Ahornweg-Anwohner provozieren Busfahrer

Der Aushang schockte Neuschlößer Facebook-Nutzer: Die Haltestelle im Ulmenweg werde „wegen provozierender Behinderungen durch einen Anwohner im Ahornweg bis auf Weiteres nicht mehr bedient“. Im Ulmenweg steigen unter anderem die Grundschüler ein, die fernab der Hauptstraße rund um den Ahornplatz warten können. Doch das Schild hing glücklicherweise nicht lange. Was war geschehen?

Am Freitag musste gegen 14 Uhr ein Bus im hinteren Ahornweg Slalom fahren. Wie in der jüngsten Zeit häufig parkten Autos und Anhänger bis eng in die Kurven. Der Bus musste mit dem Überbau und teilweise auch mit dem linken Vorderrad über den Bürgersteig rollen. Der Fahrer berichtete, plötzlich habe ein Anwohner vor dem Bus gestanden. Der Neuschlößer habe dem Fahrer vorgeworfen, er würde ihn als Fußgänger gefährden und bedrohen. Daraufhin wollte das Busunternehmen zunächst nicht mehr durch den Ahornweg fahren, um seine Fahrer zu schützen. Der Aushang war Ausdruck davon.

Später schritt der Fachbereich Verkehr, Sicherheit und Ordnung der Stadtverwaltung ein. Am Samstag weitete er das bestehende Halteverbot aus, so dass die keine Fahrzeuge mehr die Busse blockieren können. Das Ordnungsamt behält sich weitere Schritte vor. Mit dem Busunternehmen ist vereinbart, dass die Fahrzeuge am Montag weiter wie vorgesehen im Ulmenweg halten.

Der Aushang ist inzwischen ungültig und entfernt.
Der Aushang ist inzwischen ungültig und entfernt.

Kommentar: Die Stadtverwaltung handelt richtig

Busverkehr vor der eigenen Haustür muss man nicht lieben. Zumal wenn man nicht darauf angewiesen ist. Und natürlich haben Anwohner aus dem Neuschlößer Ahornweg das Recht, ihre eigenen Interessen – die Busse mögen bitte anderswo fahren – lautstark in Bürgerkammer und Leserbriefen (von Waldemar Schneider, Maria Walter und Marliese und Günter Koch) zu vertreten.

Genauso aber muss es der Mehrheit der Neuschlößer erlaubt sein, nicht auf diese Forderungen einzugehen. Weil es nämlich dem Stadtteil insgesamt schaden würden, fiele die Haltestelle im Ulmenweg weg. Ein Großteil unserer Schülerinnen und Schüler müsste dann die wirklich gefährliche Route entlang der Landesstraße nehmen. Und für ältere Menschen wäre der weitere Weg zum Bus, der sie zu den Supermärkten in der Otto-Hahn-Straße bringt, kaum machbar. Überall kämpfen die Menschen für einen besseren Nahverkehr; Neuschloß sollte wegen den Interessen weniger Anwohner nicht den gegenteiligen Weg einschlagen.

Um einige Fakten in die Debatte zu bringen: Wir reden hier nicht von einem Busverkehr wie in der Lampertheimer Eugen-Schreiber-Straße, wo sich fortlaufend große Fahrzeuge begegnen. Durch den Neuschlößer Ahornweg rollt montags bis freitags tagsüber grob gezählt jede Stunde ein Bus pro Richtung. Konkret fährt die Linie 605 an Schultagen einmal am Morgen zur Pestalozzischule und dreimal am Mittag zurück. Die 602 steuert 13-mal über Fachmarktzentrum, Bahnhof und Innenstadt das Schulzentrum West an; zwölfmal zurück.

Fakt ist ferner: Anwohner führten gegenüber der Stadtverwaltung aus, der Busverkehr im Ahornweg sei rechtswidrig. Der Fachbereich Verkehr, Sicherheit und Ordnung prüfte die Rechtslage und kam zum Ergebnis, dass sich die Bürger irren und der Busverkehr hier sehr wohl erlaubt ist. Daraufhin legten die Bürger Beschwerde beim Regierungspräsidium in Darmstadt ein. Das RP prüfte die Stellungnahme der Stadt und teilte mit, sie sei aus Sicht der obere Straßenverkehrsbehörde fachlich korrekt. Nun kritisieren die Anwohner das RP.

Es verfestigt sich der Eindruck, dass die Anwohner schlicht nicht akzeptieren wollen, dass sie ihre Interessen nicht durchsetzen können. Das lässt offenbar ihre Nerven blank liegen. Sie parken ihre Autos und Anhänger zunehmend so, dass die Busse zu einer Slalomfahrt gezwungen sind – um dann anschließend den Fahrstil der Busfahrer zu rügen. Die Stadtverwaltung hat nun die einzig richtige Konsequenz daraus gezogen, und das Halteverbot im hinteren Ahornweg ausgeweitet. Schade, dass es diesen Zwang braucht.

Die Bürgerkammer war den Anwohnern entgegen gekommen. Sie hatte nach vielen Diskussionen im Sommer vorgeschlagen, die Interessen der Buskritiker mit einzubringen, wenn im Zusammenhang mit der geplanten Einführung der S-Bahn der Busverkehr in Lampertheim möglicherweise ohnehin neu geregelt werden muss. Vielleicht kann sich ja Neuschloß auf diesen gemeinsamen Kurs besinnen.

Protest gegen die Neubaustrecke im Wald.

2000 Menschen bei Lichterdemo gegen Bahntrasse im Wald

Etwa 2000 Menschen haben am Freitagabend gegen eine Neubaustrecke der Deutschen Bahn quer durch den Lampertheimer Wald protestiert. Sie beleuchteten mit Taschenlampen die Schneise, die eine solche Streckenführung bringen würde, und trugen dabei reflektierende Warnwesten.

Landwirte verlängerten die Kette auf der anderen Seite der Landesstraße mit beleuchteten Traktoren in den Äckern.

Landwirte verlängern den Lichterzug mit beleuchteten Traktoren. (Foto: Bila)
Landwirte verlängern den Lichterzug mit beleuchteten Traktoren. (Foto: Bila)

Ein Hubschrauber filmte das Ereignis aus der Vogelperspektive. 

Aufgerufen hatte dazu die Bürgerkammer Neuschloß und die Bürgerinitiative Lampertheim (Bila).

Der Lichterzug reicht 2,5 Kilometer weit in den Wald. (Foto: Bila)
Der Lichterzug reicht 2,5 Kilometer weit in den Wald. (Foto: Bila)

Die Frauen und Männer bildeten eine Kette vom Ortsausgang bis tief in den Wald. Ungewöhnlich: Unter den Protestierenden waren viele junge Leute. „Unsere Kinder brauchen auch noch Wald“, stand auf einem ihrer Transparente.

Junge Protestierende im Wald.
Junge Protestierende im Wald.

Mit in den Wald kamen auch Politikerinnen und Politiker, darunter der Landtagsabgeordnete Alexander Bauer aus Bürstadt (CDU), der Erste Kreisbeigeordnete Carsten Krug (SPD), Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass (SPD), Bürgermeister Gottfried Störmer (parteilos), Erster Stadtrat Jens Klingler (SPD) sowie zahlreiche Stadtverordnete. Ferner die Architektenfamilie Braun, der der historische Beamtenbau in Neuschloß gehört – und viele Lampertheimer Bürgerinnen und Bürger. Autoschilder lassen zudem auf Gäste aus Mannheim und Worms schließen. 

Gekommen waren schließlich überraschend viele Journalisten. Der Hessische Rundfunk schickte ein Kamerateam, das Rhein-Neckar-Fernsehen ebenso. Vor Ort natürlich auch die regionale Presse. 

Viele Medienvertreter berichten über den Protest.
Viele Medienvertreter berichten über den Protest.

Politik kann ICE-Trasse umleiten

Der Protest in Neuschloß ist ein wichtiges Signal an Bahn und Politik. Die Bahn wird in Kürze mitteilen, wo sie gerne die Gleise zwischen Frankfurt und Mannheim verlegen würde. Um für den geplanten Deutschlandtakt die Reisezeit auf 29 Minuten zu verringern, erscheint der Weg quer durch den Wald und über die kostbaren Ackerflächen der Heide wahrscheinlich. Es ist zu klären, ob die Zeitvorgabe auch mit der in der Region bevorzugten Trasse entlang der Autobahnen 67 und 6 zu schaffen ist. Teurer würde diese Trassenvariante in jedem Fall.

Allerdings kann der Bundestag am Ende die Bahn überstimmen. Die Politik kann einen anderen Streckenverlauf als von der Bahn vorgeschlagen festlegen, muss dann aber auch die Mehrkosten bezahlen. Damit die Parteien diesen Weg gehen, muss sich Lampertheim Gehör verschaffen. Die Lichterdemonstration ist ein erstes Signal in diese Richtung.

