauerhaft Einbahnstraße

Die Einbahnstraßenregelung im Ahornweg wird endgültig. Das Ordnungsamt hatte die entsprechenden Schilder im Frühjahr 2019 provisorisch aufgestellt – und folgte damit einem Vorschlag von Anwohnerinnen und Anwohnern während eines Ortstermins.

Zuvor hatte es vereinzelte, aber laute Kritik aus dem Ahornweg am Busbetrieb gegeben. Bei Gegenverkehr wichen die großen Fahrzeuge in den Kurven auf den Gehweg aus, hieß es. Seit der Umstellung fließt der Verkehr nur in eine Richtung. Auch die Parksituation wurde mit Schildern und Markierungen geregelt.

„Da dieses Provisorium schon über einen längeren Zeitraum besteht, ist jetzt eine definitive Entscheidung der Verkehrsbehörde erforderlich“, berichtete nun Bürgermeister Gottfried Störmer im Ortsbeirat. Für das Busunternehmen habe sich die aktuelle Verkehrsführung bewährt. Der Fahrgastbeirat unterstütze uneingeschränkt die Verkehrsführung zur Haltestelle im Ulmenweg.

Mit Blick auf diese positive Bilanz sollen die provisorischen Schilder nun mit dauerhaften ersetzt werden.

Verkehrsregelung im Ahornweg - im abendlichen Sonnenlicht. Verkehrsregelung im Ahornweg – im abendlichen Sonnenlicht.

Radweg-Markierung an der Ulmenweg-Einmündung

Wer mit dem Fahrrad von Neuschloß nach Lampertheim unterwegs ist, findet an den großen Kreuzungen und Kreiseln immer andere Verkehrsführungen vor. Einen Schritt in Richtung Einheitlichkeit geht der Plan, den die Stadt für den Radweg an der Einmündung des Ulmenwegs in die Landesstraße 3110 im Ortsbeirat vorgestellt hat.

Die Spur für die Radelnden wird demnach parallel zum Zebrastreifen angebracht. Am Volksbank-Kreisel in der Kernstadt gilt bereits das gleiche Verfahren.

Geplante Markierung. (Bild: Stadt Lampertheim) Geplante Markierung. (Bild: Stadt Lampertheim)
Ortsbeirat Neuschloß.

Ortsbeirat wählt Carola Biehal zur Ortsvorsteherin

Carola Biehal (im Bild rechts) vertritt auch in den kommenden fünf Jahren unseren Stadtteil in der Kommunalpolitik. Der Ortsbeirat hat die 65-Jährige einstimmig zur Ortsvorsteherin gewählt. Biehal steht bereits seit zehn Jahren an der Spitze des Ortsbeirats beziehungsweise der Bürgerkammer.

Zudem gilt sie als eine der treibenden Kräfte unserer bundesweit Aufsehen erregenden Altlastensanierung, für die sie sich seit 1988 engagiert – unter anderem im Altlastenverein und Projektbeirat Altlasten Neuschloß (PAN). Seit 2011 ist Biehal auch Stadtverordnete in der SPD-Fraktion.

Stellvertretender Ortsvorsteher ist Michael Bayer (Zweiter von rechts). Der 53-jährige Journalist ist in Neuschloß aufgewachsen. Er ist ebenfalls im Projektbeirat Altlasten aktiv und betreibt ehrenamtlich die Plattform Neuschloss.net in Web und Facebook. Zum Stadtteil-Jubiläum hatte Bayer die Geschichte unseres Stadtteils in einer Festschrift aufbereitet.

Bei der Kommunalwahl hatte Liste der Bürgerkammer 96,3 Prozent der Stimmen erhalten. Damit fielen sämtliche neun Sitze den aktiven Neuschlößerinnen und Neuschlößer zu, die den Stadtteil in der Ortsbeirats-losen Zeit vertreten hatten.

Bürgermeister Gottfried Störmer, der vor fünf Jahren der Bürgerkammer zunächst skeptisch gegenüber gestanden war, lobte die ehrenamtliche Runde. Sie habe Kräfte freigesetzt, die vorher ungenutzt schlummerten und Menschen zur Mitarbeit aktiviert. „Insoweit ist die Bürgerkammer im Nachgang eine erfolgreiche Organisation“, räumte Störmer ein. Allerdings ohne rechtlichen Hintergrund und ohne Anspruch auf Gehör – auch wenn die Verwaltungsspitze faktisch mit der Kammer zusammengearbeitet habe.

Wahlflyer der Bürgerkammer.

Ortsbeirat, Stadtverordnete, Kreistag, Landrat: So wählte Neuschloß

Neuschloß geht bei der Kommunalwahl eigene Wege – sowohl was die direkte Vertretung des Stadtteils im Ortsbeirat betrifft, als auch beim Stimmverhalten für die Stadtverordnetenversammlung. Neuschloss.net präsentiert die Ergebnisse in interaktiven Tabellen und Grafiken.

Bürgerkammer holt Ortsbeirat komplett

Die Bürgerkammer, entstanden aus einer Notlage heraus vor fünf Jahren, hat sich offenbar in Neuschloß voll etabliert. Die Liste der Aktiven, die unseren Stadtteil seit 2016 ehrenamtlich vertreten, vereinte alle neun Sitze des Ortsbeirats auf sich. Als einzige Partei war die FDP neben der Bürgerkammer angetreten. Und obwohl die Liberalen in Neuschloß traditionell und bei den weiteren Wahlen auch aktuell stark sind, reichte es nicht für den Ortsbeirat.

Mit 54,26 Prozent kommt Neuschloß auf die höchste Wahlbeteiligung von allen Lampertheimer Ortsbeiräten. Die Neuschlößerinnen und Neuschlößer scheinen ihre Vertretung zu schätzen.

