Die Verkehrsinsel wird versetzt und verbreitert.

L3110: Verkehrsinsel am Ulmenweg wird umgebaut

Hessen Mobil hat im Sommer 2020 die Landesstraße L3110 zwischen Neuschloß und der Lampertheimer Kernstadt saniert. Ein Projekt mit vielen Nebenwirkungen. Manche dauern bis heute an. Das Protokoll der Ereignisse.

  • Verkehrsinsel entpuppt sich als Unfallschwerpunkt – jetzt wird sie umgebaut.
  • Die Bürgerkammer kritisiert die Stadt und Hessen Mobil wegen schlechter Kommunikation.
  • Empörung über illegale Autofahren – viele Reaktionen auf unser Video.

Update vom 12. Oktober

L3110: Verkehrsinsel an der Ulmenweg-Einmündung wird umgebaut

Bauarbeiten an der Verkehrsinsel.
Bauarbeiten an der Verkehrsinsel.

Die Verkehrsinsel auf der Landesstraße 3110 an der Einmündung zum Ulmenweg wird umgebaut. Das gibt die Bürgerkammer auf ihrer Website bekannt. Grund seinen mehrere Verkehrsunfälle unmittelbar nach der Freigabe der sanierten Strecke. Die Arbeiten haben am Donnerstag begonnen – und werden flankiert von einer Verkehrsregelung mit einer Baustellenampel.

„Die bestehende Insel wird entfernt. Die neue wird zwei Meter breit sein, so dass Fußgänger und Radfahrer sicherer auf der Straßenmitte warten können. Und sie wird etwas weiter zum Ortskern hin aufgebaut“, berichtet die Bürgerkammer. Deren Vorsitzende, Carola Biehal, hatte sich dafür auch in kommunalen Gremien eingesetzt. „Obwohl ich auf meine Anfragen zunächst nur ein Lächeln zurück bekam, zeigt sich jetzt, dass die Bürgerkammer mit ihrer Kritik richtig lag“, sagt sie.

Betroffene der Verkehrsunfälle hatten sich bei der Bürgerkammer beklagt, die Verkehrsinsel samt ihrer Schilder schränke die Sicht ein. Andere Verkehrsteilnehmer/innen empfanden die Insel so nahe an die Einmündung gerückt, dass man sie beim Linksabbiegen aus dem Ulmenweg heraus bewusst umfahren müsse. Und Radfahrer/innen klagten schließlich, der Zwischenraum auf der Insel sei so schmal, dass die vorbeirollenden Fahrzeuge zu nahe kämen.


Update vom 30. August

L3110: Bürgerkammer kritisiert Umstände der Bauarbeiten

Die Bürgerkammer Neuschloß hat in ihrer jüngsten Sitzung ausgiebig die Begleitumstände der L3110-Sanierung diskutiert – und die Debatte jetzt auf ihrer Webseite zusammengefasst. Die Stadtteil-Vertretung kritisiert die Kommunikation von Hessen Mobil und der Stadtverwaltung.

So habe es entgegen des ausdrücklichen Wunsches der Bürgerkammer keine Informationsveranstaltung gegeben, um über die Sperrung und deren Nebenwirkungen zu informieren. Die Kammer hätte sich gewünscht, dass die Stadtverwaltung mehr Sorge dafür trägt, dass nur Berechtigte die Ausweichstrecke über die Felder nutzen. Auch die Planänderung, nach der die Neuschlößerinnen und Neuschlößer in den letzten zwei Wochen nicht durch den Wald fahren durften, sei schlecht kommuniziert worden. Schließlich heißt es, die laschen Kontrollen hatten dazu geführt, dass sich viele Autofahrer ermutigt sahen, illegale Wege nutzen.

Auch die Lokalpresse berichtet ausführlich über die Diskussion. Der Südhessen Morgen zitiert eine Vertreterin der Bürgerkammer mit den Worten: „Man hat uns hier ganz schön an der Nase herumgeführt“. Selbst der für seine Bedachtsamkeit bekannte Stadtrat Hans Schlatter aus Neuschloß habe die Verkehrsverhältnisse in der Sanierungsphase in drastischen Farben geschildert. Von der ersten Minute an seien keine wirksamen Kontrollen durchgeführt worden.

Die Lampertheimer Zeitung schreibt: „Den Ärger über den „schlechten Informationsfluss“ musste sich in einer Sitzung der Bürgerkammer Neuschloß Jens Klingler anhören. Dass Bürgermeister Gottfried Störmer nicht vor Ort war, stieß einigen Besuchern und Mitgliedern der Bürgerkammer bitter auf.“ Das Blatt zitiert auch eine Reaktion des Ersten Stadtrats: „Wenn du eine Alternative anbietest, musst du dich eben auch darum kümmern.“

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Stadt findet Mittel gegen den Kanalgeruch

Seit vielen Jahren stinkt immer wieder der Abwasserkanal in Neuschloß. Das städtische Bauamt sucht mit Hilfe von externen Ingenieuren nach Lösungen.

  • Seit Mai riecht der Kanal in Neuschloß kaum mehr.
  • Die Stadtverwaltung ist sich jetzt sicher: Der Gestank entsteht in der Druckleitung aus Hüttenfeld.
  • Zugegebenes Eisen(II)-chlorid soll den Schwefelwasserstoff neutralisieren.

Update vom 28. August 2020

Kanalgeruch in Neuschloß: Das richtige Gegenmittel

Gute Nachricht für Neuschloß: Das städtische Bauamt scheint den üblen Kanalgeruchin den Griff zu bekommen. Fachbereichsleiterin Anne Wicke sagte in der Bürgerkammer: „Wir sind dem Ganzen auf der Spur“. Das deckt sich mit den Erfahrungen der Neuschlößerinnen und Neuschlößer, die kaum mehr Beschwerden über den Geruchsmelder von Neuschloss.net an die Stadtverwaltung einreichen. Damit scheint eine jahrzehntelange Leidensgeschichte zu Ende zu gehen.

Klar ist jetzt: Ursache des Geruchs ist eine Druckleitung, die das Abwasser von Hüttenfeld nach Neuschloß presst. „In der vollständig gefüllten Druckleitung entsteht Sulfid“, erläuterte Wicke. In Neuschloß fließt die Brühe dann in Höhe des Forsthauses am Ortseingang ins normale Kanalnetz. „Weil hier Sauerstoff verfügbar ist, wird aus dem Sulfid nun Schwefelwasserstoff.“ Und der stinkt.

Schon vor einem Jahr hatte die Stadtverwaltung in diese Richtung gedacht. Bereits im Mai 2019 sprach Erster Stadtrat Jens Klingler von Schwefelwasserstoff. Und auch die Grundidee kam schon auf: einen Stoff hinzugeben, der den Geruch neutralisiert. Man versuchte es mit Eisen(III)-nitrat. Doch das brachte nicht den gewünschten Erfolg, wie zahlreiche Meldungen aus Neuschloß zeigten.

Die Stadt wechselte das Beratungsunternehmen – und setzt seit 2020 auf Eisen(II)-chlorid. „Das ist ein bisschen wie ein Try-and-Error-Verfahren“, räumte Wicke ein. Ein Verfahren mit glücklichem Ausgang: Das nun verwendete Mittel scheint seit Anfang Mai zu funktionieren. Das zeigen auch im Kanal erfasste Daten.

Aktuell wird der Stoff in Hüttenfeld am Startpunkt der Druckleitung zugegeben. Der angelegte Vorrat reicht bis zum Jahresende. Die Technik steht in einem angemieteten Container. Die Stadtverwaltung wird nun ein Konzept für einen Dauerbetrieb erarbeiten und es als Beschlussvorlage an die Politik geben. Konkrete Rückmeldungen dazu soll es in der öffentlichen Sitzung der Bürgerkammer im November geben.

Das Thema beschäftigt den Stadtteil seit Jahrzehnten. Lange blieb die Ursache des Geruchs offen. Die Stadt baute in Gullys und die Deckel von Kanalschächten Filter mit biologischer Wirkung ein.

Biofilter gegen Kanalgeruch im Ulmenweg.
Biofilter gegen Kanalgeruch im Ulmenweg.

Zuletzt ließ sie auch zwei Klappen für Schwallspülungen installieren. Die Idee dabei: Wassersperren, die hydraulisch gesenkt und gehoben werden. Sind sie unten, staut sich das Abwasser auf. Sobald die Klappen nach oben gezogen werden, fließt das Abwasser kraftvoll weiter – und nimmt, so der Plan, alle eventuelle Ablagerungen in der folgenden Kanalstrecke mit.

Zwei solcher Klappen sind im Neuschlößer Kanal installiert – eine in der Mitte des Lindenwegs, eine weitere an der Ecke Buchen-/Ulmenweg. Zuletzt waren sie abgeschalten, weil die „hochaggressive Luft“ (Wicke) die Elektronik der Steuerung angegriffen hatte.

Schwallspülung - die Klappe wird hydraulisch gehoben.
Schwallspülung – die Klappe wird hydraulisch gehoben.

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Information und Austausch in der Bürgerkammer. Information und Austausch in der Bürgerkammer.

Bürgerkammer erwägt Liste für den Ortsbeirat

Die Aktiven der Bürgerkammer erwägen, sich auch dann weiter für Neuschloß zu engagieren, wenn es wieder einen Ortsbeirat gibt. Das ist das Ergebnis einer ersten internen Abstimmung. Konkret bedeutet die Idee, dass die Bürgerkammer eine eigene Liste für die im kommenden Jahr anstehenden Wahlen des Ortsbeirats aufstellen könnte.

Alle derzeitigen Mitglieder der Kammer sprachen sich für eine solche Konstellation aus – und bekundeten ihre grundsätzliche Bereitschaft, sich für eine Ortsbeiratsliste aufstellen zu lassen.

Bis vor vier Jahren waren im Ortsbeirat ausschließlich politische Parteien vertreten – konkret führend die SPD, die FDP und die CDU. Allerdings waren auf den Listen von Frei- und Sozialdemokraten zuletzt zunehmend auch parteilose Neuschlößer vertreten. Im Frühjahr 2016 kam dann wegen Formfehlern von Parteien kein Ortsbeirat zustande. Seither engagieren sich bis zu 20 Frauen und Männer ehrenamtlich und ohne Parteibindung in der Bürgerkammer für die Belange des Stadtteils.

Die Neuschlößer entwickelten die Bürgerkammer – gemeinsam mit Vertretern Rosengartens, wo die Lage ähnlich war – mit dem Politikwissenschaftler Karl Rudolf-Korte. Motto: Besser eine selbstgestrickte Vertretung des Stadtteils als keine. Die Kammer als Einrichtung wurde nach anfänglichen Bedenken im kommunalpolitischen Betrieb akzeptiert. Es zeigte sich, dass viele sich in der Kammer engagierten, die aus verschiedenen Gründen nicht auf einer Parteienliste stehen wollen. Ihre Handlungsfähigkeit bewies die Kammer schließlich insbesondere mit der Organisation der Feier zum Stadtteil-Jubiläum samt Veröffentlichung einer Festschrift.