 

Bürgermeister Gottfried Störmer bezeichnete die Demonstration jüngst als wichtiges Teil eines Mosaiks. „Ziel ist es, die C-Trasse, welche eine Zerschneidung des Waldes bedeuten würde, zu verhindern.“ Nach der Veranstaltung sprach er in Facebook von einem „grandiosen Besuch und starker Teilnahme vieler Lampertheimerinnen und Lampertheimer“. Besucher aus Mannheim und Bürstadt hätte Bürgerkammer und Bila für den tollen Zuspruch gelobt. „Mit einer solchen Unterstützung kann Lampertheim gegenüber der Bahn stabil auftreten.“

 

Carola Biehal, Vorsitzende der Bürgerkammer Neuschloß, erklärte: „Wir müssen ein Ausrufezeichen setzen und deutlich machen, dass es einen breiten bürgerschaftlichen Widerstand gegen die C-Trasse gibt.“

Die Neuschlößer wurden von der „Bürgerinitiative Lampertheim – Lebensraum vor ICE-Trasse!“ unterstützt. Die Initiative beschäftigt sich seit zehn Jahren mit dem Thema. Beim Lichterzug „muss deutlich werden, dass der Widerstand gegen eine Zerschneidung des Lampertheimer Waldes und die Verlärmung unserer Innenstadt von einer breiten Bürgerschaft getragen wird“, erläuterte Karl Hans Geil, Sprecher der Bila. Die Bila dankte nach der Veranstaltung allen für die Unterstützung. „Das war die erste Aktion in diesem Jahr; es werden weitere folgen“, kündigten die Aktiven an.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Protest gegen die Neubaustrecke im Wald.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Rückweg im Dunkeln.
 

Presseschau

Der Südhessen Morgen hat ebenfalls 2000 Protestierende gezählt. In seinem Kommentar kommt Uwe Rauschelbach zu dem Schluss: „Diesen Protest wird die Bahn nicht ignorieren können.“

Das Rhein-Neckar-Fernsehen interviewt die Vorsitzende der Bürgerkammer, Carola Biehal – im Video am Anfang.

Der Hessische Rundfunk berichtete am Freitagabend ausführlich in „Hessenschau kompakt“ – im Video von Minute 8’50 an.

Die Lampertheimer Zeitung zitiert Ulrich Guldner von der Bila mit den Worten: „Die Bahn ist gezwungen, sich mit dem Widerstand auseinanderzusetzen.“ Im Kommentar streicht Vanessa Körber heraus, die Aktion habe das Ausmaß einer möglichen Zerschneidung des Waldes eindrücklich vor Augen geführt – Voraussetzung für weiteren Unmut und eventuelle Klagen der Bürger.

„Thommy‘s“ erlebt großes Interesse

Blumen, Päckchen, Karten: Der Platz auf dem Regal für Glückwünsche reichte nicht lange. Kaum hatten Silke und Thomas Heyber am Samstag Vormittag die Tür zu ihrem „Thommy‘s“ geöffnet, kamen auch schon die ersten Gäste und Gratulanten: Freunde und Nachbarn, von denen einige am ersten Tag tatkräftig mithalfen.

Auch offizielles Händeschütteln war angesagt: Helmut Kemnitzer übermittelte als stellvertretender Vorsitzender der Bürgerkammer die Freude der Neuschlößer über das neue Café am Ahornplatz. Er sagte spontan zu, die internen Treffen der Aktiven ins „Thommy‘s“ zu verlegen.

Zahlreiche Glückwünsche, hier von Helmut Kemnitzer von der Bürgerkammer.
Zahlreiche Glückwünsche, hier von Helmut Kemnitzer von der Bürgerkammer.

Manche Neuschlößer wollten ihre Sympathie für „Thommy‘s“ persönlich zeigen. Am Vormittag kamen ältere Frauen und Männer aus dem Ortskern zu Sekt, Kaffee und Kuchen. Der Abend war geprägt von Leuten, die in den Achtzigerjahren in unseren Stadtteil kamen. Sie ließen es sich bei Livemusik, dem ein oder anderen guten Wein und Käse-Schinken-Snacks gutgehen.

In den Gesprächen zeigten sich die Gäste angetan von der liebevollen Inneneinrichtung. Die Bedienungen hatten ordentlich zu tun, was sicher auch den an Sonderpreisen zur Eröffnung lag – und dazwischen Silke und Thomas Heyber, die trotz des erkennbaren Stresses stets strahlend durch ihr Café schritten. Seit Oktober hatten die Beiden auf diesen Tag hingearbeitet.

Andrang auf dem Ahornplatz.
Andrang auf dem Ahornplatz.

Bei leicht frühlingshaften Temperaturen verbrachten viele Gäste den Nachmittag auf dem Ahornplatz; Tische, Stühle und Sonnenschirme luden ein. Nicht wenige Frauen und Männer waren aus der Kernstadt gekommen, teils mit ihren Motorrädern.

Die Nachricht über die Eröffnung hatte sich am Freitag wie ein Lauffeuer auf Facebook verbreitet – und so auch die nähere Umgebung erreicht. Schon hier zeigte sich das ungewöhnliche Interesse. Etwa 200 Leute markierten die Beiträge auf der Fanseite von Neuschloss.net und in der Gruppe „Lampertheim tretet ein!“ mit dem Daumen nach oben; etwa 60-mal wurde der Beitrag geteilt.

Mehr als tausend Nutzer riefen die verlinkte Berichterstattung auf der Webseite von Neuschloss.net auf – so viele Leserinnen und Leser hatte Neuschloss.net noch nie an einem Tag.

Ein erfolgreicher Anfang also. Und somit eine gute Nachricht für Neuschloß.

Der Eröffnungstag in Bildern

Das „Thommy‘s“ freut sich auf die Gäste - und Neuschloß freut sich aufs „Thommy‘s“.
Zahlreiche Glückwünsche, hier von Helmut Kemnitzer von der Bürgerkammer.
Silke Heyber (Zweite von rechts) straht - Helmut Kemnitzer, stellvertretender Vorsitzender der Bürgerkammer, gratuliert.
Das Café füllte sich gleich am Vormittag.
Auch davor auf dem Ahornplatz war einiges los.
Sekt, Kuchen, Kaffee - eine angemessene Kombination.
Das Regal für die Glückwunschgeschenke zur Eröffnung war schnell zu klein.
Am Abend gab's Livemusik: Schlagzeug, Contrabass und E-Gitarre brachten den Beat.
Volles Haus, viel zu tun für die Bedienungen.
Unter den abendlichen Gästen auch junge Besucherinnen und Besucher.
Weitere Eindrücke.
Weitere Eindrücke.
Weitere Eindrücke.
Weitere Eindrücke.
Weitere Eindrücke.

Silke und Thomas Heyber.

„Thommy’s“ belebt den Ahornplatz

Seit Tagen blicken die Schulkinder morgens beim Warten auf den Bus neugierig durch die Fenster ins Innere, rollen mittags Fahrzeuge einer Schreinerwerkstatt an, wird eingeräumt und gewerkelt in den Caféräumen am Ahornplatz. Am Samstag kann Neuschloß das Ergebnis feiern: „Thommy’s – Coffee and More“ öffnet um 10 Uhr mit einem kleinen Fest.

Hinter dem Projekt stehen – wie könnte es anders sein – Neuschlößer. Es sind Silke und Thomas Heyber aus dem Lindenweg. Die Beiden betreiben eine Schreinerei. „Aber Thomas wollte schon immer ein Café“, berichtet Silke Heyber über ihren Mann.

Deshalb heißt es künftig: morgens und mittags Schreinerei, nachmittags und abends Café. Montags, dienstags und donnerstags von 14 bis 19 Uhr, freitags bis 22 Uhr und samstags von 10 bis 19 Uhr – mit diesen Öffnungszeiten starten die Heybers, die auch selbst die Gäste betreuen werden. „Wir fangen erstmal ohne Personal an“, sagen sie.

Die Kafeemaschine fällt gleich in den Blick.
Die Kaffeemaschine fällt gleich in den Blick.

Eines der ersten Dinge, die ins Auge fallen, ist die große Aperatur, die aus den Bohnen verschiedene Kaffeespezialitäten zaubert. Womit ein wichtiger Bestandteil der Getränkekarte geklärt wäre.

Dort finden sich auch Paulaner-Biere und verschiedene Weine. Der Kuchen ist selbstgemacht; freitags soll es auch handfeste Kleinigkeiten zu essen geben.

Die Einrichtung zeigt den Schreiner. Die Tische sämtlich in Echtholz, die Stühle bewusst verschiedenartig. Die Karte – auf Holztafeln. Als Dekoration eine alte, echte Schulbank, Blumen-Accessoires und Stoffsäcke mit Kaffeebohnen aus Brasilien.

Tische und Stühle aus Echtholz.
Tische und Stühle aus Echtholz.

Passend zum nahenden Frühling gibt es Tische, Stühle und Sonnenschirme auf dem Ahornplatz – dem die Heybers damit neues Leben einhauchen. Da passt es, dass wenige Schritte entfernt neuerdings der Bücherschrank steht.

Es sieht so aus, als würde Neuschloß nach dem Restaurant Quattro Mori eine zweite, wundervolle Gelegenheit bekommen, genussvoll schöne Stunden zu verbringen. Neuschloss.net drückt alle Daumen.