Die Bürgerkammer reagierte angetan. „Wir sind wahnsinnig beeindruckt“, heißt es in einer kurzen Stellungnahme auf ihrer Webseite und auf Facebook. Und: „Wir verstehen eure Stimmen als Anerkennung unserer Arbeit.“

 

So verteilen sich die Stimmen auf die Kandidatinnen und Kandidaten:

NameStimmen
Carola Biehal892
Brigitte Weidenauer559
Michael Bayer507
Rolf Wegerle475
Helmut Kemnitzer405
Heinz Rupprecht361
Gisela Bürkel357
Heidrun Kemnitzer319
Sonja Hilbert283

 

Stadtverordnetenversammlung: Neuschloß steht auf die SPD

Die Neuschlößer Ergebnisse der Wahlen für Stadtverordnetenversammlung und Kreistag lassen sich nur näherungsweise auswerten. Grund sind die vielen Briefwahlstimmen. Ihr Umfang lässt sich abschätzen in der Differenz der Wahlbeteiligung für den Ortsbeirat (54,26 Prozent) und der Beteiligung an der Wahl der Stadtverordneten im Wahllokal am Ahornplatz (16,55 Prozent). Folglich dürften etwa 38 Prozent der Wahlberechtigten zu Hause ihre Kreuzchen gesetzt haben.

Das Problem ist nun: Die Neuschlößer Briefwahlstimmen sind mit jenen von zwei anderen Lampertheimer Wahlkreisen vermischt im Bezirk 90022 (Briefwahl II Hans-Pfeiffer-Halle). In der folgenden Auswertung können wir also nur von den Stimmen ausgehen, die am Wahltag im Bürgersaal abgegeben wurde, was natürlich Ungenauigkeiten bringt.

Die ganz großen Tendenzen dürften aber dennoch gelten. Und das heißt vor allem: Neuschloß bleibt eine Hochburg der SPD. In keinem Ortsbezirk schneidet sie bei der Wahl der Stadtverordneten besser ab als in Neuschloß – mit 44,59 Prozent. Umgekehrt gilt: Die schwache CDU hat nirgendwo weniger Fans als bei uns – mit nur 25,02 Prozent. Zwischen Erst- und Zweitplatzierten liegen Welten.

Die interaktiven Tabellen lassen sich mit Klicks in den Kopf der Spalten sortieren.

 SPD CDU GrüneFDP
Durchschnitt35,0033,7016,9514,36
Hofheim23,3651,6512,2211,85
Hüttenfeld34,7137,1116,3312,78
Neuschloß 44,5925,0212,3718,02
Rosengarten 36,2528,7316,1118,91

Auch verglichen mit den zurückliegenden Wahlen stehen die Sozialdemokraten gut da. Die Stimmen aus Neuschloß für die Stadtverordneten sind das zweitbestes Ergebnis seit der Jahrtausendwende, wie eine exklusive Aufstellung von Neuschloss.net zeigt. Der SPD könnte von der Arbeit von Carola Biehal profitieren, Ortsvorsteherin von 2011 bis 2016 und Bürgerkammer-Vorsitzende seit 2016, zudem SPD-Stadtverordnete.

 20012006201120162021
SPD39,838,340,1045,9044,59
CDU20,429,420,1023,5025,02
Grüne9,19,321,8010,612,37
FDP18,423,018,0020,0018,02
FW12,3

Die Grünen, die bei den jüngsten Wahlen in vielen Kommunen zugewinnen, bleiben in Neuschloß nur viertstärkste Kraft nach der FDP. Auch das ist im Stadtteil nicht ungewöhnlich – nur vor zehn Jahren war das bei der Ausnahmewahl anders, die geprägt war von den Folgen des Erdbebens, Tsunamis und dem anschließenden Reaktorunglück in Japan.

 

Die Kreistagswahlen mit der AfD in Neuschloß

Die Wahl zum Kreistag hat einen entscheidenden Unterschied, verglichen mit dem Wettbewerb um die Sitze der Stadtverordneten: Hier tritt auch die AFD an. Seit dem Jahr 2016 ist das so, und zeitgleich mit dem Auftreten der rechtsextremen Partei verlor die SPD bei der Kreiswahl in Neuschloß an Zustimmung. Diesmal konnte die SPD im Stadtteil hier wieder deutlich aufholen. Die AfD verliert in Neuschloß vier Prozent und kommt auf etwa 15 Prozent.

 2006201120162021
SPD36,332,821,029,12
CDU31,722,923,127,68
Grüne8,221,07,814,4
FDP17.015,012,111,62
AfD19,014,93
Linke4,30,50,74
FWG2,21,82,91,49

Hier allerdings könnte sich der oben beschriebene Briefwahl-Effekt auswirken. Das zeigt ein Vergleich der Ortsbezirke. Sämtliche Stadtteile liegen sämtlich deutlich über dem Durchschnittswert der AfD von 9,45 Prozent.

 SPD CDU GrüneFDP AfD
Durchschnitt37,3233,5015,408,169,45
Hofheim19,6643,3410,024,6416,36
Hüttenfeld25,8433,5014,315,5412,90
Neuschloß 29,1227,6814,4011,6214,93
Rosengarten 25,2529,3411,957,7117,39

Die Werte in der Kernstadt können wohl kaum so tief sein, um das auszugleichen. Es könnte sein, dass AfD-Fans seltener als Anhängerinnen und Anhänger anderer Parteien zu Hause wählen. In der Folge könnten die 15 Prozent aus dem Wahllokal eine verzerrte Wahrnehmung sein.

Die Vermischung mehrerer Ortsbezirke in den Briefwahlen erweist sich als äußerst problematisch, weil es genaue Auswertungen verunmöglicht. Das sollte für die kommenden Wahlen im Blick behalten werden.