Dass die Aktiven von 2021 an wieder auf einen Ortsbeirat setzen, erscheint vor allem deshalb sinnvoll, weil ein solches Gremium weniger auf das Wohlwollen der Verwaltung und Stadtspitze angewiesen ist. Denn die Hessische Gemeindeordnung regelt die Mitsprache der Beiräte. Unterm Strich wird sich am Einfluss von Neuschloß wenig ändern: Formal können auch Ortsbeiräte nur Empfehlungen geben. Entscheidend bleibt, wie engagiert und durchdacht die Aktiven arbeiten.

Interessant wird die Frage, wie sich die Parteien verhalten. In der Bürgerkammer können natürlich Neuschlößer mit Parteibuch als Privatpersonen mitarbeiten. Bei FPD und SPD ist das der Fall; an der Spitze der Bürgerkammer steht die SPD-Stadtverordnete Carola Biehal.

Der Südhessen Morgen fasst die Lage so zusammen: „Vor diesem Hintergrund werden die Parteien zu entscheiden haben, ob sie ebenfalls mit eigenen Listen ins Rennen gehen werden – oder ob die unterschiedlichen politischen Orientierungen in Neuschloß künftig in einer einzigen, bürgerschaftlich geprägten Gruppierung aufgehen.“ Die Zeitung hat dazu auch eine Meinung: Eine Bürgerkammerliste „würde den Schwung der bürgerschaftlichen Arbeit in den Stadtteilen aufnehmen und frischen Wind in die Ortsbeiräte wehen.“ Hilfreich sei, „wenn sich auf einer solchen Bürgerliste auch der eine oder andere Fraktionsangehörige fände“.

In einem ersten Schritt bereitet die Bürgerkammer derzeit ihre dritte Sitzungsperiode vor, die im April beginnt – und ruft wieder Neuschlößer zur Mitarbeit auf. Wer in der Runde dabei sein möchte, muss den ersten Wohnsitz in Neuschloß haben und älter als 16 Jahre sein.

Weitere Informationen zur Bürgerkammer unter www.buergerkammer-neuschloss.de.

Transparenzhinweis: Der Autor ist Mitglied der Bürgerkammer.

Visualisierung der Bahn.

Warum der Tunnel die Konsenstrasse schlug

Ein mehr als zehn Kilometer langer Tunnel unter dem Lampertheimer Wald und auch den Äckern der Spargelstadt – mit dieser „Vorzugsvariante“ für die Neubaustrecke der Bahn rund um Neuschloß hätte noch vor nicht allzulanger Zeit kaum jemand gerechnet. Klar, es ist ein Kompromis: Die Bahn bekommt die schnellste Route, der Region bleibt – von den Bauarbeiten abgesehen – die Zerschneidung erspart.

Aber immerhin kostet diese Lösung 320 Millionen Euro extra (im Vergleich zur Variante durch den Wald ohne Tunnel). Und deshalb ist es schon interessant zu wissen, wie es am Ende zu dieser Route kam. Und welche Argumente aus unserer jahrzehntelangen Debatte sich durchsetzen konnten – und welche platzten wie Seifenblasen.

Die untersuchten Varianten

Schauen wir uns zunächst an, welche Varianten verglichen wurden.

Die mit „e“ gekennzeichneten Routen führen durch den Lampertheimer Wald.
– „e1“ ist die oberirdische Version, die den Wald dauerhaft zerschneidet.
– „e2“ enthält Tunnel nur dort, wo unbedingt nötig: hinter Lorsch, um die Autobahn zu durchqueren, und im Bereich eines Vogelschuzgebiets im Lampertheimer Wald.
– „e3“ ist der lange Tunnel, der schließlich zur Vorzugsvariante wurde.

Die mit „f“ gekennzeichneten Routen verlaufen parallel zu den Autobahnen 67 und 6, mit einem Knick am Viernheimer Kreuz.
– „f1“ östlich der A67 oberirdisch.
– „f2“ östlich der A67 weitgehend in einem Tunnel.
– „f3“ westlich der A67 oberirdisch.
– „f4“ westlich der A67 weitgehend in einem Tunnel.
– „f5“ westlich der A67 mit hinter der A67-Unterquerung verlängertem Tunnel (Lärmschutz Lorsch) und einem etwas kürzerem Tunnel am Viernheimer Dreick. Das ist die Bergsträßer Konsenstrasse, die auch die Bila forderte.

Variante „e1“: Mannheim Direkt - geländegleich
Streckenlänge: ca. 14,8 km
Troglängen: ca. 1,3 km
Tunnellängen: ca. 2,6 km

Variante „e2“: Mannheim Direkt - mit kurzem Tunnel
Streckenlänge: ca. 14,8 km
Troglängen: ca. 2,5 km
Tunnellängen: ca. 4,7 km
 

Variante „e3“: Mannheim Direkt - mit langem Tunnel
Streckenlänge: ca. 14,8 km
Troglängen: ca. 1,8 km
Tunnellängen: ca. 10,2 km

Variante „f1“: Bündelung mit A67 West geländegleich
Streckenlänge: ca. 18,6 km
Troglängen: ca. 2,9 km
Tunnellängen: ca. 3,0 km

Variante „f2“: Bündelung mit A67 West mit Tunnel
Streckenlänge: ca. 18,6 km
Troglängen: ca. 1,9 km
Tunnellängen: ca. 14,7 km
   

Variante „f3“: Bündelung mit A67 Ost geländegleich
Streckenlänge: ca. 18,7 km
Troglängen: ca. 4,3 km
Tunnellängen: ca. 3,4 km
   

Variante „f4“: Bündelung mit A67 Ost mit Tunnel 
Streckenlänge: ca. 18,7 km
Troglängen: ca. 1,9 km
Tunnellängen: ca. 10,1 km

Variante „f5“: Bergsträßer Konsenstrasse
Streckenlänge: ca. 18,6 km
Troglängen: ca. 1,9 km
Tunnellängen: ca. 12,6 km, davon 2,4 km übergesetzlich

Die Bewertung der Varianten

Springen wir gleich zur Zusammenfassung (mit Klick auf die Tabelle die Großansicht aufrufen).

 

Wenig überraschend sind alle rein oberirdischen Varianten (e1, f1, f3) rot-dominiert. Von den f-Tunnelvarianten schneidet jene östlich der A67 (f2) etwas besser ab als die westliche (f4). Bei den Neuschlößer e-Trassen fällt auf, wie wenig der kurze Tunnel (e2), beschränkt auf das Vogelschutzgebiet, punkten kann. Der Neuschlößer Langtunnel sticht grün heraus.

Wie kommt diese Bewertung zustande? Ganz entscheidend sind dafür Naturschutzgebiete in unserem Wald. Dort gelten scharfe Vorschriften: die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Gebiete) zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen, die Vogelschutzrichtlinie über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten und die Regeln für den FFH-Lebensraumtyp „begrenzte Vorkommen, vom Verschwinden bedroht“. Wenn ein Bauprojekt ein FFH-Gebiet kreuzen soll, aber auch eine Variante ohne Beeinträchtigung des FFH-Gebiets denkbar wäre, schreibt der Gesetzgeber rigide vor, dass die Alternative zu nehmen ist.

Ohne gebohrten Tunnel keine F-Varianten

Diese harten Umweltvorschriften bedeuten das Aus für sämtliche Varianten über das Viernheimer Dreieck. Für die oberirdischen sowieso – aber auch für die drei Tunnelvarianten einschließlich der Bergsträßer Konsenstrasse. Denn: Da die Tunnel nicht unterirdisch gebohrt, sondern ausgegraben werden sollen, würden schon die vorübergehenden Bauarbeiten zu große Eingriffe in die Naturschutzgebiete darstellen, heißt es in der Präsentation der Bahn für das Beteiligungsforum.

Die bergmännische (gebohrte) Form der Tunnel hat die Bahn nicht geprüft – vermutlich weil sie die Kosten enorm in die Höhe treiben und die Variante damit unrealistisch würde. Klar ist aber: Sollte tatsächlich ein gebohrter Tunnel eine Chance haben, würde er natürlich den kürzesten Weg nehmen. Damit scheiden die F-Varianten auch für die Form des bergmännischen Tunnels aus.

Auch auf dem Weg der Neuschloßtrasse liegt ein Vogelschutzgebiet – weshalb an dieser Stelle die oberirdische Variante e1 ausscheidet. Zugleich dürfte das die Geburtsstunde von e2 sein: kurzer Tunnel nur unter dem Vogelschutzgebiet. Und damit läuft das Schlussrennen nun zwischen kurzem und langem Tunnel.

Und zwar so: Der kurze Tunnel (e2) bekommt, wenig überraschend, genau wie Neuschloß komplett oberirdisch (e1) schlechte Noten wegen der Lärmbelastung in Neuschloß – ein Kriterium, das stark wiegt. Außerdem gilt unser Wald als Vorranggebiet für vorbeugenden Hochwasserschutz und potenziell aktive Ventilationsfläche und Kaltluftentstehungsgebiet. Die letzteren Dinge seien eigentlich „weniger entscheidungsrelevant“, schreibt die Bahn. Sie könnten aber „beim Vergleich fast gleichwertiger Varianten ein Abwägungsargument“ sein – das deutet an, wie knapp das Rennen ist. Das am Ende der lange Tunnel gewinnt.

(Komplette Ansicht mit Klick auf die Grafik)

Zusammenfassung

Zusammengefasst heißt das: Das Argument des Umwelt- und Klimaschutzes spricht gegen die Konsenstrasse – und für die untertunnelte Route vorbei an Neuschloß. Will man unterirdisch bohren statt ausgraben, müsste der zu erwartende Zusatznutzen das dafür nötige Steuergeld rechtfertigen. Das dürfte nicht einfach zu erklären sein.

Grafiken und Visulation: Deutsche Bahn. 
Als PDF-Download gibt es die komplette Präsentation.

Die ICE sollen künftig schneller von Mannheim nach Frankfurt fahren.

ICE-Trasse Frankfurt-Mannheim: Endgültige Entscheidung kommt später

Das endgültige Votum, wo genau die Bahn ihre Neubaustrecke zwischen Mannheim und Frankfurt verlegen will, fällt später als geplant. „Der Gesamtvariantenentscheid soll in der zweiten Hälfte dieses Jahres erfolgen“, teilt das Beteiligungsforums Rhein/Main–Rhein/Neckar mit. Als Anfang Dezember 2019 über die Alternativen bei Lampertheim gesprochen wurde, war noch von einem Abschluss der Beratungen im Juni die Rede.