Lesen Sie auch unseren Bericht über den Eröffnungstag mit vielen Bildern.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Markierung des möglichen Verlaufs der ICE-Trasse bei Neuschloß.

Diskussion über ICE-Trasse im April

Leicht mediale Verwirrung: Der Südhessen Morgen macht die Zeitung damit auf, dass die Deutsche Bahn „erstmals“ drei Trassenvarianten für den Verlauf der Neubaustrecke Frankfurt – Mannheim bei Lampertheim nenne. Im Wirtschaftsteil heißt es, die Planung komme voran.

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich freilich: Ganz so unbekannt ist das alles nicht, was das jüngste Treffen des Beteiligungsforums besprochen hat: Die Gleise könnten demnach a) mehr oder weniger gebündelt an der A67 und A6 liegen, b) entlang der A5 und vor Weinheim in Richtung Viernheim und A6 abbiegen – oder eben c) quer durch unseren Wald und dicht vorbei an Neuschloß verlaufen.

„Das ist der Stand, der seit etwa zehn Jahren bekannt ist“, erläutert Ulrich Guldner, einer der Sprecher der „Bürgerinitiative Lampertheim – Lebensraum vor ICE-Trasse“, im Gespräch mit Neuschloss.net. Er war in der Sitzung des Beteiligungsforums dabei. Dass die faktisch längst außen vorgelassene Variante einer A5-Bündelung plötzlich wieder auftaucht, zeige, dass es der Bahn im aktuellen Stadium vor allem darum gehe, noch einmal systematisch alle denkbaren Varianten einzubringen – um das Verfahren juristisch abzusichern. Es gebe aber keinerlei inhaltliche Weiterentwicklung.

Die freilich ist durchaus zu erwarten – und zwar im kommenden Treffen des Beteiligungsforums im April. „Dann beginnt die Bewertung der drei Trassen“, erklärt Guldner. Zunächst gehe es darum, welche Variante die Beste sei – gemessen an bestimmten Kriterien. Die Bila werde die Auswahl dieser Kriterien kritisch beobachten. Sollte – was wahrscheinlich ist – am Ende stehen, dass eine Variante ohne Waldzerschneidung zwar möglich, aber teurer ist, müssten die Abgeordneten des Bundestages davon überzeugt werden, dass die Mehrkosten sinnvoll angelegt sind.

Upate: Eine Präsentation der Deutschen Bahn (pdf) erläutert diese politische Komponente, die nach einer Gesetzesänderung seit Anfang 2018 möglich ist. Eine vom Beteiligungsforum zu gründende Arbeitsgruppe „Parlamentarische Befassung“ soll die Forderungen der Region bündeln. Dazu gehört auch eine „Vorzugsvariante“. Alle Erkenntnisse und Ergebnisse bespricht das Beteiligungsforum und stimmt darüber ab. Das Bundesverkehrsministerium erhält von der Bahn die abgestimmten Forderungen, die dann zusammen mit einer Beschreibung und Gesamtbewertung des Projektes an das Parlament gehen.

Für Lampertheim und Neuschloß ist also wichtig, die Bundespolitik zu überzeugen. Genau das ist das Anliegen des geplanten Lichterzugs der Bürgerkammer durch den Wald am Freitag, 1. März. Er soll der Politik signalisieren, wir wichtig den Bürgerinnen und Bürgern ein solcher Beschluss wäre.

Mehr zum Thema finden Sie in unserer gebündelten Berichterstattung über die Neubaustrecke.

Die Bushaltestelle im Ulmenweg - jetzt mit offizieller Linie.

Bürgerkammer diskutiert RP-Papier zum Busverkehr

Fragen der Verkehrsführung stehen im Mittelpunkt der ersten öffentlichen Sitzung der Bürgerkammer Neuschloß in diesem Jahr. Sie beginnt am Donnerstag, 14. Februar, um 19 Uhr im Bürgersaal am Ahornplatz.

Hauptpunkt dürfte der nicht von allen Neuschlößern geliebte öffentliche Busverkehr sein. Erstmals liegt nun eine offizielle Stellungnahme zu der Frage vor, ob die großen Fahrzeuge weiter durch den Ahornweg rollen sollten oder nicht. Das Regierungspräsidium in Darmstadt hat das mit Spannung erwartete Papier verfasst.

Einige Anwohner hatten sich zuvor in der Bürgerkammer darüber beschwert, dass die Busse in zwei engen Kurven teils über den Gehweg fahren müssten. Das sei gefährlich. Daraufhin hatte die Stadtverwaltung stellenweise ein provisorisches Halteverbot (nicht Parkverbot) eingeführt, damit keine Autos die Busse blockieren. Die Stellungnahme des Regierungspräsidiums dürfte wichtig für die Entscheidung sein, ob das Halteverbot auf Dauer gilt.

Wie kann die Einmündung des Fuß- und Radwegs vom Wacholderweg zur Landesstraße sicherer werden? Welche Möglichkeiten gibt es, Autofahrer an die Tempo-30-Zone zu erinnern? Lässt sich der Unfallschwerpunkt westlich des Waldfriedhofs auf der L3110 entschärfen? Diesen und weiteren Fragen waren Mitte November Fachleute in einer Verkehrsschau vor Ort nachgegangen. Nun wird die Bürgerkammer die Antworten besprechen.

Auf der Tagesordnung stehen ferner der Kanalgeruch, der zuletzt besonders an Frosttagen deutlich zu bemerken war, der geplante Umbau des Waldfriedhofs und der Lichterzug gegen die ICE-Trasse durch den Wald am 1. März. Schließlich berichten die Initiative Bila, der Fahrgastbeirat und der Projektbeirat Altlasten über ihre Themen.

Helga Ried.

Helga Ried ist tot

Als die Lampertheimerin Helga Ried zu ihrer Großmutter nach Neuschloß zog, war sie ein 14 Jahre altes Mädchen. Es war im Oktober 1943. In dem alten Arbeiterhäuschen ihrer Großeltern im Alten Lorscher Weg lebte Helga Ried bis zuletzt. Ihren 90. Geburtstag konnte sie nicht mehr erleben; sie starb wenige Wochen vorher in der Nacht zum Samstag.

Helga Ried prägte Neuschloß gleich mehrfach. Zum einen beruflich, denn sie war beschäftigt beim Lampertheimer Architekten Dubois (später Rockenfeld), der die Nebenerwerbssiedlung der Heimatvertriebenen in Neuschloß plante. Das sind die gleichartigen Familienhäuser im Ulmen-, Buchen- und Lindenweg.

Sie stand auch politisch für Neuschloß. Helga Ried war von 1985 bis 1993 als Ortsvorsteherin die Spitze des Ortsbeirats – in einer Zeit also, als Neuschloß mit der zweiten Besiedlungsphase zu seiner heutigen Größe fand. Und als Stadtverordnete der SPD brachte sie von 1972 bis 2011 die Sicht unseres Stadtteils in die Debatten ein. Der Landesehrenbrief und der Titel Ratsfrau der Stadt sind formale Anerkennungen ihres Engagements.

Obwohl ihre Gesundheit sie in den vergangenen Jahren sehr einschränkte, zeigte Helga Ried immer wieder ihre Verbundenheit mit unserem Stadtteil. Sie besuchte öffentliche Veranstaltungen und berichtete für die Festschrift der Bürgerkammer zum 550-jährigen Bestehen von Neuschloß bereitwillig aus ihrem Leben. „Als ich kam“, erinnerte sie sich, „bestand Neuschloß aus wenigen Gebäuden. Bei uns gegenüber klaffte ein großes, etwa zwei Meter tiefes und langes Loch. Darin waren Grundmauern und Kanäle der ehemaligen Fabrik zu sehen. Im Kellergewölbe des Beamtenbaus, links neben dem Kellereingang zur Meute, war ein Luftschutzkeller eingerichtet.“

In den ersten Monaten nach dem Krieg hätten die US-Streitkräfte in dem kleinen Haus ihrer Familie ein Schreibbüro eingerichtet. „Wir mussten sehr beengt leben. Damals, um 1950, lebten in Neuschloß rund 160 Menschen. Zur Arbeit in Lampertheim kam ich mit dem Fahrrad oder zu Fuß“; die Buslinie nach Lampertheim entstand erst um 1960 als Ersatz für die eingestellte Bahnlinie Worms – Lampertheim – Viernheim – Weinheim. An Neuschloß schätzte Helga Ried „das ruhige und waldnahe Wohnen.“

Neben unserem Stadtteil trauert auch die SPD. Der Ortsverein Lampertheim vermisst eine „engagierte Sozialdemokratin, der das Wohl ihrer Mitmenschen am Herzen lag.“ Vor allem die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen sei ihr wichtig gewesen.

Die Trauerfeier mit Urnenbeisetzung am Donnerstag, 14. Februar, 11 Uhr, ist – entgegen unserer ersten Angabe – auf dem Stadtfriedhof.