Direktwahl des Landrats

Bei der Wahl des Landrats übrigens hört die Verbundenheit von Neuschloß mit der SPD auf. Ihr Kandidat Karsten Krug kommt nur auf 35,98 Prozent. Das ist zwar immer noch mehr als überall sonst in Lampertheim. Aber Amtsinhalber Christian Engelhardt von der CDU kommt auch in unserem Stadtteil auf eine absolute Mehrheit von 53,66 Prozent. Die Kandidatin der Grünen, Evelyn Berg, erreicht in Neuschloß 10,37 Prozent.

Transparenzhinweis: Der Autor ist Mitglied der Bürgerkammer-Liste.

Buslinie 602 streichen? Das könnte eine gute Idee sein!

Einen gewissen Überraschungseffekt hat die Nachricht schon: Die Buslinie 602 solle abgeschafft werden! Kein Wunder: In den weißen Fahrzeugen sitzen vor allem Jugendliche aus den Lampertheimer Stadtteilen Neuschloß und Hüttenfeld, die am Schulzentrum West unter anderem im Lessing-Gymnasium oder an der Alfred-Delp-Schule lernen. Und auch das Litauische Gymnasium im Hüttenfeld wird mit der 602 angebunden.

Muss unser Nachwuchs also künftig laufen? Wohl kaum. Denn in der ersten Aufregung ging die eigentliche Idee unter, die offenbar im Zusammenhang mit der anstehenden neuerlichen Konzessionsvergabe der Kreislinien entstanden ist. Nach einem Bericht des Südhessen Morgen geht es darum, die bisherigen Fahrten der Linie 602 zusammenzulegen mit jenen der Linie 644, damit dort einen Halbstundentakt zu schaffen und auch Heppenheim anzusteuern.

Schauen wir uns den Busverkehr zwischen Lampertheim, Neuschloß und Hüttenfeld im Detail an.

Bisher fahren die blauen Busse der Linie 644 vom Bahnhof in der Kernstadt aus stündlich, halten in Neuschloß Ort, in Hüttenfeld und rollen dann weiter nach Viernheim. Die Busse halten in beide Richtungen etwa zur vollen Stunde am Bahnhof in Lampertheim an und sind damit gut verknüpft mit den Zügen der RE70 in Richtung Mannheim und Frankfurt (falls alles pünktlich läuft).

Die weißen Busse der Linie 602 sind unterwegs zwischen Schulzentrum West, Bahnhof, Fachmarktzentrum in der Otto-Hahn-Straße, Neuschloß Ulmenweg, Neuschloß Ort und Hüttenfeld. An Schultagen gibt es 13 Fahren pro Richtung, nach 18 Uhr rollen nur noch Ruftaxen. Allenfalls in der Mittagszeit gibt es regelmäßige Fahrten.

Die Idee: ein attraktiver Halb-Stunden-Takt für Neuschloß

Die neue Idee ist nun: Die Busse der Linie 644 fahren künftig jede halbe Stunde zwischen Lampertheim und Neuschloß. Einer der Busse fährt wie bisher weiter durch Hüttenfeld und nach Viernheim. Der andere biegt bei Hüttenfeld ab und macht sich auf nach Heppenheim zum Kreiskrankenhaus und weiter zum Bahnhof dort.

Damit bekäme Neuschloß also einen Halbstundentakt in die Kernstadt, einen Stundentakt nach Viernheim und – um 30 Minuten versetzt – einen Stundentakt nach Heppenheim. So entstünde auch eine Ausweichroute für jene, die nach Frankfurt pendeln. Bisher fahren nur zwei Busse der 602 zum Kreiskrankenhaus, bei vorheriger Anmeldung. Das vorgeschlagene Konzept wäre also eine deutliche Verbesserung.

Aber: gut nur unter bestimmten Bedingungen

Allerdings nur unter der Bedingung, dass jene drei für Neuschloß wichtigen Haltestellen weiter bedient werden, die die 602 anfährt: der Ulmenweg in Neuschloß, die Otto-Hahn-Straße und das Schulzentrum West in Lampertheim. Denn nur so kommen Leute aus unserem Stadtteil ohne Auto gut zum Einkaufen ins Industriegebiet, und nur so erreichen unsere Kinder und Jugendliche das Schulzentrum am Biedensand.

Das muss nicht für jeden Bus einer erweiterten 644 gelten. Wenn nur jede zweite Verbindung diese Extrarunden fährt, wäre das keine Verschlechterung vergleichen mit der jetzigen Lage.

Die morgendlichen Extra-Busse der 602 für den Schulverkehr könnten schlicht erhalten bleiben – unter welcher Liniennummer auch immer. Zur Not als 606, analog zur 605 in Richtung Pestalozzischule.

Der Vorschlag: Alles im allem

Unterm Strich wäre vor allem der attraktive 30-Minuten-Takt in die Kernstadt eine deutliche Attraktivistätssteigerung des Nahverkehrs. Deshalb könnte die sicher gut gemeinte, schnelle Stellungnahme aus dem Fahrgastbeirat, er kämpfe unbedingt für die Erhaltung der 602, etwas zu kurz greifen. Die Chance für eine Neugestaltung sollte nicht verspielt werden.

Zu prüfen wäre noch, wie dafür Sorge getragen werden kann, dass der Schulverkehr nach Hüttenfeld weiter gut funktioniert.

Die Bürgerkammer tritt zur Ortsbeirats-Wahl an.

Bürgerkammer kandidiert für den Ortsbeirat

Die Aktiven der Bürgerkammer wollen sich auch nach der Kommunalwahl im März für Neuschloß engagieren. Das bewährte Team wird deshalb mit einer parteiunabhängigen Liste an der Wahl des Ortsbeirats teilnehmen. An deren Spitze steht die Vorsitzende der Kammer, Carola Biehal.