Die aktuelle Stellungnahme steht im Zusammenhang mit der neunten Sitzung des Beteiligungsforums, das am Montag online tagte. Dabei ging es um die Anbindung von Darmstadt. Die Mitwirkenden im Forum hatten zusätzliche Varianten vorgelegt, von denen die Deutsche Bahn einige in das weitere Prüfungsverfahren einbeziehen wird. Klar ist für Darmstadt aber schon jetzt, dass ein neuer Haltepunkt im Westen der Stadt ausgeschlossen wird. Stattdessen sollen die Züge am Hauptbahnhof halten.

Interessant für Neuschloß: Sämtliche in der Präsentation aufgeführten Varianten gehen davon aus, dass die Trasse unterirdisch quer durch den Lampertheimer Wald und an Neuschloß vorbei läuft. Diese Variante kam Ende vergangenen Jahres in der Region grundsätzlich gut an; befürchtet worden war eine oberirdische Führung der Gleise durch den Wald. Allerdings wünschen sich seither viele einen unterirdisch gebohrten Tunnel. Die Bahn dagegen will eine Schneise ausheben, die Gleise unterirdisch verlegen und anschließend wieder waldähnlich, wie sie sagt, begrünen.

Thema der Online-Sitzung war auch der Wunsch vor allem aus Lorsch, den Streckenabschnitt bis nach Langwaden bergmännisch zu untertunneln. Die Planer werten das als eine „übergesetzliche Forderung“ – und halten sich nicht damit auf. „Über die Finanzierung des Tunnels kann der Deutsche Bundestag im Rahmen der parlamentarischen Befassung entscheiden“, heißt es dazu wörtlich.

Der geplante Tunnel bei Neuschloß

Lampertheim geht es da besser. Die Bahn hatte im Beteiligungsforum im Dezember 2019 einen Tunnel zwischen Lorsch und Mannheim vorgeschlagen. Er unterquert in fünf Meter Tiefe den Lampertheimer Wald und die wertvollen sandigen Felder der Spargelstadt. „Die Menschen werden von dem Eisenbahnverkehr nichts sehen und hören“, versprach Gerd Dietrich Bolte, bei der Deutschen Bahn für Großprojekte zuständig. Landwirte könnten nach der Fertigstellung ihre Äcker wie gewohnt bewirtschaften. Im Wald sei ein „waldähnlicher Bewuchs“ möglich. Die Mehrkosten gegenüber oberirdischen Gleisen liegen bei 320 Millionen Euro.

Siehe auch unsere Analyse: Warum der Tunnel die Konsenstrasse schlug

Der Tunnel beginnt mit dem Vogelschutzgebiet im Lampertheimer Wald und führt bis nach Mannheim.
Der Tunnel beginnt mit dem Vogelschutzgebiet im Lampertheimer Wald und führt bis nach Mannheim.

Die Reaktionen: Lampertheims Bürgermeister Gottfried Störmer sagte der Frankfurter Rundschau, es sei positiv. „dass die Bahn unseren Gedanken zur Tunnellösung aufgenommen hat“. Ulrich Guldner, Sprecher der Bürgerinitiative Lampertheim (Bila) erklärte, „die große Katastrophe für Lampertheim“ sei ausgeblieben.

Christian Engelhardt, Landrad des Kreises Bergstraße, erinnerte aber daran, dass ein bergmännischer Tunnel auf dem Forderungskatalog der Region stand. Die Bahn will nicht unterirdisch bohren, sondern bis zu 15 Meter tiefe Gruben graben, die Tunnel bauen und wieder mit Erde bedecken. Auch der Bila gefällt dieses Vorgehen nicht.

Streitpunkt ist zudem ein 2,8 Kilometer langes Stück bei Lorsch, das oberirdisch geführt werden soll. Von der 14,8 Kilometer langen Strecke sollen insgesamt 10,2 Kilometer untertunnelt werden, 1,8 Kilometer in einem Trog liegen.

Mit der Tunnellösung darf die bisher als Konsenstrasse diskutierte Route über das Viernheimer Dreieck als vom Tisch betrachtet werden. Sie wird in der Untersuchung aus Naturschutzgrünen selbst für jenen Fall nicht als genehmigungsfähig gesehen, wenn die komplett bergmännisch untertunnelt wäre. Mit dieser Route wollte die Region eine Zerschneidung des Lampertheimer Walds vermeiden.

Die Festlegung auf die Konsenstrasse passte nicht zur Idee des Beiteiligugsforums, abschnittsweise die jeweils ideale Route abzuwägen. Erst als die Politik in Südhessen und Mannheim signalisierte, auch mit alternativen Lösungen einverstanden zu sein, die die gleichen Ziele erfüllen, gab es Bewegung. Ergebnis war der zehn Kilometer langer Tunnel von Lorsch bis Mannheim, mit dem in der jahrzehntelangen Debatte vorher niemand gerechnet hatte.

Neubaustrecke Rhein/Main–Rhein/Neckar: Betriebskonzept

Die Strecke Frankfurt – Mannheim ist das große Nadelöhr im Bahnnetz. Dort treffen wichtige ICE-Linien zusammen (in den Richtungen Hamburg, Berlin, Köln, Basel, München), der internationale Güterverkehr und der Nahverkehr. Bisher fahren die meisten ICE auf der nur teilweise bis Tempo 200 ausgebauten Riedbahn über Biblis, ein Großteil des Güterverkehrs rollt über die Main-Neckar-Bahn durch Darmstadt und entlang des Odenwalds.

Künftig würden ICE tagsüber auf den neuen Gleisen einige Minuten schneller sein als bisher, nachts würde dort der Güterverkehr rollen. Die Gleise verbinden die bestehenden Hochgeschwindigkeitsstrecken nach Köln und Stuttgart und sind wichtige Voraussetzung für den geplanten Deutschlandtakt.

Die Trassenfrage: Dank Mehdorn hochpolitisch

Die Trassenfrage ist in der Metropolregion Rhein-Neckar hoch politisch. Als der seinerzeitige Bahnchef Hartmut Mehdorn vorgeschlagen hatte, Fernzüge nicht an jeder Milchkanne halten und deshalb an Mannheim vorbei fahren zu lassen, geriet die Quadratestadt in Panik. Damit die Runde über den Hauptbahnhof die ICE nicht zu lange aufhält, riet Lothar Mark, damals Mannheimer SPD-Bundestagsabgeordneter, dazu, die Trasse quer durch den Lampertheimer Wald zu legen. Südhessen war derart brüskiert. dass das politische Zusammenwachsen der Region ins Stocken geriet. Erst viele Jahre später entwickelte man einen gemeinsamen Vorschlag.

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„Neuschloß Ort“: Verwaltung verspricht schnellen Umbau

Die Bushaltestelle „Neuschloß Ort“ soll bald umgebaut werden. Das hat Erster Stadtrat Jens Klingler im Treffen der Bürgerkammer versichert. Der zuständige Fachbereichsleiter Uwe Becher erklärte, er erwarte eine kurzfristige Genehmigung der Förderanträge bei Hessen Mobil. Danach könnten die Arbeiten vergeben werden.

Der Umbau ist seit Jahren Thema. Er war eigentlich schon für das Jahr 2018 vorgesehen, wurde aber immer wieder verschoben. Mal fehlte der Förderbescheid, mal das Geld zur Zwischenfinanzierung, mal war die Kernstadt wichtiger. Mehrfach hatte die Verwaltung der Bürgerkammer bereits detaillierte Pläne präsentiert. Zuletzt kam der Verdacht auf, das Projekt werde mit Blick auf die Kosten gestrichen. „Es kann ja wohl nicht sein, dass das Projekt immer wieder verzögert, teurer – und am Ende gestoppt wird, weil es zu viel Geld kostet“, machte die Vorsitzende der Kammer, Carola Biehal, den Unmut der Neuschlößer klar.

Auch Bürgermeister Gottfried Störmer wolle den Umbau, sagten Klingler und Becher. „Mehr als die Zusage des Bürgermeisters, des Ersten Stadtrats und des Ordnungsamtleiters kann man nicht haben“, fügte Klingler hinzu.

Ziel des Umbaus ist, die Haltestelle für die Linien 644 und 602 so anzuheben, dass der Einstieg ebenerdig möglich ist – wichtig für Menschen mit eingeschränkter Bewegung oder Eltern mit Kinderwägen. Ferner würden die Busse künftig sowohl in Richtung Lampertheim als auch in Richtung Hüttenfeld in den Seitenweg abbiegen. Damit könnten die Fahrgäste in beide Richtungen in der Nähe der Grünanlage auf den Bus warten, und die Schulkinder aus dem alten Ortskern müssten auf dem Nach-Hause-Weg nicht wie bisher die viel befahrene Landesstraße überqueren. Ein Projekt, das Neuschloß an zentraler Stelle schöner und sicherer machen wird!

Umbau erst nach der Sanierung der Landesstraße

Pläne für die Bushaltestelle "Neuschloß Ort"
Pläne für die Bushaltestelle „Neuschloß Ort“

Becher erläuterte, die Landesbehörde Hessen Mobil sei zuständig für die Genehmigung des Zuschusses von bis zu 80 Prozent der voraussichtlichen Kosten von 260.000 Euro. Nach zwei Anläufen für einen Förderantrag seien nun letzte Absprachen für einen dritten Versuch abgeschlossen. Die Behörde forderte unter anderem eine Ampel, mit der Busfahrer eine freie Ausfahrt aus dem Seitenweg anfordern können. Das sei nun eingeplant, die Genehmigung des Bescheides kurzfristig zu erwarten.

Die Arbeiten könnten vielleicht schon im Herbst starten, sagte Becher. Also nach der Sanierung der L3110; zusammenlegen ließen sich die Arbeiten aus rechtlichen Gründen nicht. Bürgerkammer-Vorsitzende Biehal wies darauf hin, dass Projekte in dieser Größenordnung europaweit auszuschreiben seien und ging von einem Beginn der Bauarbeiten eher im Frühjahr aus.

Politische Diskussion

Die SPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung hatte vor dem Treffen der Kammer in einer Pressemitteilung geschrieben, das Projekt stehe entgegen der parlamentarischen Beschlusslage „verwaltungsseitig nicht mehr zur Debatte“ und sei auf unbestimmte Zeit verschoben. Bürgermeister Gottfried Störmer entgegnete im Südhessen Morgen, der Umbau sei keineswegs gestoppt – allerdings teurer als gedacht, weshalb eine Extrarunde mit den Wächtern über die Fördermittel nötig sei.