Doch Geld für den Umbau der Bushaltestelle

Nimmt das Hin und Her beim geplanten großen Umbau der Bushaltestelle „Neuschloß Ort“ ein gutes Ende? Die Stadtverordnetenversammlung stellt auf Antrag der SPD jetzt doch Geld schon für das kommende Jahr bereit. 100.000 Euro sind nun für 2019 im Haushalt eingeplant.

Ziel des Umbaus ist zum einen, die Haltestelle für die Linien 644 und 602 so anzuheben, dass der Einstieg ebenerdig möglich ist.

Zum anderen würden die Busse künftig sowohl in Richtung Lampertheim als auch in Richtung Hüttenfeld in den Seitenweg abbiegen. Damit könnten die Fahrgäste in beide Richtungen in der Nähe der Grünanlage auf den Bus warten, und die Schulkinder aus dem alten Ortskern müssten auf dem Nach-Hause-Weg nicht wie bisher die viel befahrene Landesstraße überqueren.

Ein Projekt, das Neuschloß an zentraler Stelle schöner und sicherer machen wird!

Pläne für die Bushaltestelle "Neuschloß Ort"
Pläne für die Bushaltestelle „Neuschloß Ort“

Eigentlich sollte die Bushaltestelle „Neuschloß Ort“ schon längst in den sicheren Nebenweg der Landesstraße verlegt sein. Doch weil in Lampertheim vor der Bahnunterführung in der Neuschloßstraße der Kreisel und damit gleich die dortige Bushaltestelle neu gebaut wurde, trat unser Stadtteil zurück. Auf das Versprechen setzend, dass wir dann 2019 dran sind. Seien wir aber nicht, berichtete Erster Stadtrat Jens Klinger noch im September völlig überraschend der Bürgerkammer: „Hessen Mobil fördert das Projekt erst im Jahr 2020“.

Vorlegen wolle die Stadt dieses Geld im Herbst noch nicht: „Wenn wir einen Kredit aufnehmen für Haltestelle, verstoßen wir gegen das Haushaltsrecht“, erläuterte Klingler seinerzeit mit Blick auf geringere Gewerbeeinnahmen als erhofft. „Das Projekt ist fertig, es müsste nur ausgeschrieben werden. Aber aktuell sind alle Projekte gestoppt, die noch nicht ausgeschrieben sind“, hatte es geheißen. Wenn man hier anders vorgehen wollte, sei das „eine politische Entscheidung“. Diese politische Entscheidung wurde jetzt offenbar getroffen – zugunsten des Umbaus im kommenden Jahr.

Die Bushaltestelle in Richtung Hüttenfeld verschwindet hier - und wird ebenfalls in den gegenüber liegenden Seitenweg verlegt.
Die Bushaltestelle in Richtung Hüttenfeld verschwindet hier – und wird ebenfalls in den gegenüber liegenden Seitenweg verlegt.

Neuschloß ist ein Geopunkt

Die Geschichte von Neuschloß erzählt ausführlich die Festschrift der Bürgerkammer – und jetzt, zusammengefasst in wenige Absätze – auch eine Tafel vor dem Beamtenbau, die Neuschloß zum offiziellen Teil des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald macht.

Der Geopunkt wurde jetzt offiziell übergeben, unter anderem mit Bürgermeister Gottfried Störmer, der Vorsitzenden der Bürgerkammer Carola Biehal und der Lampertheimer Architektenfamilie Braun, der das historische Gebäude, um das im Wesentlichen geht, gehört.

 

Der Text legt einen Schwerpunkt auf die Fürstenzeit, spannt aber auch den Bogen über die Chemiefabrik bis zur Besiedelung und späteren Altlastensanierung. Am Rand steht eine englischsprachige Übersetzung für die internationalen Gäste in Neuschloß. Einige Illustrationen ergänzen die Erläuterungen.

Es ist die dritte Tafel dieser Art in Lampertheim. Eine weitere erklärt Altrhein und Biedensand, und auch die Lampertheimer Spargelhäuschen werden entsprechend gewürdigt.

Bürgermeister Störmer betonte in Neuschloß, er sehe die Tafeln als Teil des Bemühens, die touristische Attraktivität Lampertheims herauszuarbeiten. Nach der Übergabe ging es zu einem kleinen Empfang im Meutekeller – wo es Kaffee zum Aufwärmen gab.

Weihnachtsmarkt auf dem Ahornplatz

Der Weihnachtsmarkt auf dem Ahornplatz – in diesem Jahr war er noch kleiner, aber auch feiner als sonst. Beinahe wäre er ausgefallen, verriet Carola Biehal, die Vorsitzende der Bürgerkammer, in ihrer Begrüßung. Denn noch am Morgen hatten einige Standbetreiber wetter- und krankheitsbedingt abgesagt. Das Ergebnis war am Ende umso schöner.

Denn weil Steaks und Würstchen ausfielen, näherten sich die Gäste den eher ungewöhnlichen Angeboten. Eierwein beispielsweise oder Pommes mit Kochkäse. Andrang und Lob waren riesig. Genau wie vor Familie Castellanis Pizzaofen, das aber schon traditionell.

Das gilt natürlich auch für den Auftritt des Posaunenchors der evangelischen Johannesgemeinde und der Mädchen und Jungen des Kindergartens im Wacholderweg, die einige Lieder vortrugen. So schön und laut, dass es sogar der Nikolaus hörte, der herbeieilte und als Dank Adventskalender verteilte.

Zum 26. Mal feierte Neuschloß den Markt. Seit dem Jahr 1992 bauen vor allem Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils am ersten Adventssonntag auf dem Ahornplatz ihre Stände auf. Sie verkaufen Handarbeiten, backen und braten Essen, schenken Glühwein aus und Kinderpunsch. Und schaffen damit einen gemütlichen Rahmen zum Plaudern.

Beim Weihnachtsmarkt stellten sich auch die Neuschlößer Einrichtungen vor. Dabei waren unter anderem der städtische Kindergarten, der Sportclub Kurpfalz und die Johannesgemeinde, die in ihrem Gemeinderaum Kaffee und Kuchen anbot. Petra Bärwald verkaufte ihre liebevolle Kinderkleidung.

Organisiert wurde der Weihnachtsmarkt in diesem Jahr von der Bürgerkammer. Sie bot den Gästen auch als unterhaltsame Lektüre oder schönes Geschenk noch einmal die Festschrift zum Neuschloß-Jubiläum an mit der kurzweilig dargestellten Geschichte des Stadtteils. Um Sound und Licht kümmerte sich professionell der Neuschlößer Christopher Irrgang.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Helfen weitere Markierungen auf den Straßen - wie hier im Alten Lorscher Weg?

Ergebnisse der Verkehrsschau in der Bürgerkammer

Busverkehr, Tempo 30, unübersichtliche Fahrradwege – Fragen des Verkehrs bewegen viele Neuschlößer, was sich in den Treffen der Bürgerkammer widerspiegelt. In der öffentlichen Sitzung am Donnertag, 15. November, 19 Uhr, könnte es in diesen Themen einen entscheidenden Schritt vorangehen: Präsentiert werden dann die Ergebnisse einer ganz frischen Verkehrsschau vom vergangenen Samstag. Wie immer kommt die Kammer im Bürgersaal am Ahornplatz zusammen.

Mit dem Busverkehr und dem Fahrgastbeirat stehen zwei weitere Verkehrsthemen explizit auf der Tagesordnung. Weitere Punkte sind der Kanalgeruch und der städtische Haushaltsplan.

Spannend verspricht auch der Bericht der Bila über die geplante Neubautrasse der Bahn werden, nachdem das Bundesverkehrsministerium vor einigen Tagen Pläne zu den Verkehrsknoten in Mannheim und Frankfurt vorgelegt hat. Die Anforderungen an die neuen Gleise stehen in einen inhaltlichem Zusammenhang.

Hier die komplette Tagesordnung.

Debakel für die CDU in Neuschloß

Die Landtagswahl bringt dramatische Verschiebungen der politischen Verhältnisse von Neuschloß. In der Folge liegen die drei stärksten Parteien bei den Zweitstimmen nun eng beieinander: 22,8 Prozent für die CDU, 21,3 Prozent für die SPD und 20,1 Prozent für die Grünen. Die AfD ist mit 17,6 Prozent vierte Kraft – für hessische Verhältnisse ist das viel, für Lampertheimer Verhältnisse Durchschnitt. Die FDP erreicht 11,1 Prozent.

Zweitstimmen Landtagswahl 2018 in Neuschloß

 

Damit verliert die CDU ganz massiv – nämlich fast die Hälfte der Stimmen: Bei den vergangenen Landtagswahlen im Jahr 2013 kamen die Christsozialen noch auf beachtliche 41,3 Prozent in Neuschloß. Damals vereinte die AfD nur 4,1 Prozent der Stimmen auf sich. Die Grünen gewinnen gut 12 Prozent.

Zweitstimmen Landtagswahl 2013 in Neuschloß

 

Erststimmen Landtagswahl 2018 in Neuschloß

Beim Kampf um die Erststimme gewinnt der Lampertheimer SPD-Kandidat Marius Schmitt sehr deutlich mit 36,7 Prozent. Sein CDU-Herausforderer und Amtsinhaber Alexander Bauer schafft nur 21,7 Prozent.