Zehn Frauen und Männer finden sich auf dem Wahlvorschlag der Bürgerkammer. „Damit kann es auf jeden Fall wieder einen Ortsbeirat geben“, sagte Biehal im Nomierungstreffen im Foyer der Hans-Pfeiffer-Halle. Vor fünf Jahren waren die Listen aller Parteien auf weniger als die nötigen neun Kandidatinnen und Kandidaten gekommen; die Wahl musste überraschend ausfallen.

Daraufhin gründeten etwa 20 Neuschlößerinnen und Neuschlößer, unterstützt vom Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte, die Bürgerkammer – und gaben mit ihr dem Stadtteil eine Stimme. „Es zeigte sich, dass sich in dieser Runde auch solche Frauen und Männer gerne engagieren, die das aus beruflichen oder privaten Gründen nicht in politischen Parteien können oder wollen“, blickte Pressesprecher Michael Bayer zurück.

Die so entstandene personelle Stärke habe beispielsweise ermöglicht, das große Stadtteil-Jubiläum mit einem zweitägigen Bühnenprogramm, Kunstausstellung im Beamtenbau, der Festschrift und einem Frühlingsfest zu organisieren. Diese Kraft wolle man bewahren. Zugleich biete der formale Rahmen des Ortsbeirats gesicherte Rechte, etwa was Auskünfte der Stadtverwaltung betrifft.

Biehal betonte, die Mitglieder der Bürgerkammer seien im Stadtteil und seinen Institutionen gut vernetzt. „So können wir auch künftig gut die Anliegen der Neuschlößerinnen und Neuschlößer aufgreifen.“ Die Kammer wolle den Gemeinschaftssinn vor Ort fördern. „Die Premiere unseres Frühlingsfests rund um die Grillhütte im Wald wurde von Hunderten besucht. Das würden wir gerne fortführen.“

Zentral sei für Neuschloß, die verbliebenen Altlasten zu sanieren. Neben dem Grundwasser sind auch noch Flächen im Wald belastet, die teils bis in Grundstücke am Rand der Bebauung ragen. „Hier können wir den betroffenen Anwohnerinnen und Anwohnern mit unseren Erfahrungen aus der Sanierung im Ortskern helfen“, sagte Biehal, die auch Sprecherin des Projektbeirats Altlasten ist.

Helmut Kemnitzer, dem Stellvertretenden Vorsitzenden der Bürgerkammer, liegt der Busverkehr besonders am Herzen. „Hier gab es in den vergangenen Jahren deutliche Verbesserungen – etwa, dass die Linie 602 auch das Fachmarktzentrum anfährt.“ Das für Jung und Alt wichtige Thema Öffentlicher Personennahverkehr wolle man weiter intensiv begleiten.

Auf der Liste der Bürgerkammer stehen in dieser Reihenfolge: Carola Biehal (Ahornweg), Helmut Kemnitzer (Akazienweg), Gitte Weidenauer (Buchenweg), Michael Bayer (Ulmenweg), Heidrun Kemnitzer (Akazienweg), Heinz Rupprecht (Ahornweg), Sonja Hilbert (Eichenweg), Rolf Wegerle (Lindenweg), Gisela Bürkel (Ahornweg) und Günter Kirchenschläger (Buchenweg).

Transparenzhinweis: Der Autor ist Mitglied der Bürgerkammer und kandidiert auf deren Liste für den Ortsbeirat.

Stadt findet Mittel gegen den Kanalgeruch

Seit vielen Jahren stinkt immer wieder der Abwasserkanal in Neuschloß. Das städtische Bauamt sucht mit Hilfe von externen Ingenieuren nach Lösungen.

  • Seit Mai riecht der Kanal in Neuschloß kaum mehr.
  • Die Stadtverwaltung ist sich jetzt sicher: Der Gestank entsteht in der Druckleitung aus Hüttenfeld.
  • Zugegebenes Eisen(II)-chlorid soll den Schwefelwasserstoff neutralisieren.

Update vom 28. August 2020

Kanalgeruch in Neuschloß: Das richtige Gegenmittel

Gute Nachricht für Neuschloß: Das städtische Bauamt scheint den üblen Kanalgeruchin den Griff zu bekommen. Fachbereichsleiterin Anne Wicke sagte in der Bürgerkammer: „Wir sind dem Ganzen auf der Spur“. Das deckt sich mit den Erfahrungen der Neuschlößerinnen und Neuschlößer, die kaum mehr Beschwerden über den Geruchsmelder von Neuschloss.net an die Stadtverwaltung einreichen. Damit scheint eine jahrzehntelange Leidensgeschichte zu Ende zu gehen.

Klar ist jetzt: Ursache des Geruchs ist eine Druckleitung, die das Abwasser von Hüttenfeld nach Neuschloß presst. „In der vollständig gefüllten Druckleitung entsteht Sulfid“, erläuterte Wicke. In Neuschloß fließt die Brühe dann in Höhe des Forsthauses am Ortseingang ins normale Kanalnetz. „Weil hier Sauerstoff verfügbar ist, wird aus dem Sulfid nun Schwefelwasserstoff.“ Und der stinkt.

Schon vor einem Jahr hatte die Stadtverwaltung in diese Richtung gedacht. Bereits im Mai 2019 sprach Erster Stadtrat Jens Klingler von Schwefelwasserstoff. Und auch die Grundidee kam schon auf: einen Stoff hinzugeben, der den Geruch neutralisiert. Man versuchte es mit Eisen(III)-nitrat. Doch das brachte nicht den gewünschten Erfolg, wie zahlreiche Meldungen aus Neuschloß zeigten.