Die SPD betonte, zwar stelle der derzeitige Einbruch bei Einnahmen aus der Gewerbesteuer eine Herausforderung dar, aber „Investitionen bleiben möglich, man muss hier richtig priorisieren. Und dieses Projekt ist eines mit großer Priorität.“

Die Verkehrssicherheit sei bei der derzeitigen Haltestelle mit dem Ein- und Ausstieg direkt an der Landesstraße nicht gegeben: „Sicherheit insbesondere auch von Schulkindern, duldet hier keinen Aufschub. Ebenso ist mit dem Umbau endlich ein ebenerdiger Einstieg in die Busse möglich.“

Rückblick: Eigentlich…

Eigentlich sollte die Bushaltestelle „Neuschloß Ort“ schon längst in den sicheren Nebenweg der Landesstraße verlegt sein. Doch weil in Lampertheim 2018 vor der Bahnunterführung in der Neuschloßstraße der Kreisel und damit gleich die dortige Bushaltestelle neu gebaut wurde, trat unser Stadtteil zurück. Auf das Versprechen setzend, dass wir dann 2019 dran sind. Seien wir aber nicht, berichtete Erster Stadtrat Jens Klinger noch im September 2018 völlig überraschend der Bürgerkammer: „Hessen Mobil fördert das Projekt erst im Jahr 2020“.

Vorlegen wolle die Stadt dieses Geld im Herbst noch nicht: „Wenn wir einen Kredit aufnehmen für Haltestelle, verstoßen wir gegen das Haushaltsrecht“, erläuterte Klingler seinerzeit mit Blick auf geringere Gewerbeeinnahmen als erhofft. „Das Projekt ist fertig, es müsste nur ausgeschrieben werden. Aber aktuell sind alle Projekte gestoppt, die noch nicht ausgeschrieben sind“, hatte es geheißen. Wenn man hier anders vorgehen wollte, sei das „eine politische Entscheidung“.

Die Bushaltestelle in Richtung Hüttenfeld verschwindet hier - und wird ebenfalls in den gegenüber liegenden Seitenweg verlegt.
Die Bushaltestelle in Richtung Hüttenfeld verschwindet hier – und wird ebenfalls in den gegenüber liegenden Seitenweg verlegt.

Transparenzhinweis: Der Autor ist Mitglied der Bürgerkammer.

Einseitige Sperrung mit Baustellenampel der L3110 zwischen Neuschloß und Hüttenfeld.

Überraschung: Baustelle auch auf L3110 nach Hüttenfeld

Straßenbaufahrzeuge sind dieser Tage nichts seltenes auf der L3110. Deshalb schien es zunächst wenig verwunderlich, dass Arbeiter in der Ortsdurchfahrt von Neuschloß damit begannen, Absperrungen und Behelfsampeln aufzubauen. Das Lustige ist nun aber: Diese Baustelle hat nichts mit der lange geplanten Fahrbahnsanierung der L3110 zu tun. Und: Die halbseitige Sperrung der Landesstraße wird durch den Wald in Richtung Hüttenfeld wachsen.

Was ist da also los? Ein Gespräch mit den Arbeitern vor Ort gibt Aufschluss: Neben der Landesstraße zwischen Neuschloß und Hüttenfeld – die gelben Pfosten in regelmäßigen Abständen deuten es an – ist eine Gasleitung vergraben. Die müsse recht kurzfristig überprüft werden. Auftraggeber der Arbeiten sei der Betreiber des Ferngasnetzes.

Offenbar lässt sich hier genügend Sicherheitsabstand zu den vorbeifahrenden Autos herstellen, so dass eine halbseitige, ampelgeregelte Sperrung möglich ist. Bei der Fahrbahnsanierung der L3110 zwischen Lampertheim und Neuschloß hatte die Landesbehörde Hessen Mobil eine solches Vorgehen mit Blick auf den hier nicht einzuhaltenden Mindestabstand abgelehnt. Mit den neuen Arbeiten zwischen Neuschloß und Hüttenfeld habe Hessen Mobil nichts zu tun, erklärte ein Sprecher gegenüber Neuschloss.net.

Die Bushaltestelle Neuschloß Ort, wegen des Notverkehrs derzeit eher mäßig genutzt, befindet sich baustellenbedingt jetzt im Seitenweg der Landesstraße – dort, wo sie die Bürgerkammer künftig ohnehin haben will.

Haltestelle „Neuschloß Ort“ baustellenbedingt verlegt.
Haltestelle „Neuschloß Ort“ baustellenbedingt verlegt.

Der Seitenweg wurde zur Einbahnstraße, weil die Einfahrt in die L3110 am Alten Lorscher Weg nicht in die Baustellenampel-Regelung einbezogen werden konnte.

Seitenweg der L3110 vorübergehend Einbahnstraße.
Seitenweg der L3110 vorübergehend Einbahnstraße.

Weil die reguläre Ampel für Fußgänger vor dem Schloss in die Baustelle fällt und außer Betrieb ist, wurde zwischen Ulmen- und Tannenweg eine Ersatzampel aufgestellt. Wer drüber will, muss allerdings erst durchs Gras der Seitenstreifen laufen.

Fußgänger können an einer Behelfsampel auf der L3110 zwischen Ulmen- und Tannenweg die Seite wechseln.
Fußgänger können an einer Behelfsampel auf der L3110 zwischen Ulmen- und Tannenweg die Seite wechseln.

Für Radfahrerinnen und Radfahrer aus Hüttenfeld bedeuten die Arbeiten, dass ihr eigener Weg südlich der Landesstraße nicht zur Verfügung steht. Mögliche Alternative: Von Hüttenfeld kommend verläuft ein paar hundert Meter nach der Brücke über die A67 ein Weg im Wald ziemlich genau südlich der L3110. Damit kommt man am Ende genau auf dem Schwarzen Weg raus – der Umleitung für die Neuschlößer über die Felder. Siehe man gut in Google Maps. Könnte passen für Hüttenfelder, die in die Kernstadt wollen.

Die Arbeiten in Richtung Hüttenfeld kamen für viele Beteiligte kurzfristig und überraschend. Auch die Bürgerkammer wurde nicht informiert. Immerhin bietet die Eile die Chance, dass die Arbeiten an der Gasleitung in der Ortsdurchfahrt abgeschlossen sind, bevor die Fahrbahnsanierer dort anrücken.

Neuschloss.net hält Euch mit einer Fanseite auf Facebook auf dem Laufenden. Das gefällt Euch doch bestimmt, oder? Bitte hier entlang.

Die 644 fährt jetzt über Lorsch und Bürstadt.

So fahren die Busse während der Sperrung der L3110

Wenn während der hessischen Sommerferien vom 6. Juli bis 16. August die Landesstraße 3110 zwischen Neuschloß und Lampertheim gesperrt ist, müssen natürlich auch die Linienbusse ausweichen. Der VRN hat jetzt seine Pläne für die Linie 644 veröffentlicht, die VTL für die 602. So viel ist klar: Es wird nicht einfach. Und deutlich mehr Zeit einplanen solltet ihr auch. Schauen wir mal genau hin.

Baustellen-Fahrplan der Linie 644 bei Lampertheim-Neuschloß

Die Linie 644 verkehrt üblicherweise zwischen Viernheim, Neuschloß, Lampertheim und Worms. Während der Bauarbeiten an der L3110 wird sie zwischen Hüttenfeld und Lampertheim umgeleitet. Von Hüttenfeld aus fahren die Busse weiter über Lorsch nach Bürstadt und halten zusätzlich am Bahnhof in Bürstadt. Anschließend rollen sie nach Lampertheim; dort stoppen sie erstmals an der Goetheschule, dann am Nibelungenplatz und Amtsgericht sowie in der Ernst-Ludwig-Straße. Die Busse enden am Bahnhof in Lampertheim – und zwar immer zur Minute 23, und damit 23 Minuten später als üblich.

In der Gegenrichtung dann starten die Busse der Linie 644 am Lampertheimer Bahnhof immer um halb, sind zur Minute 44 am Bürstädter Bahnhof und zur Minute acht in Hüttenfeld.

Baustellen-Fahrplan der Linie 602 bei Lampertheim-Neuschloß

Wenn die 644 nun einen großen Bogen um Neuschloß macht – wie kommen wir weiter? Die Bürgerkammer hat sich hinter den Kulissen intensiv für eine Notlösung eingesetzt. Nun liegt sie vor – in Form eines Pendelverkehrs der Linie 602 zwischen Neuschloß und Hüttenfeld, der an den Fahrplan der Linie 644 angepasst ist.

Zwischen 6.35 Uhr und 17.35 Uhr startet dieser Bus stündlich an der Haltestelle Neuschloß Ort, in Hüttenfeld erreicht er die Haltestelle Blumenstraße nach fünf Minuten. Nach fünf weiteren Minuten startet dort wie beschrieben die 644 über Lorsch und Bürstadt nach Lampertheim. Gesamtfahrzeit von Neuschloß zum Bahnhof Lampertheim: 48 Minuten (statt sonst neun Minuten). Hier geht‘s zum Fahrplan Neuschloß – Hüttenfeld.

Eine zusätzliche Verbindung startet um 6.55 Uhr, schafft in Hüttenfeld einen Bus der 644 mit Abfahrt um 7.05, der um 7.43 Uhr am Lampertheimer Bahnhof einfährt.

In der Gegenrichtung erreichen die 644er, die am Lampertheimer Bahnhof um halb starten, die 602er, die sich zur Minute 13 an der Hüttenfelder Blumenstraße nach Neuschloß aufmachen. Sie kommen zur Minute 18 an. Diese Verbindung sind stündlich möglich zwischen 6.30 und 17.30 Uhr. Hier geht’s zum Fahrplan Fahrplan Hüttenfeld – Neuschloß.

Verbindungen zwischen Lampertheim-Neuschloß und Mannheim

Und wie kommen wir noch weiter? Wer nach Mannheim will, kann in Hüttenfeld den Bus der Linie 644 in Richtung Viernheim nehmen – und dort am Bahnhof in die OEG-Straßenbahn nach Mannheim umsteigen. Ein Unterfangen, das freilich nicht vergnügungssteuerpflichtig ist. Stündlich geht das so: Abfahrt Neuschloß 7.35 Uhr, Hüttenfeld 8.08 Uhr, Viernheim 8.30 Uhr, Ankunft Mannheim Hauptbahnhof 8.57 Uhr. Dauer: eine Stunde, 22 Minuten.

Etwas schneller geht es nur mit der Verbindung, Anfahrt 6.55 Uhr in Neuschloß, Hüttenfeld 7.08 Uhr, Viernheim 7.30 Uhr, Ankunft Mannheim Hauptbahnhof 7.57 Uhr. Dauer: ein Stunde, zwei Minuten.