Markierung des möglichen Verlaufs der ICE-Trasse bei Neuschloß.

Wann rückt die Bahn mit ihren Neubauplänen raus?

Wartet die Bahn nur noch auf einen strategisch günstigen Zeitpunkt, um zu verkünden, wo ihrer Ansicht nach künftig die Schnellzüge zwischen Mannheim und Frankfurt fahren sollen? Die Bürgeriniative Lampertheim (Bila) befürchtet das.

„Die Knotenstudien der Bahn für Mannheim und Frankfurt sind fertig, auch das Bundesverkehrsministerium hat seine Untersuchungen abgeschlossen“, sagte Bila-Sprecher Karl-Hans Geil in der Bürgerkammer. Jetzt seien nur noch Details zum Deutschlandtakt offen.

Karl-Hans Geil.
Karl-Hans Geil.

Die Bahn aber sage, es fehlten wesentliche Informationen für die weiteren Planungsschritte. Erst wenn neue Ergebnisse vorlägen, wolle sie wieder zu einem Beteiligungsforum einladen. In diesem Gremium sind neben Kommunen, Landkreisen, Behörden und Ministerien auch Bürgerinitiativen, Umwelt- und Fahrgastverbände oder Kammern vertreten.

Für die Bila klingt das nach einer bewussten Verzögerung. „Wir vermuten, dass die Bahn erst direkt nach der Landtagswahl mit ihren Plänen an die Öffentlichkeit gehen will, um das politische Vakuum bis zur Bildung einer neuen Regierungskoalition zu nutzen“, sagte Geil.

Die Bila spricht sich neuerdings (und auch in der Bürgerkammer) für eine viergleisige Neubaustrecke aus – zwei Gleise für den Personenfernverkehr wie geplant und zusätzlich zwei Gleise für den lauten und zunehmenden Güterverkehr. Das würde die Anwohner an den Bestandsstrecken, etwa durch Lampertheim, entlasten. Außerdem hofft die Initiative, dass eine dann sehr breite Trasse nicht quer durch den Wald an Neuschloß vorbei gelegt würde.

Güterverkehr durch das Rheintal. (Quelle: Bila)
Güterverkehr durch das Rheintal. (Quelle: Bila)

So nachvollziehbar das klingt: Im Bundesverkehrswegeplan sind nur zwei Gleise vorgesehen; grundlegende Änderungen, wie sie eigene zusätzliche Gütergleise wären, erscheinen wenig wahrscheinlich. Dagegen spricht vor allem, dass es an der gesetzlich vorgeschriebenen Wirtschaftlichkeit von vier Gleisen mangeln dürfte. Weitere Details zu diesen Fragen sind einer interessanten Diskussion im bundesweiten Bahnkenner-Forum Drehscheibe Online nachzulesen.

Hintergrund: ICE-Trasse bei Neuschloß

Schnellzüge fahren bisher schon auf ausgebauten Strecken zwischen Köln und Frankfurt und zwischen Mannheim und Stuttgart. Es liegt nahe, die Lücke zwischen Frankfurt und Mannheim zu schließen. Genauso sinnvoll erscheint es, die Züge an einem neuen Fernbahnhof zwischen Heidelberg und Mannheim halten zu lassen – damit sie sich den zeitaufwendigen Weg in die Mannheimer Innenstadt sparen. S-Bahnen könnten eine Anbindung in wenigen Minuten ermöglichen.

Doch für Mannheim ist das nicht denkbar. Seit etwa 20 Jahren pochen Politiker, Einzelhändler und lokale Medien auf einen ICE-Halt am Hauptbahnhof. Um das der Bahn schmackhaft zu machen, schlägt im Jahr 2000 der damalige Mannheimer SPD-Bundestagsabgeordnete Lothar Mark eine flotte Trasse vor, die von Lorsch kommend quer durch den Wald und direkt an Neuschloß vorbeigeht.

In Lampertheim und Neuschloß regt sich dagegen Protest, den die Bila-Initiative koordiniert. Sie setzt auf einen Konsens in der Region, die Schienen möglichst lange mit den Autobahnen 67 und 6 zu bündeln – um so auf dem Weg zum Mannheimer Hauptbahnhof einen Bogen um Neuschloß zu machen. Der Schwur gelingt. Wie gut er in der Not hält, wird sich zeigen.

Bürgerkammer fordert Kanalneubau

Die Bürgerkammer fordert eine neue Strategie, um gegen den Kanalgeruch vorzugehen. Die Abwässer, die über eine Druckleitung aus Hüttenfeld kommen, dürften nicht mehr in die Neuschlößer Kanäle eingeleitet werden. Stattdessen soll die Verwaltung prüfen, wie vielversprechend eine direkte Leitung vom bisherigen Übergabepunkt am Forsthaus an der Landesstraße (Bild oben) bis zur Pumpstation am kleinen Waldfriedhof-Parkplatz ist. Zugleich sollen Voraussetzungen und Aufwand für die etwa 700 Meter weite Verlängerung der Druckleitung aus Hüttenfeld geklärt werden.

„Wir müssen das Übel am Grund anpacken“, begründete Michael Bayer den Vorstoß. Das Bürgerkammer-Mitglied ist auch Macher von Neuschloss.net. Über ein Formular laufen dort die Beschwerden der Bürgerinnen und Bürger ein. „Es sind so viele Meldungen wie noch nie, und der Ton wird zunehmend rauer. Die Neuschlößer verlieren die Geduld“, berichtete Bayer.

Erster Stadtrat Jens Klinger zeigte Verständnis für die Forderung. „Eine endgültige Lösung gibt es nur, wenn man grundsätzlich an den Kanal herangeht“, sagte er. Die Verwaltung überlege, mit Entlüftungen im Wald zwischen Hüttenfeld und Neuschloß kurzfristig etwas Abhilfe zu schaffen.

Abwasserpumpstation in Neuschloß am kleinen Waldfriedhof-Parkplatz
Abwasserpumpstation in Neuschloß am kleinen Waldfriedhof-Parkplatz

Der Kanalgeruch ärgert die Neuschlößer schon seit vielen Jahren, wie unsere Themenseite zeigt. Nach bisheriger Kenntnis entsteht der Gestank, weil sich an Unebenheiten feste Bestandteile des Abwassers festsetzen und dann riechen.

Im Herbst 2017 hatte die Stadt zwei Schwallklappen in den Neuschlößer Kanal einbauen lassen. Sie stauen das Abwasser auf und schicken es anschließend auf einen Schlag auf die Reise – die Spülung soll das festgesetzte Material mitnehmen. Im trockenen Sommer scheiterte dieses Verfahren aber offenbar daran, dass im Kanal nicht genug Wasser zum Aufstauen vorhanden war. Zudem sei die Anlage zeitweise wegen Hitzeschäden ausgefallen, berichtete Klingler.

Verkehrsschau soll Problemecken entschärfen

Verkehrsfragen standen im Mittelpunkt der öffentlichen Sitzung der Bürgerkammer Neuschloß Anfang September. Alle genannten Probleme soll eine Verkehrsschau vor Ort veranschaulichen und auch lösen.

Tempo 30 ist in Neuschloß auf Schildern verblasst – wie unser Bild aus dem Erlenweg zeigt. Und auch bei den Autofahrern wohl in Vergessenheit geraten. Dass jenseits der Landesstraße im kompletten Stadtteil maximal 30 erlaubt ist, sei vielen nicht klar, beobachtet die Bürgerkammer. Zu den Rasern gehörten Anwohner genauso wie Paketdienstfahrer oder Handwerker, heißt es in einer Anfrage von Sonja Hilbert. „Ich habe Autofahrer angesprochen – und häufig als Antwort gehört, es sei nicht bekannt, dass Tempo 30 in Neuschloß flächendeckend gelte. Die Schilder gleich nach der Landesstraße würden doch nur bis zur nächsten Kreuzung gelten, hieß es fälschlich.“ Hilbert schlägt vor, auf den Straßen im Stadtteil vermehrt entsprechende Markierungen aufzumalen.

Helfen weitere Markierungen auf den Straßen - wie hier im Alten Lorscher Weg?
Helfen weitere Markierungen auf den Straßen – wie hier im Alten Lorscher Weg?

Mehrere Neuschlößer lenkten die Aufmerksamkeit der Bürgerkammer auf die Fußgängerampel an der L3110 in Höhe der Bushaltestelle. Dort missachteten Autofahrer immer wieder das Rotlicht. Heidrun und Helmut Kemnitzer fragen an, wie diese Gefahr entschärft werden könne – und geben die via Facebook übermittelte Idee der Bürger weiter, die neu installierte Radaranlage zur Geschwindigkeitsüberwachung entsprechend zu erweitern.

Das Haltesignal der Fußgängerampel sehen manche Autofahrer eher als Anregung.
Das Haltesignal der Fußgängerampel sehen manche Autofahrer eher als Anregung.