Die Stadt wechselte das Beratungsunternehmen – und setzt seit 2020 auf Eisen(II)-chlorid. „Das ist ein bisschen wie ein Try-and-Error-Verfahren“, räumte Wicke ein. Ein Verfahren mit glücklichem Ausgang: Das nun verwendete Mittel scheint seit Anfang Mai zu funktionieren. Das zeigen auch im Kanal erfasste Daten.

Aktuell wird der Stoff in Hüttenfeld am Startpunkt der Druckleitung zugegeben. Der angelegte Vorrat reicht bis zum Jahresende. Die Technik steht in einem angemieteten Container. Die Stadtverwaltung wird nun ein Konzept für einen Dauerbetrieb erarbeiten und es als Beschlussvorlage an die Politik geben. Konkrete Rückmeldungen dazu soll es in der öffentlichen Sitzung der Bürgerkammer im November geben.

Das Thema beschäftigt den Stadtteil seit Jahrzehnten. Lange blieb die Ursache des Geruchs offen. Die Stadt baute in Gullys und die Deckel von Kanalschächten Filter mit biologischer Wirkung ein.

Biofilter gegen Kanalgeruch im Ulmenweg.
Biofilter gegen Kanalgeruch im Ulmenweg.

Zuletzt ließ sie auch zwei Klappen für Schwallspülungen installieren. Die Idee dabei: Wassersperren, die hydraulisch gesenkt und gehoben werden. Sind sie unten, staut sich das Abwasser auf. Sobald die Klappen nach oben gezogen werden, fließt das Abwasser kraftvoll weiter – und nimmt, so der Plan, alle eventuelle Ablagerungen in der folgenden Kanalstrecke mit.

Zwei solcher Klappen sind im Neuschlößer Kanal installiert – eine in der Mitte des Lindenwegs, eine weitere an der Ecke Buchen-/Ulmenweg. Zuletzt waren sie abgeschalten, weil die „hochaggressive Luft“ (Wicke) die Elektronik der Steuerung angegriffen hatte.

Schwallspülung - die Klappe wird hydraulisch gehoben.
Schwallspülung – die Klappe wird hydraulisch gehoben.

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Information und Austausch in der Bürgerkammer. Information und Austausch in der Bürgerkammer.

Bürgerkammer erwägt Liste für den Ortsbeirat

Die Aktiven der Bürgerkammer erwägen, sich auch dann weiter für Neuschloß zu engagieren, wenn es wieder einen Ortsbeirat gibt. Das ist das Ergebnis einer ersten internen Abstimmung. Konkret bedeutet die Idee, dass die Bürgerkammer eine eigene Liste für die im kommenden Jahr anstehenden Wahlen des Ortsbeirats aufstellen könnte.

Alle derzeitigen Mitglieder der Kammer sprachen sich für eine solche Konstellation aus – und bekundeten ihre grundsätzliche Bereitschaft, sich für eine Ortsbeiratsliste aufstellen zu lassen.

Bis vor vier Jahren waren im Ortsbeirat ausschließlich politische Parteien vertreten – konkret führend die SPD, die FDP und die CDU. Allerdings waren auf den Listen von Frei- und Sozialdemokraten zuletzt zunehmend auch parteilose Neuschlößer vertreten. Im Frühjahr 2016 kam dann wegen Formfehlern von Parteien kein Ortsbeirat zustande. Seither engagieren sich bis zu 20 Frauen und Männer ehrenamtlich und ohne Parteibindung in der Bürgerkammer für die Belange des Stadtteils.

Die Neuschlößer entwickelten die Bürgerkammer – gemeinsam mit Vertretern Rosengartens, wo die Lage ähnlich war – mit dem Politikwissenschaftler Karl Rudolf-Korte. Motto: Besser eine selbstgestrickte Vertretung des Stadtteils als keine. Die Kammer als Einrichtung wurde nach anfänglichen Bedenken im kommunalpolitischen Betrieb akzeptiert. Es zeigte sich, dass viele sich in der Kammer engagierten, die aus verschiedenen Gründen nicht auf einer Parteienliste stehen wollen. Ihre Handlungsfähigkeit bewies die Kammer schließlich insbesondere mit der Organisation der Feier zum Stadtteil-Jubiläum samt Veröffentlichung einer Festschrift.

Dass die Aktiven von 2021 an wieder auf einen Ortsbeirat setzen, erscheint vor allem deshalb sinnvoll, weil ein solches Gremium weniger auf das Wohlwollen der Verwaltung und Stadtspitze angewiesen ist. Denn die Hessische Gemeindeordnung regelt die Mitsprache der Beiräte. Unterm Strich wird sich am Einfluss von Neuschloß wenig ändern: Formal können auch Ortsbeiräte nur Empfehlungen geben. Entscheidend bleibt, wie engagiert und durchdacht die Aktiven arbeiten.

Interessant wird die Frage, wie sich die Parteien verhalten. In der Bürgerkammer können natürlich Neuschlößer mit Parteibuch als Privatpersonen mitarbeiten. Bei FPD und SPD ist das der Fall; an der Spitze der Bürgerkammer steht die SPD-Stadtverordnete Carola Biehal.

Der Südhessen Morgen fasst die Lage so zusammen: „Vor diesem Hintergrund werden die Parteien zu entscheiden haben, ob sie ebenfalls mit eigenen Listen ins Rennen gehen werden – oder ob die unterschiedlichen politischen Orientierungen in Neuschloß künftig in einer einzigen, bürgerschaftlich geprägten Gruppierung aufgehen.“ Die Zeitung hat dazu auch eine Meinung: Eine Bürgerkammerliste „würde den Schwung der bürgerschaftlichen Arbeit in den Stadtteilen aufnehmen und frischen Wind in die Ortsbeiräte wehen.“ Hilfreich sei, „wenn sich auf einer solchen Bürgerliste auch der eine oder andere Fraktionsangehörige fände“.