In der Gegenrichtung geht es los am Mannheimer Hauptbahnhof erstmals um 6.56 Uhr, in Viernheim um 7.32 Uhr und in Hüttenfeld um 8.13 Uhr. Ankunft in Neuschloß: 8.18 Uhr. Diese Verbindung gibt es stündlich bis 16.56 Uhr.

Verbindungen zwischen Lampertheim-Neuschloß und Worms

Wer von Neuschloß nach Worms will, fährt am besten über Hüttenfeld nach Bürstadt. Dort starten gut 20 Minuten nach der Ankunft des 644 die Züge der Linie RB63, die nach elf Minuten dann in Worms ankommen. Das geht schneller, als mit der 644 bis nach Lampertheim zu fahren und dort in den Bus nach Worms umzusteigen. Im Detail hängt es natürlich davon ab, wo in Worms man hin muss.

Verbindungen zwischen Lampertheim-Neuschloß und Frankfurt

Neuschloss.net hat alle denkbaren Varianten nach Frankfurt getestet: über Viernheim zu den Zügen nach Mannheim, über Hüttenfeld zum Zug nach Bürstadt, über Viernheim zum Zug nach Weinheim – unterm Strich funktioniert das alles nicht, wenn die Umstiegs- und Gesamtfahrzeiten akzeptabel sein sollen.

Der Notfahrplan – die Gesamtbewertung

Der Baustellenfahrplan ist im wahrsten Sinne ein Notfahrplan. Wer ganz dringend auf den Bus angewiesen ist, wird froh sein, mit Geduld wenigstens über Hüttenfeld nach Bürstadt oder Lampertheim zu kommen.

Wer es gesundheitlich hinbekommt, wird vielleicht als Alternative einfach das Fahrrad benutzen; es bleibt ja immer ein Radweg offen während der Bauarbeiten. Und wenn es ums Einkaufen geht, erscheint es sinnvoll, in eingeübter Corona-Solidarität Leuten ohne eigenes Auto oder ohne Führerschein in der Nachbarschaft dann und wann das Nötigste mitzubringen. Autos von Neuschlößerinnen und Neuschlößer dürfen ja den Ausweichweg über die Felder der Heide nehmen.

Bürgerkammer tagt in der Zehntscheune

Die Bürgerkammer Neuschloß kommt am Donnerstag, 28. Mai, 19 Uhr, zu einer öffentlichen Sitzung zusammen – diesmal in der Lampertheimer Zehntscheune, um die Abstandsregeln einhalten zu können. Dabei will sich die Stadtteilvertretung für ihre dritte Legislaturperiode konstituieren. Anschließend wählt die Runde ihre Spitze mit Vorsitz, Stellvertretung, Schriftführung und Pressearbeit.

Hauptpunkt der Tagesordnung ist die bevorstehende Sanierung der Landesstraße 3110 zwischen Neuschloß und der Kernstadt und die damit verbundene, geplante Sperrung der Verbindung. Über den Stand des seit Jahren versprochenen Umbaus der Bushaltestelle „Neuschloß Ort“ wird Erster Stadtrat Jens Klingler informieren.

Das Treffen war zunächst im Bürgersaal am Ahornplatz geplant. Es wurde kurzfristig verlegt, weil die Stadtverwaltung mehr Vertreter schickt als zunächst vorgesehen.

Altlastenverein löst sich auf

Gut 30 Jahre, nachdem die flächendeckende Belastung mit Altlasten erkennbar wurde, schließt Neuschloß mit den Hauptkapiteln der Sanierung ab. Der Altlastenverein organisierte in einer Mitgliederversammlung seine Abwicklung. Aber die Sicherung der Überreste der chemischen Fabrik wird unseren Stadtteil noch das angefangene Jahrzehnt über begleiten.

Der Grund für den Schlussstrich ist erfreulich: Mit dem Ablauf der letzten Gewährleistungsfristen der Baufirmen, die an der Bodensanierung und der Wiederherstellung von Nebengebäuden und Gartenanlagen beteiligt waren, hat der Verein seine Aufgaben abgeschlossen.

Vor 20 Jahren hatten sich in dem Altlastenverein etwa hundert Grundstücksbesitzer zusammengetan, um kundigen Rechtsbeistand finden und bezahlen zu können. Er handelte mit Stadt und Land eine Rahmenvereinbarung aus; der Verein wurde Vertragspartner. Die Mitglieder trafen auf dieser Basis ihre jeweiligen Sanierungsverträge.

Auch wenn der Boden im Wohngebiet sauber und der Sodabuckel gesichert ist – die Altlasten werden den Stadtteil weiter beschäftigen. Die Grundwassersanierung startet gerade neu durch; dennoch wird sie die Anwohner wohl das komplette Jahrzehnt über begleiten. Und im Wald gibt es mit dem Roten Hof östlich des Alten Lorscher Wegs und den Sandgruben westlich des Sodabuckels weitere Altlasten, die massiv kontaminiert sind. Betroffen von der geplanten Sanierung dort sind auch Gärten im Fichtenweg. Für Fragen der Neuschlößer in diesem Zusammenhang steht der Projektbeirat Altlasten (PAN) weiter zur Verfügung. Seine Spitze ist personell identisch mit der des bisherigen Altlastenvereins.

Damit die Erinnerung an das Großprojekt Altlasten nicht verblasst, verstärkt der Projektbeirat seine Dokumentation im Internet. PAN-Pressesprecher Michael Bayer, der schon die Neuschloß-Chronik zum Stadtteiljubiläum verfasst hat, erinnert an den großen Kampf um die Sanierung der Grundstücke im Wohngebiet. Ausführliche Überblicksdarstellungen, ergänzt mit vielen Fotos, gibt es auch zur Sicherung des Sodabuckels, zur Grundwassersanierung und zu den Altlasten im Wald. Dazu kommen zahlreiche Originaltexte aus den vergangenen 15 Jahren. Eine interaktive Grafik gibt einen Gesamtüberblick über die Flächen, die bereits gesichert sind oder noch bearbeitet werden müssen.

Adventsmarkt 2019

An der Musik auf der Bühne war es zu erkennen: Stefan Spießberger hatte in diesem Jahr wieder die Organisation des Neuschlößer Adventsmarkts übernommen. Seine jungen Schülerinnen und Schüler boten mit Weihnachtsliedern an Keyboards das Rahmenprogramm – vor zahlreichen stolzen Eltern und Großeltern, die fleißig applaudierten.

Neuschlößer Einrichtungen betrieben einen Teil der Stände – darunter der Sportclub Kurpfalz, die evangelische Johannesgemeinde, Buggy Fit von Sonja Geist im Wacholderweg, Petra Bärwald mit ihrer selbst genähten Kinderkleidung und Familie Castellani samt Pizzaofen. Der kommunale Kindergarten und die Krippe waren diesmal nicht dabei. Dafür weitere Standbetreiber, die von außerhalb angereist waren.

Zum 27. Mal feierte Neuschloß den Markt. Seit dem Jahr 1992 lassen es sich die Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils am ersten Adventssonntag auf dem Ahornplatz gut gehen. Viele Gespräche drehten sich diesmal um die ICE-Trasse, über deren Verlauf es in der kommenden Woche eine Vorentscheidung geben könnte.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Altlastensanierung am Eichen- und Fichtenweg – PAN bleibt Ansprechpartner

  • Die Bodensanierung geht in die nächste Etappe – mit den Gärten im Eichen- und Fichtenweg und den anschließenden Sandgruben sowie dem Roten Hof im Wald östlich des Alten Lorscher Wegs.
  • Die Grundwassersanierung steht kurz davor, um ein Vielfaches wirksamer durchzustarten.
  • Der Altlastenverein wird sich auflösen.
  • Der Projektbeirat Altlasten Neuschloß (PAN) hingegen wird die Bürgerinnen und Bürger weiter vertreten.
  • Zeit also für eine Überblicksdarstellung in Sachen Altlasten.

PAN vertritt weiter die Neuschlößer in Altlastenfragen

Es war eine wichtige Nachricht, die Carola Biehal als Sprecherin des Projektbeirats Altlasten Neuschloß in der Bürgerkammer verkündete: Der PAN vertritt die Neuschlößer auch in den verbleibenden Sanierungsfragen. Bedeutend ist das deshalb, weil die Landespolitik inzwischen die Rechtsgrundlage für die Arbeit des Projektbeirats aus dem Hessischen Altlastengesetz gestrichen hat. Umso relevanter ist die Zusage der Stadtverwaltung, dass der PAN als erfahrener Vertreter der Anwohnerinnen und Anwohner akzeptiert bleibt.

Der Projektbeirat besteht seit dem Jahr 1995 aus gewählten, ehrenamtlichen Bürgerinnen und Bürgern. Er arbeitet als Mittler zwischen Betroffenen, Behörden und Sanierungsfirmen – was maßgeblich zur Akzeptanz der umfangreichen Arbeiten auf den gut hundert Grundstücken im Ortskern beitrug. Der PAN war auch in Behördenrunden vertreten – etwa mit dem Hessischen Umweltministerium, dem Regierungspräsidium und der Stadt – und verfügte dort über Informations- und Beteiligungsrechte.

Seit Juli 2005 arbeitet Carola Biehal als Sprecherin, ihr Stellvertreter ist Dr. Günter Weidenauer; um die Presse und Öffentlichkeit kümmert sich Michael Bayer von Neuschloss.net. Projektbeirat und Altlastenverein, getragen vom gleichen Führungsteam, trugen wesentlich dazu bei, dass die Sanierung in Neuschloß überhaupt zustande kam – und das zu für die Anwohnerinnen und Anwohner auch finanziell verträglichen Konditionen. (Interessante Details dazu in der großen Geschichte der Altlasten-Sanierung von Neuschloß.)

Altlasten Neuschloß: Sicherung der Sandgruben und des Roten Hofs

Gelb gekennzeichnet die Lage der belasteten Sandgruben nördlich von Eichen- und Fichtenweg.
Gelb gekennzeichnet die Lage der belasteten Sandgruben nördlich von Eichen- und Fichtenweg.

Nach dem Abschluss der Arbeiten auf den Grundstücken im Ortskern und auf dem Sodabuckel stehen nun die nächsten beiden Projekte im Fokus: die überarbeitete Sanierung des Grundwassers und der Beginn der Sicherung der Böden im Wald.

Letztere betrifft die Sandgruben westlich des verlängerten Ulmenwegs, teils bis auf Gärten im Eichen- und Fichtenweg ragend, und den Roten Hof östlich des Alten Lorscher Wegs.

Gelb gekennzeichnet die Lage des Roten Hofs.
Gelb gekennzeichnet die Lage des Roten Hofs.