Als Gefahrenpunkt sieht die Bürgerkammer auch die Mündung des Fuß- und Radwegs zwischen Kindertagesstätte und Krippe auf den Weg an der Landesstraße. „Wegen der Sichtschutzzäune der Kindereinrichtungen besteht keine Möglichkeit zu erkennen, ob sich auf dem jeweils anderen Weg ein Verkehrsteilnehmer nähert.“

Unübersichtliche Einmündung des Fuß-/Radwegs zwischen den Kindereinrichtungen auf die Landesstraße.
Unübersichtliche Einmündung des Fuß-/Radwegs zwischen den Kindereinrichtungen auf die Landesstraße.

Das Neuschloß-Jubiläum

Neuschloß erlebte ein rauschendes Fest. Zwei Tage lang erinnerten sich die viele hundert Gäste an die Anfänge des Stadtteils. Der 10. September 1461 steht als Datum auf einer Urkunde, „aus­ge­fer­tigt auf dem neu­en Schloss Frie­drichs­burg“ – das älteste Dokument, das die Anlage, erbaut vom Pfälzer Fürsten Friedrich I., belegt.

Klar, dass die Jubiläumsfeier der Bürgerkammer immer wieder historische Bezüge aufwies. Naheliegend war da der Beamtenbau, der letzte bestehende Rest der ursprünglich viel größeren Schlosslage. In den Abendstunden bunt illuminiert, zeigte er sich wortwörtlich in einem völlig anderen Licht.

Das illuminierte Schloss.
Das illuminierte Schloss.
Das illuminierte Schloss.
Das illuminierte Schloss.
Das illuminierte Schloss.
Das illuminierte Schloss.

Die Lampertheimer Architektenfamilie Braun, der das Gebäude gehört, öffnete die Türen – und zeigte den Gästen die derzeit entkernten und damit auf ihre usprüngliche Schönheit reduzierten Räume.

Zugleich präsentierten dort Rita Eberhard, Heike Herbert und Bernd Wegerle aus Neuschloß sowie von Marlies Walkowiak, die Illustratorin der Neuschloß-Festschrift, Zeichnungen und Gemälde. Suzanne van Os spielte dazu zeitweise leise Töne mit einer Laute.

Kunstausstellung im entkernten Schloss.
Kunstausstellung im entkernten Schloss.
Kunstausstellung im entkernten Schloss.
Kunstausstellung im entkernten Schloss.
Kunstausstellung im entkernten Schloss.
Kunstausstellung im entkernten Schloss.
Kunstausstellung im entkernten Schloss.
Kunstausstellung im entkernten Schloss.
Kunstausstellung im entkernten Schloss.
Kunstausstellung im entkernten Schloss.

Ausstellung und Gebäude stießen auf riesiges Interesse – und das zurecht. Das Ambiente war beeindruckend. Fast würde man sich wünschen, das sich beim weiteren Umbau im Inneren nur so viel wie unbedingt nötig ändert.

Einblicke in die Vergangenheit gab auch der Historische Tanzkreis aus Bensheim, der für zwei Tage seine Zelte auf der Rasenfläche an der Landesstraße aufschlug. Immer wieder kamen die fröhlichen Frauen und Männer in ihren Trachten zum Festzelt, präsentierten jahrhundertealte Tänze – und riefen teils das Publikum zum Mitmachen auf.

Der Historische Tanzkreis Bergstraße.
Der Historische Tanzkreis Bergstraße.

Aber es gab natürlich auch zeitgenössische Unterhaltung. Die Band der Musiker-Initiative Lampertheim prägte den Samstagabend. Internationalen Rock hat sie genauso im Programm wie muntere deutsche Schlager; und als es langsam gegen Mitternacht ging, stand plötzlich auch der Lampertheimer Sänger Bernd „Schepper“ Schäfer auf der Bühne, mitreißend wie immer.

Die Musiker Initiative Lampertheim mit Bernd „Schepper“ Schäfer.
Die Musiker Initiative Lampertheim mit Bernd „Schepper“ Schäfer.

Am Sonntagnachmittag zeigte mit „Second Chance“ eine zweite Lampertheimer Künstlerformation, was sie kann. Die Band aus dem Umfeld der Musikschule hatte einer ihrer allerersten Auftritte bei einem Schlossfest – und hat sich, wie das Publikum feststellen konnte, seither deutlich weiterentwickelt.

Die Musikschulen-Band „Second Chance“ zum zweiten Mal in Neuschloß.
Die Musikschulen-Band „Second Chance“ zum zweiten Mal in Neuschloß.

Auf der Bühne stand schließlich noch die Neuschloß-Band VoxFour. Und auch die Mädchen und Jungen aus dem städtischen Kindergarten im Wacholderweg trugen ihren musikalischen Teil zum Fest bei.

Gitte Weidenauer von der Bürgerkammer stellte ein Neuschloß-Quiz vor, das sich als gar nicht so einfach erweisen sollte: Anhand der Detailbilder von Dächern und Vorgärten aus bestimmten Straßen sollten die Hausnummern ermittelt und zusammengezählt werden. Immerhin gut zwei Dutzend Ortskundige gaben ihre Lösung ab, bis auf eine alle richtig. Als Belohnung gab es einige schöne Preise.

Talkrunden auf der Bühne, moderiert von Gisela Bürkel und Michael Bayer, lockerten das Programm auf. Das galt beispielsweise für die Grußworte aus der Politik zum offiziellen Start der Veranstaltung. Bürgermeister Gottfied Störmer sollte als gebürtiger Lampertheimer verraten, was ihm beim Thema Neuschloß als erstes einfällt – ohne aber die Worte „Altlasten“ und „Millionen“ zu verwenden. Seine Antwort: „Sodabuckel“.

Landrat Christian Engelhardt (CDU), der in Mittelhessen studierte, sollte einschätzen, ob das Marburger Schloss oder das unsrige schöner ist – was natürlich angesichts der prachtvollen Marburger Anlage kaum eine Frage ist. Dennoch verzichtete Engelhardt elegant auf ein eindeutiges Urteil – und schlug vor, er schaue sich vor einer Antwort erst noch am Abend unseren illuminierten Beamtenbau an. Und tatsächlich: Gegen 22 Uhr tauchte Engelhardt erneut in Neuschloß auf und feierte mit.

Auch Thomas Bittner von der Lampertheimer FDP, der Vorsitzende der Bergsträßer SPD und Landtagskandidat Marius Schmidt und der direkt gewählte Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär Michael Meister (CDU) gratulierten den Neuschlößern.

Grußworte aus der Politik - links der Bundestagsabgeordnete Michael Meister (CDU).
Grußworte aus der Politik – links der Bundestagsabgeordnete Michael Meister (CDU).

Interessant übrigens, wie viele Politiker rückblickend die Altlastensanierung lobten und auf ihre Fahnen schrieben. Die Neuschlößer erinnern sich freilich noch gut daran, wie sehr sie viele Jahre lang kämpfen mussten, bis der Altlastenverein den Sanierungs-Rahmenvertrag mit Stadt und Land unterschreiben konnte.

Der Sonntag startete mit einem ökumenischen Gottesdienst. Pfarrer Reinald Fuhr von der evangelischen Johannesgemeinde in Neuschloß und Patrick Fleckenstein von der Lampertheimer St-Andreas-Gemeinde gestalteten ihn gemeinsam mit dem Thema Heimat. Die musikalische Begleitung übernahm de Gospelchor Ephata unter der Leitung von Maria Karb – und erhielt viel Applaus dafür.

Am Anfang und Schluss des Festes gleichermaßen erklangen die Jagdhörner der Wormer Jäger. Kein Zufall: Ohne die Vorliebe der Pfälzer Kurfürsten fürs Jagen hätte es kein Jagdschloss gegeben – und damit möglicherweise keinen Anlass, das Stadtteil-Jubiläum zu feiern.

Die Neuschlößer Jägerin Beatrix Holz bläst das Jagdhorn, umrahmt von Mitgliedern der Bürgerkammer.
Die Neuschlößer Jägerin Beatrix Holz bläst das Jagdhorn, umrahmt von Mitgliedern der Bürgerkammer.


Presseschau

Das Jubiläumsprogramm

Um 11 Uhr erklingen am Samstag im Schlosshof die Jagdhörner – etwa so wie vor 550 Jahren, als die Fürsten zu ihren Jagdspektakeln aufbrachen. Die Bläser geben am Wochenende das Startsignal für die Jubiläumsfeier von Neuschloß.

Die Bürgerkammer lädt ein zu einem zweitägigen Programm mit viel Unterhaltung, Geschichtlichem, Livemusik – und einem ökumenischen Gottesdienst im Festzelt. Viele Neuschlößer gestalten es mit.

Ein kleiner Glücksfall ist, dass das alte Schlossgebäude derzeit umgebaut wird – und sich innen völlig entkernt in seiner gesamten Schönheit zeigt. Der Beamtenbau – so die eigentliche Bezeichnung des Gebäudes – öffnet seine Türen; der Besitzer und Lampertheimer Architekt Franz-Rudolf Braun bietet 30-minütige Führungen für kleinere Gruppen an.