In einem ersten Schritt bereitet die Bürgerkammer derzeit ihre dritte Sitzungsperiode vor, die im April beginnt – und ruft wieder Neuschlößer zur Mitarbeit auf. Wer in der Runde dabei sein möchte, muss den ersten Wohnsitz in Neuschloß haben und älter als 16 Jahre sein.

Weitere Informationen zur Bürgerkammer unter www.buergerkammer-neuschloss.de.

Transparenzhinweis: Der Autor ist Mitglied der Bürgerkammer.

Die Verkehrsinsel wird versetzt und verbreitert.

L3110: Verkehrsinsel am Ulmenweg wird umgebaut

Hessen Mobil hat im Sommer 2020 die Landesstraße L3110 zwischen Neuschloß und der Lampertheimer Kernstadt saniert. Ein Projekt mit vielen Nebenwirkungen. Manche dauern bis heute an. Das Protokoll der Ereignisse.

  • Verkehrsinsel entpuppt sich als Unfallschwerpunkt – jetzt wird sie umgebaut.
  • Die Bürgerkammer kritisiert die Stadt und Hessen Mobil wegen schlechter Kommunikation.
  • Empörung über illegale Autofahren – viele Reaktionen auf unser Video.

Update vom 12. Oktober

L3110: Verkehrsinsel an der Ulmenweg-Einmündung wird umgebaut

Bauarbeiten an der Verkehrsinsel.
Bauarbeiten an der Verkehrsinsel.

Die Verkehrsinsel auf der Landesstraße 3110 an der Einmündung zum Ulmenweg wird umgebaut. Das gibt die Bürgerkammer auf ihrer Website bekannt. Grund seinen mehrere Verkehrsunfälle unmittelbar nach der Freigabe der sanierten Strecke. Die Arbeiten haben am Donnerstag begonnen – und werden flankiert von einer Verkehrsregelung mit einer Baustellenampel.

„Die bestehende Insel wird entfernt. Die neue wird zwei Meter breit sein, so dass Fußgänger und Radfahrer sicherer auf der Straßenmitte warten können. Und sie wird etwas weiter zum Ortskern hin aufgebaut“, berichtet die Bürgerkammer. Deren Vorsitzende, Carola Biehal, hatte sich dafür auch in kommunalen Gremien eingesetzt. „Obwohl ich auf meine Anfragen zunächst nur ein Lächeln zurück bekam, zeigt sich jetzt, dass die Bürgerkammer mit ihrer Kritik richtig lag“, sagt sie.

Betroffene der Verkehrsunfälle hatten sich bei der Bürgerkammer beklagt, die Verkehrsinsel samt ihrer Schilder schränke die Sicht ein. Andere Verkehrsteilnehmer/innen empfanden die Insel so nahe an die Einmündung gerückt, dass man sie beim Linksabbiegen aus dem Ulmenweg heraus bewusst umfahren müsse. Und Radfahrer/innen klagten schließlich, der Zwischenraum auf der Insel sei so schmal, dass die vorbeirollenden Fahrzeuge zu nahe kämen.


Update vom 30. August

L3110: Bürgerkammer kritisiert Umstände der Bauarbeiten

Die Bürgerkammer Neuschloß hat in ihrer jüngsten Sitzung ausgiebig die Begleitumstände der L3110-Sanierung diskutiert – und die Debatte jetzt auf ihrer Webseite zusammengefasst. Die Stadtteil-Vertretung kritisiert die Kommunikation von Hessen Mobil und der Stadtverwaltung.

So habe es entgegen des ausdrücklichen Wunsches der Bürgerkammer keine Informationsveranstaltung gegeben, um über die Sperrung und deren Nebenwirkungen zu informieren. Die Kammer hätte sich gewünscht, dass die Stadtverwaltung mehr Sorge dafür trägt, dass nur Berechtigte die Ausweichstrecke über die Felder nutzen. Auch die Planänderung, nach der die Neuschlößerinnen und Neuschlößer in den letzten zwei Wochen nicht durch den Wald fahren durften, sei schlecht kommuniziert worden. Schließlich heißt es, die laschen Kontrollen hatten dazu geführt, dass sich viele Autofahrer ermutigt sahen, illegale Wege nutzen.

Auch die Lokalpresse berichtet ausführlich über die Diskussion. Der Südhessen Morgen zitiert eine Vertreterin der Bürgerkammer mit den Worten: „Man hat uns hier ganz schön an der Nase herumgeführt“. Selbst der für seine Bedachtsamkeit bekannte Stadtrat Hans Schlatter aus Neuschloß habe die Verkehrsverhältnisse in der Sanierungsphase in drastischen Farben geschildert. Von der ersten Minute an seien keine wirksamen Kontrollen durchgeführt worden.

Die Lampertheimer Zeitung schreibt: „Den Ärger über den „schlechten Informationsfluss“ musste sich in einer Sitzung der Bürgerkammer Neuschloß Jens Klingler anhören. Dass Bürgermeister Gottfried Störmer nicht vor Ort war, stieß einigen Besuchern und Mitgliedern der Bürgerkammer bitter auf.“ Das Blatt zitiert auch eine Reaktion des Ersten Stadtrats: „Wenn du eine Alternative anbietest, musst du dich eben auch darum kümmern.“

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Einseitige Sperrung mit Baustellenampel der L3110 zwischen Neuschloß und Hüttenfeld.