Für Sandgruben und Roter Hof ist die Stadt Lampertheim zuständig. Die Verwaltung beauftragte Mitte Oktober ein Ingenieurbüro mit der Konzeption, berichtete Biehal. „Wir können davon ausgehen, dass in 2020 die Planungen erfolgen und in 2021 die Erörterungen und Genehmigungen folgen. Der Beginn der Arbeiten ist für 2022 vorgesehen“, fügte sie hinzu.

Details mit einer Karte der Belastung und den Schadstoffwerten finden Sie unter altlast-neuschloss.de.

Grundwasser-Sanierung in Neuschloß mit Modellcharakter

Arbeiter vergruben lange Rohre, um das Testfeld im Ulmenweg an die Grundwasseraufbereitungsanalge an der Landesstraße anzuschließen.
Arbeiter vergruben lange Rohre, um das Testfeld im Ulmenweg an die Grundwasseraufbereitungsanalge an der Landesstraße anzuschließen.

Das Grundwasser in Neuschloß ist massiv mit Arsen verunreinigt. An der Landesstraße, in der Nähe von Abwasserpumpstation und kleinem Friedhof-Parkplatz, rauscht das Grundwasser durch die Sanierungsanlage. Tag und Nacht ziehen die Pumpen dort Wasser aus verschiedenen Brunnen an, reinigen es und geben das gesäuberte Nass über andere Brunnen zurück ins Grundwasser. Jedes Jahr holt die Anlage 60 Kilogramm Arsen aus dem Grundwasser. Eine Menge, an der ziemlich viele Menschen sterben könnten.

Die Grundwassersanierung könnte also ein Erfolg sein – wäre die Gesamtbelastung nicht kaum vorstellbar hoch. Die Experten gehen von sieben bis zehn Tonnen Arsen im Neuschlößer Grundwasserleiter aus. So richtig was ändern würde sich im Grundwasser, geht alles so weiter wie bisher, also frühestens in 150 Jahren. Dennoch besteht Handlungsbedarf, weil die Schadstofffahne sich in Richtung des Bürstädter Wasserwerks bewegt.

Der Weg der kleinen Revolution reicht von der einen Straßenseite des Ulmenwegs zur anderen. In Höhe der Hausnummer 35 testeten Naturwissenschaftler der Universität Heidelberg, ob es hilft, Stoffe in das Grundwasser zu geben, die die weitgehend immobilen Arsenverbindungen lösen. Ergebnis: Es funktioniert, und die Sanierung könnte schon in 15 Jahren zu schaffen sein. Details in einer Präsentation der Sanierer von der HIM (PDF-Datei).

Die Steuerung des Testfelds versteckte sich in Containern im verlängerten Ulmenweg.
Die Steuerung des Testfelds versteckte sich in Containern im verlängerten Ulmenweg.

Natürlich muss Wasseraufbereitungsanlage die größere Mengen verarbeiten können. Deshalb wurde sie in den vergangenen Monaten erweitert – für viele Neuschlößer nur bemerkbar an der baustellenbedingten Geschwindigkeitsgbegrenzung auf der Landesstraße. Aktuell wird die technische Ausstattung überprüft, Ende November könnte ein Probelauf starten. „Wenn alles erfolgreich funktioniert, womit wir alle rechnen, kann zeitnah mit der schnelleren Grundwassersanierung begonnen werden“, sagte Biehal in der Bürgerkammer.

Altlastenverein will sich im Januar auflösen

Im Bezug auf die Bodensanierung sind Ende Oktober sämtliche Fristen, etwa zur Gewährleistung der Handwerker, ausgelaufen. Deshalb hat der erweiterte Vorstand beschlossen, den Altlastenverein aufzulösen. Der Altlastenverein war Vertragspartner mit Stadt und Land; auf Grundlage eines Rahmenvertrags schlossen die von der Bodensanierung getroffenen Eigentümerinnen und Eigentümer Einzelverträge, die die Modalitäten der Sanierung regelten.

Das Regierungspräsidium Darmstadt, das das Land operativ vertritt, hat nach Biehals Angaben keine Einwände gegen die Auflösung. Die Mitglieder werden über Details in einer Vereinsversammlung informiert, die für Dienstag, 28. Januar 2020, geplant ist.

Altlasten von Neuschloß auf einer interaktiven Karte

Der Regen zeigt die Rillen in der Fahrbahn.

Sanierung L3110: Hessen Mobil beharrt auf Vollsperrung

Hessen Mobil beharrt weiter auf eine Vollsperrung der L3110 zwischen Neuschloß und Lampertheim.

Update im verlinkten Text: Inzwischen hat die Stadt eine lokale Umleitung für Anwohner entwickelt.

Straßen könnten bei Sanierungen nur dann halbseitig offen bleiben, wenn sie mindestens 8,50 Meter breit seien, sagte ein Sprecher der Landesbehörde dem Südhessen Morgen. Das sei nicht der Fall. Erster Stadtrat Jens Klinger hatte sich in der Bürgerkammer mehrfach gegen eine Komplettsperre ausgesprochen, zuletzt Mitte November. Wie der Streit ausgeht, ist noch offen.

Eine weitere Neuigkeit enthält der Zeitungstext vom Donnerstag (21. November): Entgegen früherer Angaben der Stadtverwaltung sollen demnach die Fahrradwege doch mitsaniert werden. Als mögliche Lösung bringt Uwe Rauschelbach in einem Kommentar ins Gespräch, vorübergehend den Grünsteifen zwischen Fahrbahn und Fahrradweg zu befestigen, damit die Straße die für eine nur halbseitige Sperre nötige Breite erhält. Die Plänung von Hessen Mobil betrachtet auch er als „Zumutung“.

Erstmals war Anfang September in der Bürgerkammer bekanntgeworden, dass es für die Neuschlößer 2020 ein großes Verkehrsproblem mit weiten Umwegen geben könnte. Im schlimmsten Fall könnte das eine mehrwöchige Vollsperrung mit sich bringen, hatte Stadtrat Klingler angekündigt.

Die Kammer überlegte damals, ob der Zustand der Fahrbahn eine Sanierung überhaupt nötig mache. Dass dem so sein dürfte, zeigt sich bei Regenfällen: Dann steht das Wasser insbesondere in Höhe des Waldfriedhofs in den Spurrillen. Nach Angaben von Hessen Mobil müssen Risse, Abbrüche und Absenkungen beseitigt werden. Die Fahrbahn soll abgefräst und mit einer neuen Asphaltschicht versehen werden.

Sanierung der L3110: Stadt und Hessen Mobil zoffen sich

Die Landesstraße zwischen Neuschloß und Lampertheim muss saniert werden.
Die Landesstraße zwischen Neuschloß und Lampertheim muss saniert werden.

Mitte November berichtete der Erste Stadtrat der Bürgerkammer den weiteren Verlauf der Auseinandersetzung. „Von Anfang an vertritt die Verwaltung gegenüber Hessen Mobil den Standpunkt, dass die Sanierung der Landesstraße in halbseitiger Sperrung erfolgen muss.“ Im September hatte in der Bürgerkammer allerdings schon Rolf Müller, Leiter des Fachdiensts Tiefbau der Stadtverwaltung, auf verschärfte Vorschriften zum Sicherheitsabstand zwischen Verkehr und Baustelle hingewiesen und zu Bedenken gegeben: „Den erreichen wir an einigen Stellen bei einspuriger Verkehrsführung nicht.“

Die Landesbehörde informierte dann Mitte Oktober darüber, dass sie gegen den Willen der Stadt eine Vollsperrung plane. Die wiederum forderte dann Hessen Mobil erneut auf, den Verkehr nur halbseitig zu stoppen. Sie verwies auf die etwa 25 Kilometer lange Umleitung über Lorsch oder Viernheim. Weil auch der Busverkehr umgelenkt werden müsste, legte die verantwortliche städtische Gesellschaft Verkehr Touristik Lampertheim (VTL) Kosten von mehr als 100.000 Euro auf die Waagschale. Die neuerliche Antwort von Hessen Mobil stehe noch aus, sagte Klingler.

Vollsperrung der Landesstraße 3110: betroffener Abschnitt

Konkret geht es um den Abschnitt zwischen dem Forsthaus am Ortseingang aus Richtung Hüttenfeld und dem Kreisel am Hundeplatz vor Lampertheim. Eine Vollsperre würde bedeuten, dass Autofahrer statt der zwei Minuten für die direkte Verbindung geschätzt mindestens die zehnfache Zeit für den Weg über Hüttenfeld, Lorsch und Bürstadt benötigen. Alternativ ginge es auch über die A6 bei Mannheim-Sandhofen und Viernheim.

Denn eine lokale Ausweichroute, wie sie von Sportveranstaltungen an verkehrsarmen Sonntagvormittagen bekannt ist, führt über ungefestigte Waldwege vorbei an der Grillhütte. Sie kann keinesfalls über Wochen den Verkehr einer Landesstraße abfangen.

Sperrung der L3110: Auswirkungen auf Bus- und Individualverkehr

Schon eine einspurige Verkehrsführung würde zu dem Hauptzeiten am Morgen und Abend zu erheblichen Behinderungen führen, wie Bauarbeiten in der Vergangenheit zeigten. Vertreter der Bürgerkammer baten deshalb Stadtrat Klingler zu prüfen, ob der Fernverkehr umgeleitet und wenigstens den Anwohnerinnen und Anwohnern n eine einspurige Durchfahrt erlaubt werden könnte.

Neben dem Individualverkehr beträfe eine Sperre auch ganz massiv die Buslinen 644 (Worms – Lampertheim – Viernheim), 602 (Lampertheim – Hüttenfeld) und 605 (Neuschloß – Pestalozzischule). Zu klären wäre in diesem Zusammenhang insbesondere, wie Kinder und Jugendliche aus Hüttenfeld und Neuschloß ihre Schulen erreichen sollen. Denkbar wäre, die Bauarbeiten in die Schulferien im Sommer zu legen.

E-Bikes und E-Roller als Alternative?

Eine schöne Alternative für den Weg zwischen Neuschloß und der Kernstadt könnten, solange es nicht ums Einkaufen geht, übrigens Zweiräder werden, die auch auf den Feldweg entlang des Vogelparks ausweichen könnten. Vielleicht gelingt es ja dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) oder der Verkehr Touristik Lampertheim (VTL), zuständig für den Öffentlichen Personennahverkehr, spätestens zur (Teil-)Sperrung der Landesstraße in Neuschloß spontan mietbare E-Bikes oder E-Roller in ausreichender Zahl bereitzustellen. Für Pendlerinnen und Pendler, die nur zum Bahnhof müssen, könnte das eine praktische Lösung sein.