Das ungewöhnliche Ambiente bildet auch den Rahmen einer Kunstausstellung. Rita Eberhard, Heike Herbert und Bernd Wegerle aus Neuschloß sowie Marlies Walkowiak, die Illustratorin der Festschrift, zeigen im Erdgeschoss ihre Zeichnungen und Gemälde. Die Musikerin Suzanne van Os begleitet zeitweise die Schau mit ihrem Spiel auf einer Laute. Schließlich erinnern Fotos an Stationen der Neuschlößer Geschichte; der Projektbeirat zeigt seine eindrucksvolle Dokumentation der Altlastensanierung.

Auf dem Rasen vor dem Schloss baut der Historische Tanzkreis Bensheim sein Zeltlager auf. Die Darsteller tragen Kleidung aus früheren Zeiten und spielen auf alten Musikinstrumenten. Geschichtliche Darbietungen beziehen das Publikum mit ein.

Im Festzelt im Innenhof läuft über beide Tage hinweg ein Bühnenprogramm. Am Anfang (Samstag, 11 Uhr) stehen Grußworte und ein kleiner historischer Rückblick. Am Mittag (13 Uhr) treten die Mädchen und Jungen des kommunalen Kindergartens im Wacholderweg auf. Der Abend wird musikalisch: Von 18 Uhr an spielt die Neuschloß-Band „VoxFour“, und von 20 Uhr bittet die Band der Musiker-Initiative Lampertheim zum Tanz.

Der Sonntag startet um 10 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst. Pfarrer Reinald Fuhr von der evangelischen Johannesgemeinde in Neuschloß und Patrick Fleckenstein von der Lampertheimer St-Andreas-Gemeinde gestalten ihn gemeinsam. Musikalisch begleitet wird der Gottesdienst vom Gospelchor Ephata unter der Leitung von Maria Karb.

In den Sonntag-Nachmittag begleitet die Band „Second Chance“ der Musikschule die Gäste (14 Uhr), bevor um 16 Uhr erneut Jagdhörner erklingen – und das Signal „Jagd beendet“ geben.

Um die Verpflegung der Gäste kümmern sich die Neuschlößer Vereine Meute und Sportgemeinde Kurpfalz sowie Familie Castellani. Den kleinen Gästen verspricht das städtische Spielmobil am Samstag Abwechslung. Durch das Programm führen Gisela Bürkel und Michael Bayer.

Am Festwochenende erhältlich ist noch die Festschrift zum 550-jährigen Bestehen, die unterhaltsam und informativ die ältere und vor allem jüngere Geschichte des heutigen Lampertheimer Stadtteils erzählt. Enthalten ist eine historische Karte, die zeigt, wie sich unsere Gegend im Laufe der Jahrhunderte verändert und entwickelt hat – Flussläufe, Fernwege, Wälder. Nicht zuletzt kommen Bewohnerinnen und Bewohner zu Wort, die in verschiedenen Jahrzehnten nach Neuschloß zogen – und in der Festschrift von ihren Erwartungen, Ängsten und Erfahrungen berichten.

Das Heft ist ebenfalls erhältlich im Rathaus-Service sowie im Neuschlößer Kiosk am Ahornplatz für 5,50 Euro.

Das Programm auf einen Blick

Samstag, 18. August

11.00 Uhr

Eröffnung

Historischer Rückblick Neuschloß

13.00 Uhr

Auftritt Kindergarten Neuschloß

14.30 und 15.30 Uhr

Suzanne van Os spielt auf der Laute in der Kunstausstellung

18.00 Uhr

Livemusik: Neuschloß-Band „VoxFour“

20.00 Uhr

Band der Musiker Initiative Lampertheim spielt zum Tanz

Sonntag, 19. August

10.00 Uhr

Ökumenischer Gottesdienst, musikalische Gestaltung durch den Chor Ephata

14.00 Uhr

Livemusik: Band der Musischule „Second Chance“

16.00 Uhr

Jagdhörner blasen das Signal „Jagd beendet“

Durch das Programm führen Gisela Bürkel und Michael Bayer.

Rahmenprogramm

  • Zeltlager des Historischen Tanzkreises Bensheim mit mittelalterlicher Musik rund um das Schloss
  • Kunstausstellung im Schloss
  • Führungen durch das entkernte Schloss mit Franz-Rudolf Braun, Lampertheimer Architekt und Eigentümer des historischen Gebäudes

Blick in den Kanal.

Der Kanal stinkt wie nie

Eigentlich hatte Neuschloß gehofft, das stinkende Problem sei gelöst. Doch die Hinweise der Anwohner über die Meldefunktion von Neuschloss.net sprechen eine andere Sprache. Alleine im Juli sind bisher mehr als ein Dutzend Beschwerden eingegangen über unangenehmen oder kaum erträglichen Kanalgeruch – so viele wie nie in so kurzer Zeit.

Die Beschwerden der Neuschlößer

Einige Zitate aus dem Meldungen.

„Der Kanal riecht sehr stark und unangenehm am Samstag, 7. Juli, im Akazienweg.“

„Seit unserer Rückkehr vom Urlaub am Sonntag, 15. Juli, bis heute, 19. Juli, unangenehmer bis kaum erträglicher Kanalgeruch im Ulmenweg.“

„Beim Frühstück auf der Terrasse ist der Kanalgeruch wahrnehmbar und unangenehm beim Frühstücken. Ecke Buchenweg – Lindenweg.“

„Seit Tagen sehr unangenehm, so dass man auch von Besuchern auf den Gestank angesprochen wird. Auch als es noch nicht so warm war. Im Ulmenweg.“

Die Formulierungen zeigen, wie sehr sich die Neuschlößer davon belästigt fühlen. Und sie machen klar: Das Geruchsproblem entsteht nicht nur in einer bestimmten Ecke des Stadtteil. Mit dem Linden-, Buchen-, Ulmen- und Akazienweg ist vielmehr der komplette Verlauf des Kanalhauptstrangs durch den Stadtteil betroffen.

Bis zum Sommer konnten die Neuschlößer hoffen, dass die im vergangenen Herbst zwei eingebauten automatischen Kanalspülanlagen den Geruch vertreiben. Seit sie in Betrieb sind, stank es deutlich weniger – bis Anfang Juli. Erster Stadtrat Jens Klingler hatte jüngst in einer öffentlichen Sitzung der Bürgerkammer berichtet, die Verwaltung könne Parameter der Anlage wie die Häufigkeit der Spülungen verändern und setze deshalb auf Rückmeldungen der Bürger. Denkbar sei auch, eine dritte Spülanlage einzubauen, hatte Klinger gesagt.

Die Stellungnahme der Stadtverwaltung

Neuschloss.net hat die Stadtverwaltung jetzt gefragt, wie sie kurz- und mittelfristig auf die neue Entwicklung reagieren will. Die Pressestelle übermittelte uns daraufhin eine schriftliche Erklärung, in der es einleitend heißt, man nehme die Beschwerden über den Kanalgeruch in Neuschloß sehr ernst.

Wichtig für Neuschlößer ist die Information, dass wir es indirekt selbst in der Hand haben, wie oft der Kanal gespült wird, um Ablagerungen zu beseitigen. In der Stellungnahme heißt es nämlich, „bei eingehenden Geruchsmeldungen“ werde „gegebenenfalls der Kanal gespült.“ Solche Hinweise an die Verwaltung sind wie seit Jahren möglich über das Formular auf Neuschloss.net und über den allgemeinen Mängelmelder der Stadt.

Weiterer Ansatzpunkt der Verwaltung ist das Abwasser aus Hüttenfeld. Es kommt über eine Druckleitung nach Neuschloß – und wird in der Höhe des Forsthauses an der L3110 in das normale Kanalsystem übergeben. Dann dreht das Abwasser eine große Runde durch unseren Stadtteil, bevor es im Sammelbecken am hinteren Waldfriedhof-Parkplatz wieder in einer Druckleitung zur Kläranlage verschwindet. Im Abwasserpumpwerk in Hüttenfeld geben die Arbeiter jetzt mehr Sauerstoff zu, was den Geruch vermindern soll. Zudem wird der aus Richtung Hüttenfeld kommende Kanal derzeit wöchentlich durchgespült – „um den gewünschten Effekt der Schwallwasserspülklappen zu erzielen“, wie es erläuternd heißt.

Ferner seien am 18. Juli die Filter in den Kanälen komplett erneuert worden. Mittelfristig sei geplant, die einzelnen Hausanschlüsse zu prüfen und Geruchsmessungen durchzuführen.

Welchen Effekt all diese Dinge haben, wird sich zeigen müssen. Wichtig sind deshalb weiter die Rückmeldungen der Neuschlößer. Die Stadtverwaltung scheint sich selbst nicht sicher zu sein. Sie schreibt abschließend, sie hoffe „mit diesen Maßnahmen, das Problem in den Griff zu bekommen.“ Allerdings trage „die derzeitige Wetterlage mit andauernder Hitze und kaum Regen nicht zwangsläufig zu einer Entspannung der Geruchsbelästigungen bei.“

„Meute“-Event zum Triathlon

Wenn bei Großevents Sportlerinnen und Sportler unseren Stadtteil kreuzen, lassen sich die Neuschlößer nicht zweimal bitten. Wie beim Spargellauf gab es auch beim Triathlon laute Unterstützung am Wegesrand.