Überraschung: Baustelle auch auf L3110 nach Hüttenfeld

Straßenbaufahrzeuge sind dieser Tage nichts seltenes auf der L3110. Deshalb schien es zunächst wenig verwunderlich, dass Arbeiter in der Ortsdurchfahrt von Neuschloß damit begannen, Absperrungen und Behelfsampeln aufzubauen. Das Lustige ist nun aber: Diese Baustelle hat nichts mit der lange geplanten Fahrbahnsanierung der L3110 zu tun. Und: Die halbseitige Sperrung der Landesstraße wird durch den Wald in Richtung Hüttenfeld wachsen.

Was ist da also los? Ein Gespräch mit den Arbeitern vor Ort gibt Aufschluss: Neben der Landesstraße zwischen Neuschloß und Hüttenfeld – die gelben Pfosten in regelmäßigen Abständen deuten es an – ist eine Gasleitung vergraben. Die müsse recht kurzfristig überprüft werden. Auftraggeber der Arbeiten sei der Betreiber des Ferngasnetzes.

Offenbar lässt sich hier genügend Sicherheitsabstand zu den vorbeifahrenden Autos herstellen, so dass eine halbseitige, ampelgeregelte Sperrung möglich ist. Bei der Fahrbahnsanierung der L3110 zwischen Lampertheim und Neuschloß hatte die Landesbehörde Hessen Mobil eine solches Vorgehen mit Blick auf den hier nicht einzuhaltenden Mindestabstand abgelehnt. Mit den neuen Arbeiten zwischen Neuschloß und Hüttenfeld habe Hessen Mobil nichts zu tun, erklärte ein Sprecher gegenüber Neuschloss.net.

Die Bushaltestelle Neuschloß Ort, wegen des Notverkehrs derzeit eher mäßig genutzt, befindet sich baustellenbedingt jetzt im Seitenweg der Landesstraße – dort, wo sie die Bürgerkammer künftig ohnehin haben will.

Haltestelle „Neuschloß Ort“ baustellenbedingt verlegt.
Haltestelle „Neuschloß Ort“ baustellenbedingt verlegt.

Der Seitenweg wurde zur Einbahnstraße, weil die Einfahrt in die L3110 am Alten Lorscher Weg nicht in die Baustellenampel-Regelung einbezogen werden konnte.

Seitenweg der L3110 vorübergehend Einbahnstraße.
Seitenweg der L3110 vorübergehend Einbahnstraße.

Weil die reguläre Ampel für Fußgänger vor dem Schloss in die Baustelle fällt und außer Betrieb ist, wurde zwischen Ulmen- und Tannenweg eine Ersatzampel aufgestellt. Wer drüber will, muss allerdings erst durchs Gras der Seitenstreifen laufen.

Fußgänger können an einer Behelfsampel auf der L3110 zwischen Ulmen- und Tannenweg die Seite wechseln.
Fußgänger können an einer Behelfsampel auf der L3110 zwischen Ulmen- und Tannenweg die Seite wechseln.

Für Radfahrerinnen und Radfahrer aus Hüttenfeld bedeuten die Arbeiten, dass ihr eigener Weg südlich der Landesstraße nicht zur Verfügung steht. Mögliche Alternative: Von Hüttenfeld kommend verläuft ein paar hundert Meter nach der Brücke über die A67 ein Weg im Wald ziemlich genau südlich der L3110. Damit kommt man am Ende genau auf dem Schwarzen Weg raus – der Umleitung für die Neuschlößer über die Felder. Siehe man gut in Google Maps. Könnte passen für Hüttenfelder, die in die Kernstadt wollen.

Die Arbeiten in Richtung Hüttenfeld kamen für viele Beteiligte kurzfristig und überraschend. Auch die Bürgerkammer wurde nicht informiert. Immerhin bietet die Eile die Chance, dass die Arbeiten an der Gasleitung in der Ortsdurchfahrt abgeschlossen sind, bevor die Fahrbahnsanierer dort anrücken.

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Die 644 fährt jetzt über Lorsch und Bürstadt.

So fahren die Busse während der Sperrung der L3110

Wenn während der hessischen Sommerferien vom 6. Juli bis 16. August die Landesstraße 3110 zwischen Neuschloß und Lampertheim gesperrt ist, müssen natürlich auch die Linienbusse ausweichen. Der VRN hat jetzt seine Pläne für die Linie 644 veröffentlicht, die VTL für die 602. So viel ist klar: Es wird nicht einfach. Und deutlich mehr Zeit einplanen solltet ihr auch. Schauen wir mal genau hin.

Baustellen-Fahrplan der Linie 644 bei Lampertheim-Neuschloß

Die Linie 644 verkehrt üblicherweise zwischen Viernheim, Neuschloß, Lampertheim und Worms. Während der Bauarbeiten an der L3110 wird sie zwischen Hüttenfeld und Lampertheim umgeleitet. Von Hüttenfeld aus fahren die Busse weiter über Lorsch nach Bürstadt und halten zusätzlich am Bahnhof in Bürstadt. Anschließend rollen sie nach Lampertheim; dort stoppen sie erstmals an der Goetheschule, dann am Nibelungenplatz und Amtsgericht sowie in der Ernst-Ludwig-Straße. Die Busse enden am Bahnhof in Lampertheim – und zwar immer zur Minute 23, und damit 23 Minuten später als üblich.

In der Gegenrichtung dann starten die Busse der Linie 644 am Lampertheimer Bahnhof immer um halb, sind zur Minute 44 am Bürstädter Bahnhof und zur Minute acht in Hüttenfeld.

Baustellen-Fahrplan der Linie 602 bei Lampertheim-Neuschloß

Wenn die 644 nun einen großen Bogen um Neuschloß macht – wie kommen wir weiter? Die Bürgerkammer hat sich hinter den Kulissen intensiv für eine Notlösung eingesetzt. Nun liegt sie vor – in Form eines Pendelverkehrs der Linie 602 zwischen Neuschloß und Hüttenfeld, der an den Fahrplan der Linie 644 angepasst ist.