Sanierung L3110: Folgen für Umbau der Haltestelle „Neuschloß Ort“

Betroffen von der Sanierung der L3110 ist auch der geplante Um- und behindertengerechte Ausbau der Bushaltestelle an der Forsthausstraße. Stadtrat Klingler schlug vor, die Arbeiten mit Hessen Mobil zu koordinieren. Geplant ist, die Busse in beiden Richtungen im Seitenweg vor dem Beamtenbau halten zu lassen, um vor allem vielen Schulkindern die Überquerung der Landesstraße zu ersparen. An diesem Plan will die Kammer trotz vereinzelter Bedenken aus dem Publikum festhalten – auch weil aus eigentumsrechtlichen Gründen ein schneller behindertengerechter Umbau der bisherigen Haltestelle an der Südseite der Landesstraße schwierig sei.

Sowohl an der östlichen als auch an der westlichen Ausfahrt sollen Bedarfsampeln den Durchgangsverkehr stoppen und den Linienbussen eine freie Ausfahrt gewähren können. Nach einer Anregung von fachkundigen Anwohnern aus dem Ahornweg sollten die Breite des Seitenwegs noch einmal daraufhin überprüft werden, ob sich begegnende Busse so aneinander vorbeikommen, dass sie nicht über den Fußgängerweg fahren müssen. Ein Vor-Ort-Termin hält die Verwaltung jedoch erst dann für sinnvoll, wenn die Planungen von Hessen Mobil weiter fortgeschritten sind.

Adventsmarkt in Neuschloß

Gute Nachricht für Neuschloß: Die Vorbereitungen für den Adventsmarkt am Sonntag, 1. Dezember 2019, laufen. Das berichtet Organisator Stefan Spießberger von Kids on Keys Lampertheim.

Viele Standplätze seien schon weg. Wer noch mitmachen will, muss sich also schnell melden. Das freut nicht nur den Nikolaus.

Bürgerkammer bespricht Neuschloß-Investitionen

Welche Investitionen plant die Stadt Lampertheim im kommenden Jahr in Neuschloß? Das ist Thema der öffentlichen Sitzung der Bürgerkammer am Donnerstag, 14. November, 19 Uhr, im Bürgersaal am Ahornplatz. Erster Stadtrat Jens Klingler wird den städtischen Haushalt unter Neuschlößer Blickwinkel vorstellen.

Soviel ist bereits klar: Geld wird insbesondere in den kommunalen Kindergarten im Wacholderweg fließen. Einen neuen Anlauf nimmt zudem die Kommunalpolitik für den schon länger erhofften barrierefreien Umbau der Bushaltestelle „Neuschloß Ort“ in der Forsthausstraße. Die Bürgerkammer wird die Details dazu besprechen.

In der Ortsdurchfahrt der Landesstraße wurde die Geschwindigkeitsüberwachung umgebaut. Während in der Vergangenheit Blitzer direkt hinter den Ortseingängen standen, prüft nun ein Gerät in zentraler Lage in der Nähe der Fußgängerampel den Verkehr. Wie sich diese Standortänderung auswirkt, darüber erhoffen sich die Neuschlößer Aufschlüsse aus einer Antwort auf eine Anfrage an Stadtrat Klingler.

Die Bushaltestelle in Richtung Hüttenfeld verschwindet hier - und wird ebenfalls in den gegenüber liegenden Seitenweg verlegt.
Die Bushaltestelle in Richtung Hüttenfeld verschwindet hier – und wird ebenfalls in den gegenüber liegenden Seitenweg verlegt.

Weitere Themen sind die geplante Sanierung der Landesstraße 3110 und die damit verbundene Sperrung, Lärmschutzwand, Wasseraufbereitungsanlage und der Stand zur Geruchsbelästigung durch den Kanal. Die Bürgerinitiative Lampertheim (Bila) schließlich berichtet über den Fortgang der Pläne für den Bau der Bahnschnellfahrstecke Frankfurt – Mannheim.

Tip druckt überholte Meldung – Busse halten weiter im Ulmenweg

Unter der Überschrift „Reisebüro Müller fährt Haltestelle Ulmenweg nicht an“ veröffentlichte der gedruckte Tip vom Samstag eine Mitteilung des Busunternehmens, die zwischenzeitlich überholt ist. Richtig ist: Auch nach den Ferien werden die Fahrzeuge der Linien 602 und 605 im Ulmenweg halten.

Hintergrund war ein kleinerer Unfall. Zwei Fahrzeuge eines Anwohners an einer der 90-Grad-Kurven im Ahornweg waren so gegenüber geparkt, dass sie zwar noch korrekt in den eingezeichneten Flächen standen. Dennoch hatte ein Bus der Linie 602 Probleme, dort durchzukommen. Er beschädigte eines der stehenden Autos leicht. Vor Ort entwickelte sich eine lautstarke Diskussion.

In der Folge, so ist zu hören, verfasste das Reisebüro als Auftragnehmer der Verkehr Touristik Lampertheim jene Pressemitteilung, die der Tipp dann veröffentlichte. Aufgrund von Rückfragen auch in der Stadtverwaltung anderer Medien stellte dann, wie die Lampertheimer Zeitung berichtet, Bürgermeister Gottfried Störmer klar: Die Verwaltung werde weiter am Halt im Ulmenweg festhalten. „Wir unterstützen die Bürgerkammer Neuschloß bei ihrer Haltung, dass die Haltestelle für die Schulwegsicherheit notwendig ist“, wird Störmer wörtlich zitiert. Die Pressemitteilung wurde zurückgezogen – was offenbar den Tip nicht mehr rechtzeitig erreichte.

Es scheint naheliegend, dass die Verwaltung nun bei den eingezeichneten Parkplätzen im hinteren Ahornweg nachbessern muss. Sie sollte die Linien so anpassen, dass die Busse gut vorbeikommen, selbst wenn die Autos bis an der Grenze des Erlaubten abgestellt werden.

Die Parkplätze waren im Mai eingezeichnet worden. Außerdem wurde das Tempo im hinteren Ahornweg auf maximal 20 km/h verringert und eine Einbahnstraßenregelung eingeführt. In den Ferien fahren, wie derzeit, kleinere Busse.

Mehr dazu auf unserer Themenseite Busverkehr.

Die Bürgerkammer Neuschloß informiert über die geplante Neubaustrecke.

ICE-Trasse C: Feldwanderung zeigt Orte der Betroffenheit

Lampertheim hat erneut gegen eine ICE-Trasse quer durch den Wald und über die Felder der Heide protestiert. Große rote Luftballon kennzeichneten die Strecke. Auf den Feldwegen gab es sieben Stationen, an denen die Stadt, Landwirte, Neuschlößer Bürgerinnen und Bürger, Gewerbetreibende und Vereine ihre jeweilige Betroffenheit aufzeigten. Die Veranstaltung hatte vor allem informativen Charakter – trotz der jahrzehntelangen Debatte wächst das Interesse an dem Thema.

Zu Fuß, mit dem Fahrrad oder bequem in Anhänger: Auf den Spuren der C-Trasse.
Zu Fuß, mit dem Fahrrad oder bequem in Anhänger: Auf den Spuren der C-Trasse.

Die Aktion dauerte sechs Stunden und zog sich über mehrere Kilometer. Entsprechend lässt sich die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer schätzen. Die Angaben schwanken zwischen Hunderte (Südhessen Morgen) und 3500 (Veranstalterin Bila).

Groß war in jedem Fall die Resonanz. Die Liste der erschienenen Politikerinnen und Politiker aus allen Ebenen war lang. Neben den Lokalzeitungen berichtete das Hessen Fernsehen und das Rhein-Neckar-Fernsehen. Die von den Veranstaltern gewünschte Öffentlichkeit für die Positionen der Region wurde also erreicht.

Die wichtigen Informationen über das Bahnprojekt lest ihr hier: Sechs Fakten zur ICE-Trasse, die alle Lampertheimer kennen sollten.

Die Stationen.
Die Stationen.

Lampertheimer Wirtschaft gegen ICE-Trasse quer durch den Wald

125 Lampertheimer Unternehmen und Einzelhändler sprechen sich gegen eine Neubaustrecke der Bahn quer durch den Lampertheimer Wald aus. Neben den bekannten umweltpolitischen Argumenten nennen sie wirtschaftliche Gründe. Die Erklärung spricht von einer „Begrenzungstrasse“, die „Chancen der Wirtschaft und Stadtentwicklung an der Ostseite des Stadtgebiets“ stark einschränke.

Zudem senkten Gleise, die an Neuschloß vorbei und über die Lampertheimer Heide-Felder führen, die Lebensqualität. Schon die jahrelange Diskussion über den Trassenverlauf schade Lampertheim. Sie erschwere es lokalen Unternehmen, Beschäftigte zu finden. Denn die Attraktivität des Wohnorts entscheide immer häufiger über die Wahl des Arbeitsplatzes.

„Der Wettbewerb um Mitarbeiter und Fachkräfte ist nicht auf Arbeitsplatz und Entlohnung reduziert, sondern berücksichtigt insbesondere das Umfeld; Standortqualitäten, die sich positiv auf die Work-Life-Balance auswirken“, erläutert das Papier. Unter dem Strich führe C-Trasse „zu einer inakzeptablen Verschlechterung des Wirtschaftsstandortes Lampertheim“.

Erklärung Lampertheimer Unternehmer/innen.
Erklärung Lampertheimer Unternehmer/innen. (Großversion mit Klick auf Bild).

Die Initiative zu der Erklärung ging von fünf Geschäftsleuten aus: Peter Liermann (Vermessungsbüro GEO), Armin Kohler (Rechner Sensors), Stephan Grieser (Grieser Maschinenbau), Carmen Schreckenberger (Florales) und Maria Maron (Cavatappi).

Neuschloss.net dokumentiert die komplette Liste jener Händler und Unternehmen, die mit gegen die Zerschneidungstrasse kämpfen.

Der Südhessen Morgen berichtet, die Pressekonferenz, an der auch Bürgermeister Gottfried Störmer teilnahm, sei bei regionalen Radio- und Fernsehsendern auf große Resonanz gestoßen. Ein Ergebnis ist ein kurzer Bericht des HR-Fernsehens (ab Minute 5.25).