Die „Meute“ hatte wieder an der Landesstraße ihre Zelte, Tische und den Grill aufgebaut. Kurz nach halb elf saußten dann die ersten Radfahrer vorbei – unter dem Applaus der Neuschlößer. Nach einer guten Viertel Stunde war der sportliche Teil erledigt.

Das Publikum freilich blieb noch eine gute Weile – kein Wunder, rockte die Band „Tornschlabbe“ doch ordentlich durch den Vormittag.

Hier weitere Bilder von dem „Meute“-Event.

Abgesperrte Straßen bedeuten in Neuschloß meist Gutes.
Abgesperrte Straßen bedeuten in Neuschloß meist Gutes.
Richtig, es wird gefeiert.
Die "Meute" ruft den Stadtteil zusammen, um an der Landesstraße die Triathlon-Sportler anzufeuern.
Mit dabei: Livemusik, Gegrilltes und Getränke.
Weitere Eindrücke.
 
 

Mehr Betreuungsplätze in Pestalozzischule und Kindergarten

An der Pestalozzischule, wo auch die Neuschlößer Kinder lernen, können im neuen Schuljahr mehr Mädchen und Jungen in die Nachmittagsbetreuung gehen als bisher. Allerdings wird es genügend Plätze erst nach den Herbstferien geben. Das berichtet heute der Südhessen Morgen. Dann soll eine vierte Gruppe mit 17 Plätzen öffnen.

Direkt zum Schuljahresbeginn werden zunächst sechs Kinder zusätzlich in die bestehenden Gruppen aufgenommen. Gleichzeitig werden dann die räumlichen Voraussetzungen geschaffen, um die vierte Gruppe öffnen zu können. Bisher können 75 Grundschüler nach Schulschluss bis spätestens 16.30 Uhr betreut werden. Getragen wird die Einrichtung von einem Elternverein.

Auch der kommunale Kindergarten in Neuschloß stockt auf. Nach den Ferien wird er mit 60 Kindern und 16 Erzieherinnen voll ausgelastet sein. Passend zum 30. Geburtstag der Einrichtung gibt es ein großes Geschenk: Der Kindergarten erhält ein neues Außengelände. Eine Investition im Wert von 20.000 Euro, wie ebenfalls der Südhessen Morgen berichtet.

Trauer um Traudel Neudecker

Neuschloß trauert im Gertrude („Traudel“) Neudecker. Eine Krankheit hat sie nur 67 Jahre alt werden lassen. In den Achtzigerjahren war sie mit ihrer Familie in den Wacholderweg gezogen – und engagierte sich bald über mehrere Wahlperioden hinweg im Ortsbeirat. Sie gehörte von 1997 bis 2016 zur FDP-Fraktion, die der seinerzeitige Ortsvorsteher Gottlieb Ohl führte.

In den Treffen des Stadtteilgremius gehörte Traudel Neudecker nicht zu jenen, die zu jedem Thema lange Reden halten. Lieber griff sie mit kurzen, klaren Stellungnahmen ein, wenn es in einer Debatte galt, zu einer Lösung zu kommen.

Zuhilfe kam ihr bei ihrer Arbeit, dass sie viel im Stadtteil unterwegs und dabei mit den Neuschlößern im Gespräch war. Daraus resultierende Anregungen brachte sie in den Ortsbeirat ein – etwa, dass der Fuß- und Radweg zwischen Landesstraße und Wacholderweg eine Beleuchtung braucht. Und so muss es auch nicht verwundern, dass Traudel Neudecker es war, die nach einiger allgemeiner Ratlosigkeit auf die Idee kam, wo man den lange erwünschten Bolzplatz bauen könnte – am Spielplatz im Alten Lorscher Weg nämlich.

Die Bürgerkammer erinnerte in ihrer jüngsten öffentlichen Sitzung an die Verstorbene mit einer Gedenkminute. Auch der Südhessen Morgen würdigte die engagierte Neuschlößerin.

Ergänzung vom 20. Juni 2018: In den Tageszeitungen erscheinen heute Traueranzeigen. Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass und Bürgermeister Gottfried Störmer schreiben, der Tod von Traudel Neudecker habe große Betroffenheit ausgelöst. Beide erinnern daran, dass sich die Kommunalpolitikerin auch in der Stadtverordnetenversammlung und in einigen Kommissionen für die Belange ihrer Mitbürger aktiv und ehrenamtlich zur Verfügung gestellt habe.

Das Team der Kinderarztpraxis Peter Bärwinkel trauert um eine „ehemalige Mitarbeiterin, Kollegin, Freundin und gute Ratgeberin“. Es beschreibt Traudel Neudecker als „große Persönlichkeit, die stets liebevoll, hilfsbereit und dabei immer geduldig mit ihren Mitmenschen und den vielen kleinen Patienten“ umgegangen sei.

Die Trauerfeier mit anschließender Urnenbeisetzung ist am Dienstag, 26. Juni, 10 Uhr, auf dem Waldfriedhof. Anstelle von Blumen bitten die Hinterbliebenen um eine Spende an die Kinderhospiz „Sterntaler“ (IBAN DE19 4306 0967 6026 3478 00, Stichwort „Traudel Neudecker“).

Bushaltestellen in Neuschloß.

Bürgerkammer findet Kompromiss beim Busverkehr

Die Bürgerkammer setzt sich dafür ein, dass die Busse der Linien 602 und 605 weiter im Ulmenweg halten. Sie begrüßt, dass den Ahornweg-Anwohnern mit kurzen Bussen an Wochenenden und in den Ferien bereits entgegen gekommen wird. Und sie setzt darauf, im Zuge einer Neuordnung des Lampertheimer Busverkehrs mit dem S-Bahn-Start zu einer Gesamtlösung zu kommen.

Der Beschluss im Wortlaut:

  • Die Bürgerkammer begrüßt, dass die Sorgen der Ahornweg-Anwohner erst genommen werden und bereits jetzt zu Randzeiten kurze Busse zum Einsatz kommen.
  • Die Bürgerkammer hält es für wichtig, dass es in Neuschloß auch künftig einen attraktiven Busverkehr geben wird.
  • Die Bürgerkammer strebt, im Zuge einer grundsätzlichen Anpassung des Busverkehrs (ggf. im Rahmen der Einführung der S-Bahn), eine Lösung an, die möglichst vielen Interessen gerecht wird. Ein Ansatz könnte eine Linienführung sein, die noch mehr auf kurze Busse setzt.
  • Die Bürgerkammer hält weitere Gespräche mit dem Busunternehmen zum Thema Geschwindigkeit und Hupen für dringend nötig.

Um einen Eindruck vom Gewicht des Themas zu bekommen: Tagüber fährt grob über den Daumen jede Stunde ein Bus pro Fahrtrichtung durch den Stadtteil. Konkret fährt die 605 an Schultagen einmal am Morgen zur Pestalozzischule und dreimal am Mittag zurück. Die 602 rollt 13-mal über das Fachmarktzentrum (Aldi, Rede etc.), Bahnhof und Innenstadt zum Schulzentrum Wes; zwölfmal zurück.

In der Diskussion, in der die Bürgerkammer explizit die im Publikum anwesenden Anwohnnerinnen und Anwohner einbezog, fasste eine Präsentation noch einmal die Argumente zusammen. Demnach sprechen dafür, dass die Busse aus dem Wohngebiet verschwinden

  • die Wohnqualität von Anwohnern: Busse sind laut und verbreiten Abgase,
  • die Sicherheit von Anwohnern: Busse in normaler Länge überfahren teils den Bürgersteig,
  • die Verkehrssicherheit: Busse in normaler Länge fahren teils auf der Gegenfahrspur.

Als Argumente dafür, dass die Haltestelle „Neuschloß Ulmenweg“ weiter angefahren wird, wurden genannt:

  • kürzere Wege für viele Neuschlößer: Wir haben zwei Bushaltestellen, die jeweils ein Einzugsgebiet von Straßen im Ortsteil abdecken.
  • Einkaufsmöglichkeit: Linie 602 fährt vor allem für die Neuschlößer das Fachmarktzentrum an. Lange Tragewege sind da nicht zielführend.
  • Mit dem demografischen Wandel wird die Busanbindung wichtiger.
    Mehr Sicherheit, besonders für Schulkinder an der Haltestelle Ulmenweg mit dem angegliederten Ahornplatz. Alternative bedarf Fußweg entlang der Landesstraße.
  • Infrastruktur: Haltestelle Ulmenweg stärkt den Ahornplatz und das Kiosk am Ahornplatz als letzte Einkaufsmöglichkeit.

Der Ahornweg enthält zwei 90-Grad-Kurven - nicht einfach für Busse.
Der Ahornweg enthält zwei 90-Grad-Kurven – nicht einfach für Busse.