Zwischen 6.35 Uhr und 17.35 Uhr startet dieser Bus stündlich an der Haltestelle Neuschloß Ort, in Hüttenfeld erreicht er die Haltestelle Blumenstraße nach fünf Minuten. Nach fünf weiteren Minuten startet dort wie beschrieben die 644 über Lorsch und Bürstadt nach Lampertheim. Gesamtfahrzeit von Neuschloß zum Bahnhof Lampertheim: 48 Minuten (statt sonst neun Minuten). Hier geht‘s zum Fahrplan Neuschloß – Hüttenfeld.

Eine zusätzliche Verbindung startet um 6.55 Uhr, schafft in Hüttenfeld einen Bus der 644 mit Abfahrt um 7.05, der um 7.43 Uhr am Lampertheimer Bahnhof einfährt.

In der Gegenrichtung erreichen die 644er, die am Lampertheimer Bahnhof um halb starten, die 602er, die sich zur Minute 13 an der Hüttenfelder Blumenstraße nach Neuschloß aufmachen. Sie kommen zur Minute 18 an. Diese Verbindung sind stündlich möglich zwischen 6.30 und 17.30 Uhr. Hier geht’s zum Fahrplan Fahrplan Hüttenfeld – Neuschloß.

Verbindungen zwischen Lampertheim-Neuschloß und Mannheim

Und wie kommen wir noch weiter? Wer nach Mannheim will, kann in Hüttenfeld den Bus der Linie 644 in Richtung Viernheim nehmen – und dort am Bahnhof in die OEG-Straßenbahn nach Mannheim umsteigen. Ein Unterfangen, das freilich nicht vergnügungssteuerpflichtig ist. Stündlich geht das so: Abfahrt Neuschloß 7.35 Uhr, Hüttenfeld 8.08 Uhr, Viernheim 8.30 Uhr, Ankunft Mannheim Hauptbahnhof 8.57 Uhr. Dauer: eine Stunde, 22 Minuten.

Etwas schneller geht es nur mit der Verbindung, Anfahrt 6.55 Uhr in Neuschloß, Hüttenfeld 7.08 Uhr, Viernheim 7.30 Uhr, Ankunft Mannheim Hauptbahnhof 7.57 Uhr. Dauer: ein Stunde, zwei Minuten.

In der Gegenrichtung geht es los am Mannheimer Hauptbahnhof erstmals um 6.56 Uhr, in Viernheim um 7.32 Uhr und in Hüttenfeld um 8.13 Uhr. Ankunft in Neuschloß: 8.18 Uhr. Diese Verbindung gibt es stündlich bis 16.56 Uhr.

Verbindungen zwischen Lampertheim-Neuschloß und Worms

Wer von Neuschloß nach Worms will, fährt am besten über Hüttenfeld nach Bürstadt. Dort starten gut 20 Minuten nach der Ankunft des 644 die Züge der Linie RB63, die nach elf Minuten dann in Worms ankommen. Das geht schneller, als mit der 644 bis nach Lampertheim zu fahren und dort in den Bus nach Worms umzusteigen. Im Detail hängt es natürlich davon ab, wo in Worms man hin muss.

Verbindungen zwischen Lampertheim-Neuschloß und Frankfurt

Neuschloss.net hat alle denkbaren Varianten nach Frankfurt getestet: über Viernheim zu den Zügen nach Mannheim, über Hüttenfeld zum Zug nach Bürstadt, über Viernheim zum Zug nach Weinheim – unterm Strich funktioniert das alles nicht, wenn die Umstiegs- und Gesamtfahrzeiten akzeptabel sein sollen.

Der Notfahrplan – die Gesamtbewertung

Der Baustellenfahrplan ist im wahrsten Sinne ein Notfahrplan. Wer ganz dringend auf den Bus angewiesen ist, wird froh sein, mit Geduld wenigstens über Hüttenfeld nach Bürstadt oder Lampertheim zu kommen.

Wer es gesundheitlich hinbekommt, wird vielleicht als Alternative einfach das Fahrrad benutzen; es bleibt ja immer ein Radweg offen während der Bauarbeiten. Und wenn es ums Einkaufen geht, erscheint es sinnvoll, in eingeübter Corona-Solidarität Leuten ohne eigenes Auto oder ohne Führerschein in der Nachbarschaft dann und wann das Nötigste mitzubringen. Autos von Neuschlößerinnen und Neuschlößer dürfen ja den Ausweichweg über die Felder der Heide nehmen.

Bürgerkammer tagt in der Zehntscheune

Die Bürgerkammer Neuschloß kommt am Donnerstag, 28. Mai, 19 Uhr, zu einer öffentlichen Sitzung zusammen – diesmal in der Lampertheimer Zehntscheune, um die Abstandsregeln einhalten zu können. Dabei will sich die Stadtteilvertretung für ihre dritte Legislaturperiode konstituieren. Anschließend wählt die Runde ihre Spitze mit Vorsitz, Stellvertretung, Schriftführung und Pressearbeit.

Hauptpunkt der Tagesordnung ist die bevorstehende Sanierung der Landesstraße 3110 zwischen Neuschloß und der Kernstadt und die damit verbundene, geplante Sperrung der Verbindung. Über den Stand des seit Jahren versprochenen Umbaus der Bushaltestelle „Neuschloß Ort“ wird Erster Stadtrat Jens Klingler informieren.

Das Treffen war zunächst im Bürgersaal am Ahornplatz geplant. Es wurde kurzfristig verlegt, weil die Stadtverwaltung mehr Vertreter schickt als zunächst vorgesehen.