Uwe Rauschelbach kommentiert in der gleichen Zeitung, die Erklärung sei „ein gewichtiges Pfund im Kampf gegen ein Projekt“. Allerdings müsse das Engagement weiter gehen: „Vor diesem Hintergrund könnte es wahrscheinlich nicht schaden, wenn die Lampertheimer Unternehmer nicht nur den Schulterschluss mit Stadt und Bürgerinitiative suchten, sondern zumindest mit den Unternehmern auf Kreisebene, zumal sich die Wirtschaftsförderung des Kreises bereits mit den Kommunen solidarisiert hat.“

Proteste gegen die Zerschneidungstrasse

Lampertheim protestiert seit vielen Jahren gegen die Zerschneidungstrasse – und für eine Route entlang der Autobahnen 67 und 6. Die Kooordination übernimmt dabei die „Bürgerinitiative Lampertheim – Lebensraum vor ICE-Trasse“, die wiederum mit weiteren Initiativen aus der Region vernetzt ist. Im Frühjahr 2019 demonstrierten mehr als 2000 Menschen mit einem Lichterzug gegen die Trassenvariante. Der lokale Bauernverband bereitet sich juristisch vor; man werde „unbequem sein“, kündigt er an. Die Landwirte bauen auf den sandigen Böden der Rheinebene zahlreiche Sonderkulturen an wie Spargel, weiteres Gemüse oder Rollrasen.

„Solche Großprojekte kann man nicht gegen den Willen der Bevölkerung durchsetzen“, sagt Ulrich Guldner, Sprecher der Bila. Der besonders betroffene Stadtteil Neuschloß ist kampferprobt. In den Neunzigerjahren schlossen sich dort mehr als hundert Bürgerinnen und Bürger in einem Verein zusammen, besorgten sich Rechtsbeistand – und setzten so eine gut 90 Millionen Euro teure Altlastensanierung durch.

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SPD stärkste Kraft bei der Europawahl in Neuschloß

Bei den Europawahlen bleibt die SPD knapp stärkste Partei in Neuschloß. Sie kommt auf 23,5 Prozent oder 120 Stimmen. Fünf Voten weniger vereint die CDU auf sich – was einen Anteil von 22,6 Prozent ergibt. Drittstärkste Kraft sind die Grünen mit 19,9 und 101 Stimmen.

Es folgt die AfD mit 69 Stimmen und 13,5 Prozent. Bei der Bundestagswahl 2017 war die AfD in Neuschloß noch auf 14,4 Prozent gekommen, bei der Landtagswahl 2018 gar auf 17,6 Prozent.

Die FDP erreicht 39 Stimmen (7,7 Prozent), die Linke elf Stimmen (2,16 Prozent). Weitere Kleinparteien führt die Ergebnisseite der Stadtverwaltung für unseren Wahlbezirk auf.

Europawahl in Neuschloß seit 2004

Die Entwicklung einschließlich der drei vergangenen Europawahlen 2004, 2009 und 2014 zeigt unsere interaktive Grafik.

Über die vergangenen zwei Jahrzehnte bleibt die SPD nach einem außergewöhnlichen Ausschlag vor fünf Jahren stabil. Die CDU verliert hingegen seit 2009 kontinuierlich; seit der gleichen Zeit gewinnt die AfD an Stärke. Die FDP ist zuletzt abgeschlagen; die Grünen wachsen in Neuschloß mit dem Trend. Die Linke kommt bei Europawahlen in Neuschloß nie über vier Prozent.

Europawahl 2019 in Neuschloß und dem Stadtschnitt

In Gesamt-Lampertheim führt die CDU mit 25,9 Prozent; in Neuschloß sind das 3,3 Prozent weniger. Die SPD kommt stadtweit nur auf 21,6 Prozent – in Neuschloß sind es zwei Prozent mehr. Die Grünen sind bei 17,7 Prozent in Gesamt-Lampertheim gut zwei Prozent schwächer als in Neuschloß. AfD und FDP zeigen keine großen Unterschiede.

Ergebnis der Bürgermeisterwahl in Neuschloß.

Neuschloß hätte Steffan genommen

Herausforderer Marco Steffan ist bei den Neuschlößerinnen und Neuschlößern beliebter als der bisherige und künftige Bürgermeister Gottfried Störmer. Das zeigt ein Blick auf die Ergebnisse des Wahlbezirks 15. Steffan kommt auf 48,8 Prozent der Stimmen. Gottfried Störmer schafft 46,3 Prozent, Lothar Pfeiffer 4,9 Prozent. Die Wahlbeteiligung in Neuschloß ist mit 51,9 Prozent die höchste eines Lampertheimer Wahllokals – dazu kommen noch die Neuschlößerinnen und Neuschlößer, die per Briefwahl abgestimmt haben.

Stadtweit erreicht Störmer 50,55 Prozent, Steffan 44,38 Prozent und Pfeiffer 5,07 Prozent. Gesamtwahlbeteiligung: 60,01 Prozent.

 

Neuschloß ist der einzige Stadtteil, in dem Steffan punktet. Andersrum schneidet Störmer nirgends schlechter ab als bei uns. Der Bürgermeister ist klarer Sieger in Hofheim (53,70 Prozent), Rosengarten (57,94 Prozent) und Hüttenfeld (62,12 Prozent). In der Kernstadt vereint Störmer 47,25 Prozent der Stimmen auf sich.

Im Wahlkampf spielten Themen aus allen Stadtteilen kaum eine Rolle. Das könnte sich vor allem für die Herausforderer gerächt haben. Sämtliche Kandidaten fokussierten sich auf die Frage, wie die Fußgängerzone in der Kernstadt zu beleben sei. Auch über die Führungsqualität Störmers als Chef der Stadtverwaltung stritten sie. Verkehrsaspekte, die für Stadtteile relevant sind, blieben undiskutiert. Wenig war über soziale Themen zu hören – etwa über Kinderbetreuung, Schulen und Bildung.

Neben den Stadtteilen entschieden die Wahl erwartbar vermutlich auch die Älteren, die in der Tendenz konservativ sind und auf die Briefwahl setzen.

Forschungsgruppe Wahlen in Neuschloß.
Forschungsgruppe Wahlen in Neuschloß.

Einige Neuschlößerinnen und Neuschlößer durften übrigens doppelt wählen. Die Forschungsgruppe Wahlen befragte ausgewählte Bürgerinnen und Bürger nach ihrem Stimmverhalten. Die Ergebnisse flossen in die Prognosen und Hochrechnungen für das ZDF ein.

Der Beamtenbau, illuminiert beim Stadtteiljubiläum.

Umbau des Schlosses könnte im Herbst starten

Innen entkernt ist das historische Schlossgebäude schon seit mehr als zwei Jahren. Jetzt scheinen die Hürden dafür genommen, dass der Ausbau starten kann. Vorsitzende Carola Biehal berichtete in der jüngsten öffentlichen Sitzung der Bürgerkammer, nach mehreren Terminen mit der Denkmalbehörde seinen alle offene Fragen geklärt. Sie fügte hinzu: „Im Herbst könnte es losgehen.“

Die Stadt Lampertheim hatte das Gebäude im Jahr 2013 an die Lampertheimer Architektenfamilie Braun verkauft. Es ist ein Nebengebäude, der Beamtenbau einer größeren Jagdschlossanlage der Pfälzer Kurfürsten, die spätestens am 10. September 1468 gestanden haben muss; auf diesen Tag datiert eine Urkunde, die auch der Bezugspunkt der 550-Jahr-Feier unseres Stadtteils war.

Das "Schloss" an der Landesstraße. Von außen zeigt es sich, als sei nichts gewesen. Innen ist alles anders. Bild: Michael Bayer
Das zeigt sich bei einem Rundgang der Bürgerkammer durch das entkernte Gebäude. Bild: Michael Bayer
Türen auf, Türen zu. Bild: Michael Bayer
Die Wände zeugen von regen Umbautätigkeiten. Bild: Michael Bayer
In der Renaissance-Zeit waren die Fenster größer und abgerundet - nach der Freilegung des Mauerwerks deutlich zu erkennen. Das Fenster zeigt zur Landesstraße hin. Bild: Michael Bayer
Jahrhundertealte Brandspuren zeugen von Zerstörung und Wiederaufbau. Bild: Michael Bayer
Blick in den Dachboden - das tragende Kiefernholz wurde Mitte des 18. Jahrhunderts eingebaut. Bild: Michael Bayer
Eine Kassettentür aus dem Jahr 1747.
Diese Kassettentür ist ebenso alt. Bild: Michael Bayer
Mit Bohrungen ermitteln Fachleute das Alter des Holzes. Bild: Michael Bayer
Treppe auf dem Dachboden. Bild: Michael Bayer
Diese Verzierung am Treppentürmchen war bisher unbekannt. Foto: Michael Bayer
Bild: Michael Bayer
Zeichen des Steinmetztes - die Wendeltreppe ist aus Granit gefertigt. Bild: Michael Bayer
Bild: Michael Bayer
Bild: Michael Bayer
Weitere Verzierungen. Bild: Michael Bayer
Bild: Michael Bayer
Reste des historischen Steinbodens. Bild: Michael Bayer.
Bild: Michael Bayer
Bild: Michael Bayer
Bild: Michael Bayer
Bimssteine - hell aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, dunkel in den 60er oder 70er Jahren eingebaut. Bild: Michael Bayer
Bild: Michael Bayer
Bild: Michael Bayer
Zimmermannsnägel. Bild: Michael Bayer
Bild: Michael Bayer
Ausblick aus dem Dachboden. Bild: Michael Bayer
Bild: Michael Bayer
Die Erweiterung, erkennbar auf den letzten Metern zum Erlenweg hin, ist älter als bisher gedacht. Bild: Michael Bayer
Der Lampertheimer Architekt Franz-Rudolf Braun (rechts im Bild) hat sich gründlich mit der Historie des Gebäudes vertraut gemacht. Bild: Michael Bayer

Eigentlich war der Umbau schon früher geplant. Als aber 2015 in Lampertheim Flüchtlinge unterzubringen waren, stellten die neuen Besitzer die bisherigen Wohnungen dafür ein Jahr lang zur Verfügung. Während des Stadtteil-Jubiläums entwickelte sich das entkernte Gebäude mit seiner natürlichen Schönheit, bereichert um eine kleine Kunstausstellung, zum Publikumsmagneten.

Das Konzept des Architekten sieht acht Wohnungen vor; auch das Dachgeschoss soll dafür ausgebaut werden. Ein Bereich im Erdgeschoss könnte öffentlich genutzt werden. Im Gespräch war hier zuletzt ein Museum, etwa zur Jagd, eventuell in Verbindung mit dem im Dezember gestarteten Geopunkt. Die Stadt oder eine andere öffentliche Einrichtung müsste dann als Mieterin auftreten.

Kunstausstellung im entkernten Schloss.
Kunstausstellung im entkernten Schloss.
Kunstausstellung im entkernten Schloss.
Kunstausstellung im entkernten Schloss.
Kunstausstellung im entkernten Schloss.
Kunstausstellung im entkernten Schloss.
Kunstausstellung im entkernten Schloss.
Kunstausstellung im entkernten Schloss.
Kunstausstellung im entkernten Schloss.
Kunstausstellung im entkernten Schloss.